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Energie
Es gibt verschiedene Energieformen, in diesem Kapitel wird nur jene betrachtet, die der Körper zum  Leben benötigt und über das Futter zugeführt wird. Die veraltete Einheit für diese physikalische  Größe ist die Kalorie (Abkürzung: cal, bzw. kal), die heutige das Joule (Abkürzung: J). Nur bei  Lebensmitteln darf noch zusätzlich zu Joule die alte Einheit Kilokalorie (Abkürzung: kcal) verwendet  werden. Der Vorsatz k steht für Kilo = 1.000, während M für Mega = 1.000.000 steht. Mit diesen  Vorsätzen werden sehr große/lange Zahlen mit vielen Stellen vermieden. 1 Kilokalorie bedeutet  demnach 1.000 Kalorien.  Umrechnungen:  1cal = 4,1868J  1Kcal = 4186,8J  = 4,1868kJ  = 0,0042MJ  1J   = 0,2390cal 1kJ = 239,0057cal  = 239,0057kcal  1MJ  = 239 005,7361cal  = 239,0057kcal  Die Energie eines Futters resultiert vorrangig aus den darin enthaltenen Kohlenhydraten, Fetten und  zum Teil aus Proteinen. Grundsätzlich werden die Bruttoenergie (GE = gross energy), die verdauliche  Energie (DE = digestible energy) und die umsetzbare Energie (ME = metabolizable energy) in der  Tierernährung betrachtet.  Bild 65: Energieverluste  Die Verdauliche Energie wird für das Pferd und das Kaninchen benutzt, die umsetzbare Energie für  Wiederkäuer, Schweine und Geflügel, denn bei diesen Tierarten spielen noch Energieverluste wie  Gase durch die Gärtätigkeit im Pansen des Rindes oder das Legen von Eiern bei Hühnern eine Rolle,  während bei Pferd und Kaninchen lediglich der Kot zu nennenswerten Energieverlusten führt.  Zusätzlich treten Energieverluste durch Leistungen wie z. B. in der Säugephase auf, die  entsprechend berücksichtigt werden müssen.   Die Tatsache, dass kleinere Tiere einen höheren Energieumsatz als größere aufweisen, wurde von  Kleiber am Beispiel des Ochsen, der so viel wiegt wie 300 Kaninchen, verdeutlicht. Obwohl sie das  gleiche Gewicht haben, fressen sie ca. 4mal soviel wie der Ochse. 1 Tonne Heu haben die 300  Kaninchen nach 33 Tagen, der Ochse nach 130 Tagen aufgefressen. Durch den höheren  Energieumsatz verloren die Kaninchen in dieser Zeit mehr Wärme und hatten ein Gewicht erreicht,  auf das der Ochse erst nach 130 Tagen kam. Das heißt, die Kaninchen haben viermal schneller als  der Ochse die gleiche Gewichtszunahme erzielt.   Tabelle 10: Ochse und Kaninchen als Futterverwerter von jeweils 1 Tonne Heu, nach von Engelhardt  (2010)  1 Tonne Heu  | Tonne Heu       Tier  1 Ochse | 300 Kaninchen  Gesamtgewicht  600kg  | 600kg  Heuverzehr pro Tag  7,5kg | 30kg 1 Tonne Heu reicht  130 Tage  | 33 Tage  Tägl. Wärmeverluste pro kg Körpergewicht  60kJ  | 250kJ  Tägliche Gewichtszunahme  0,9kg | 3,6kg Gewichtszunahme pro Tonne Heu  120kg  | 120kg  Jede Tierart hat also ihren speziellen Energiebedarf, für Kaninchen sind das die folgenden, aus  (Kamphues, et al., 2004) & (Fekete, 1993):  Energiebedarf für die Erhaltung:   ≈ 440 – 550 kJ DE/kg KM0,75 Energiebedarf während der Laktation:   ≈ 3 x Erhaltungsbedarf (= 1320 kJ = 1,3 MJ)  In der Tierhaltung wird mit dem Erhaltungsbedarf jener Bedarf bezeichnet, der für die Produktion von  Körperwärme und die Verdauungsvorgänge benötigt wird. Dieser ist natürlich in der Laktationsphase  der Häsin, also der Zeit des Säugens von Jungtieren, wesentlich höher und wird häufig unterschätzt.  Die Folge sind unterernährte Jungtiere mit einem schlechten Start ins Leben und eine Häsin, die von  ihrer Substanz zehren muss. Ein weiterer, wesentlicher Abschnitt im Leben eines Kaninchens mit besonderen Nährstoff- und  Energieanforderungen ist die Phase des Wachstums. In der Heimtierhaltung wird oft mit sehr viel  Vorsicht bei der Fütterung von Jungtieren vorgegangen. Das ist zwar grundsätzlich richtig, kann aber  bei einem falschen Verständnis bzw. übertriebener Vorsicht zu einer Mangelernährung in einer Phase  des Lebens führen, in der der Bedarf der Jungtiere sehr hoch ist. Natürlicherweise wird sich ein  Jungtier an der Nahrung orientieren, die auch seine Eltern fressen. Werden alle Tiere mit arttypischer  Nahrung, also frischen Gräsern, Kräutern, Laub und Samen ernährt, wird es in aller Regel keine  Probleme geben. Diese können erst dann auftreten, wenn die Nahrung zum Beispiel aus Fertigfuttern  wie Pellets besteht. Vor allem in der Zeit der Umstellung von flüssiger Nahrung (Milch) auf feste kann  es auf Grund der fehlenden Struktur dieser Futtermittel zu massiven Störungen in der Verdauung  kommen. Erklärbar ist das durch die hohen Mengen, die Jungtiere normalerweise fressen. Bestehen  diese vorwiegend aus fein vermahlenen und somit sehr gut verdaulichen Grundstoffen, wird der  Blinddarm damit förmlich geflutet. Neben der Ernährung bilden aber noch weitere Faktoren wie  Stress z. B. durch Absetzen von der Mutter zwischen der 6. und 10. Lebenswoche ein Risiko, das zu  Krankheiten führen kann.  Der Bedarf für den Stoffwechsel steigt nicht proportional, also linear mit der Körpermasse, sondern in  der 3/4 Potenz zur Körperoberfläche. Dieser Zusammenhang zwischen Körpermasse und  Stoffwechsel von Tieren wurde von Max Kleiber festgestellt und ist als Kleibers Gesetz (auch  Skalengesetz) bekannt. Er wird bei der Berechnung von benötigten Mengen für Kaninchen durch die  metabolische Körpermasse berücksichtigt. (West, et al., 1999) fanden die  wirkliche, tiefer liegende  Erklärung für dieses Skalengesetz: die Stoffwechselrate hängt direkt mit der Größe des  Streckennetzes zusammen, mit dem das Herz die Nährstoffe in die einzelnen Zellen transportiert. Sie  berechneten die effektive Oberfläche dieses Streckennetzes in verschiedenen Lebewesen, welches  sich wie ein Volumen verhält und bestätigten damit auf mathematische Weise das Gesetz von  Kleiber. Beispiel: benötigt z. B. ein Tier mit einer Körpermasse von 1kg 440kJ verdauliche Energie pro Tag, so  braucht ein Tier mit der doppelten Körpermasse nicht die doppelte Energiemenge von 880kJ,  sondern 440kJ x 20,75kg = 740kJ bzw. 0,74MJ. Kaum ein Halter wird die tägliche Futterration anhand  solcher Werte berechnen, aber manchmal ist es nicht verkehrt, über Schätzwerte zu verfügen, um mit  der Fütterung nicht  gänzlich neben dem Bedarf zu liegen. Außerdem muss natürlich bedacht  werden, dass nicht nur der Energiegehalt des Futters wichtig ist.   Tabelle 11: Metabolische Körpermassen und Erhaltungsbedarf an verdaulicher Energie [DE MJ]  |     Energie [DE MJ] KM [kg] | KM0,75 [kg] | von  - bis    1,0 | 1,0 | 0,44 - 0,55  1,5 | 1,4 | 0,60 - 0,75  2,0 | 1,7 | 0,74 -  0,92  2,5 | 2,0 | 0,87 - 1,09  3,0 | 2,3 | 1,00 - 1,25  3,5 | 2,6 | 1,13 - 1,41  4,0 | 2,8 | 1,24 - 1,56  4,5 | 3,1 | 1,36 - 1,70  5,0 | 3,3 | 1,47 - 1,84  Tabelle 12: Mengen verschiedener Futtermittel, die nötig wären, den erforderlichen Bedarf an  verdaulicher Energie für ein Kaninchen zu decken, das 2,5kg (0,98 DE MJ) und 4kg wiegt (1,4DE  MJ).    Menge für ein  | Menge für ein   2,5kg-Kaninchen [g]  | 4,0kg-Kaninchen [g]  Getreide  77  | 110 Pellets 98  | 140  Heu  165  | 236  Obst 340  | 485  Wiese 502  | 717  Gemüse  765  | 1093  Normalerweise fressen Kaninchen „auf Energie“. Das heißt, sie nehmen von einem Futter nur soviel  auf, wie sie für die Deckung ihres Bedarfs benötigen. Diese natürliche Regulierung kann aber durch  eine Reihe von Faktoren außer Kraft gesetzt werden. Vor allem eine Kastration und mangelnde  Bewegung können auch bei einer normalen Energiezufuhr zu einer Gewichtszunahme führen.   Der Bedarf kann sich erhöhen, wenn besondere Bedingungen herrschen wie z. B. ein Winter mit sehr  niedrigen Temperaturen. In diesem Fall muss schon allein für die Aufrechterhaltung der  Körpertemperatur mehr Energie aufgenommen werden.   Diagramm 5: Verdauliche Energie verschiedener Futtermitteln, aus (Kamphues, et al., 2004)    Bei den Angaben muss bedacht werden, dass es sich um Werte für die Trockensubstanz handelt. Um  den Bedarf an verdaulicher Energie zu decken, sind die Mengen auf Grund des entsprechenden  Wassergehaltes des Futters natürlich sehr unterschiedlich. Beispiel: ein Kaninchen mit einem Gewicht von 2,5kg hat einen Energiebedarf von ca. 0,98MJ  DE/Tag. Um diesen Bedarf zu decken, müsste es jeweils entweder 127g Pellets, 257g Heu, 628g  Löwenzahn, 864g Möhren oder 1138g Gras fressen.  Ein Beispiel aus der Praxis: (Wolf, et al., 1999) untersuchten die Futteraufnahme von  Zwergkaninchen. Geprüft wurden die Aufnahmemengen von jeweils Pellets, Mischfutter  aus nativen  Komponenten sowie „Grünfutter“, dessen Zusammensetzung aus Weißkohl-/Grünkohl- und  Blumenkohlblättern aber eher als „suboptimal“ bezeichnet werden kann. Es diente laut Aussage der  Autoren entsprechend auch nur der „Simulation“ der Grünfutteraufnahme. Die Grünfutterration wurde  mit Ergänzungspellets verfüttert, von denen ca. 15g/Tier/Tag gefressen wurden. Die Tiere wogen zu  Beginn der Versuche 800 - 900g. Bei vielen Tieren, die Pellets und Mischfutter fraßen, waren  deutliche Verfettungserscheinungen festzustellen, die u. a. auf die ad libitum-Fütterung  zurückzuführen war. Bei den Tieren, die mit Grünfutter und Ergänzungspellets ernährt wurden,  fehlten diese nahezu vollständig.   Erklärbar sind die Unterschiede durch die Energiedichte im jeweiligen Futter und dessen Verdauung.  Grünfutter wird fast vollständig im Dickdarm verdaut, während leicht verdauliche Kohlenhydrate im  Dünndarm resorbiert werden. Damit wird auch deutlich, dass die verdauliche Energie von  Futtermitteln unter Umständen falsch eingeschätzt wird. 
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