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Gemüse & Salate
Gemüse und Salate gelten heute als die ultimative Alternative für die Fütterung von Kaninchen. In  dem Maße, wie Enthusiasten nach neuen Wiesenpflanzen für ihre Tiere suchen, sind andere  bemüht, jedes noch so exotische Gemüse an ihre Tiere zu verfüttern. Wenn man Bilder von  Futternäpfen mit Obst und Gemüse im Internet sieht, meint man oft, dort werden Affen und  Papageien gehalten, aber nicht Kaninchen. Dementsprechend gibt es mittlerweile auch viele  verzweifelte Halter, deren Kaninchen an immer währenden Durchfällen und anderen Erkrankungen  leiden, die sie sich nicht erklären können. Sie machen ja eigentlich alles richtig, denn der  Gemüseberg für ihre Tiere ist sorgsam nach den Kriterien diverser Futterlisten im Internet  zusammengestellt. Wie kommt man eigentlich auf Gemüse? Es ist einfach zu beschaffen, das ist  alles. Den Kaninchen nützt es nicht viel, eher im Gegenteil.  Kaninchen zählen unter den Herbivoren zu den Folivoren, also zu den Blattfressern. Von Gemüse  fressen sie gern die oberirdischen Bestandteile, also das, was der Mensch eher als “Abfall”  betrachtet und entsorgt. In nahrungsarmen Zeiten benagen sie auch Wurzeln, aber sie werden selten  gefressen. Es geht ihnen um die Bestandteile, die dicht unter der Rinde der Pflanzen sitzen.  Angeboten werden ihnen heute in großen Mengen Rüben, Karotten, Wurzelsellerie, Fenchelknollen,  Schwarzwurzel und so weiter. Dabei handelt es sich zum großen Teil um sehr leicht verdauliche,  rohfaserarme Futtermittel.  Einige Nährstoffgehalte von Gemüse im Vergleich zu frischem Grün:  Gehalt an erstlimitierenden Aminosäuren:   Gehalt an erstlimitierenden Aminosäuren im Vergleich zum Bedarf - liegen die Werte unter 0,  bedeutet das, dass ein Defizit vorhanden ist, Werte über 0 einen Überschuss  Der Gehalt an erstlimitierenden Aminosäuren, also jenen Bausteinen der Proteine, die die  Verwertung aller anderen beeinflusst, liegt deutlich unter dem in frischer Wiese.   Hervorgehoben wird immer der besondere Gehalt an Vitaminen in Gemüse. Für den Menschen ist  das sicher zutreffend, doch Kaninchen nehmen mit ihrer arttypischen Nahrung wesentlich mehr  Vitamine als mit Gemüse auf. Gehalt an ß-Carotin, der Vorstufe von Vitamin A  Kräuter: Mittelwert aus Kresse, Sauerampfer, Petersilie und Löwenzahn  Gemüse: Mittelwert aus Kohlrabi, Kopfsalat, Endivien, Sellerie, Chicorée, Mohrrübe Werte aus Jeroch (1993) und Uni Hohenheim (2012)  Der Gehalt von ß-Carotin-Gehalt liegt in einer Mischung aus Gräsern und Kräuter deutlich höher als  im Gemüse, selbst wenn die Nahrung eines Kaninchens zu 100% daraus bestehen würde. Wenn  man Heu und Gemüse im Gemisch anbietet, beträgt er nur noch 1/3 des Gehaltes in der Wiese.  Vitamin-E-Gehalt in verschiedenen Futtermitteln  Vitamin E ist in Gemüse kaum enthalten. Wenn messbar, werden dessen Gehalte in µg (Mikrogramm  bzw, Millionstel Gramm) angegeben.  Von der Zufuhr weiterer Vitamine ist ein gesundes Kaninchen weitgehend unabhängig, wenn auch  diese in der natürlichen, arttypischen Nahrung reichlich vorhanden sind. Für das Kaninchen in  Wohnungshaltung kann jedoch fehlendes Vitamin D ein Problem darstellen, wenn es dieses nicht  über die Nahrung erhält. Dieses Vitamin ist weder in frischem Grün noch in Gemüse enthalten. Eine  Möglichkeit der Zufuhr wäre sonnengetrocknetes Heu oder Pilze, die natürliches Vitamin D enthalten.  Eine Zufuhr über sogenannte Supplemente ist nicht empfehlenswert, weil schnell eine Überdosierung  erreicht werden kann und das Vitamin anders verwertet wird als über die Aufnahme mit Futter oder  UV-Strahlung.   Ein weiteres Problem von Gemüse ist der niedrige Rohfasergehalt. Die bisher übliche Weender  Analysemethode zeigt diesen Mangel nicht, erst die Detergenzienmethode nach van Soest zeigt die  Nachteile von Gemüse als Ersatz der arttypischen Nahrung.   Die beiden Diagramme links sollen  das Problem zeigen: im oberen  Diagramm sind die Rohfaser-  fraktionen verschiedener Futtermittel  dargestellt (Der Vergleich mit den  Rohfasergehalten der Weender  Analyse ist auf der Seite “Rohfaser”   zu finden).  Der Gehalt an wichtigen Nahrungs-  fasern liegt im frischen Grün um das  fünffache höher als in Gemüse.   Wenn man sich diese sehr niedrigen  Gehalte im Zusammenhang mit dem  Zuckergehalt in den Gemüsesorten  im zweiten Diagramm ansieht, wird  einem sicher der Zusammenhang  von einer überwiegenden Gemüse-  fütterung mit Durchfällen klar.   Der Grund sind die fehlenden  Fasern, die für die Peristaltik nötig  sind. Der relativ hohe Gehalt an  leicht verdaulichen Kohlenhydraten,  die den Nährboden für unerwünschte  Bakterien und Pilze (Hefen) bilden,  weil er den pH-Wert im Blinddarm  verändert, verstärkt das Problem.  Schließlich geht der fehlende  Rohfasergehalt auch zu Lasten der  Kautätigkeit und somit des nötigen  Zahnabriebs.  Heute wird oft die Meinung verbreitet, man müsse den Kaninchen Gemüse ad libitum anbieten. Dann  könnten sie sich aus der Menge alles heraus holen, was sie brauchen. Das funktioniert natürlich  nicht, denn dann müsste in den verschiedenen Gemüsesorten alles drin sein, was ein Kaninchen  braucht. Da das nicht der Fall ist, kann auch diese Ernährungsweise über einen längeren Zeitraum  nicht gut gehen.  Es bleibt schließlich festzustellen, dass der hohe Wassergehalt als einziger Vorteil des Gemüses die  vielen Nachteile zur arttypischen Nahrung nicht ausgleichen kann. Etwas drastisch formuliert, liefert  Gemüse im Prinzip als “farbiges Wasser” lediglich einen Beitrag zur Versorgung mit Flüssigkeit, aber  nicht mit Nährstoffen. 
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