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Haltung
Wer jemals die Gelegenheit hatte, Wildkaninchen in Freiheit oder Hauskaninchen in einem großen  Freilauf zu beobachten, wird wissen, dass gängige Empfehlungen für eine artgerechte Unterbringung  nicht geeignet sind. Tiere, die in der Lage sind aus dem Stand über einen halben Meter hoch zu  springen, Geschwindigkeiten von bis zu 40km/h zu entwickeln, im Spiel Salti in der Luft zu drehen  und aus dem Nichts plötzlich Sprints über 20m hinzulegen, kann man nicht ein Leben lang  einsperren, ohne ihnen etwas an Lebensqualität zu nehmen.  Bild: Salto Bild: Sprung  Für die Unterbringung von Hauskaninchen gibt es keine gesetzliche Vorgabe - lediglich  Empfehlungen. Zwar existieren Mindestanforderungen für Fläche und Raum einiger seriöser  Organisationen, doch sollten auch diese immer als das absolute Minimum angesehen werden - jeder  Quadratzentimeter mehr ist Gold wert. Diese Empfehlungen orientieren sich an der Größe der  Kaninchen und sind absolute Mindeststandards. Auch die Forderungen verschiedener  Tierschutzorganisationen orientieren sich oft nur an der Fläche, die sie selbst den Tieren zur  Verfügung stellen können. 2m2 pro Tier sind eigentlich lächerlich, wenn man den Bewegungsbedarf  und die Möglichkeiten dieser Tiere berücksichtigen will. Aber wer will das schon? Tiere besitzen - ja -   aber bitte zu den Bedingungen des Menschen.  Soziale Aspekte der Haltung (siehe hierzu auch Lebensweise)  Immer wieder wird in Verbindung mit Kaninchen für soziale Verbände der Begriff Rudel benutzt. Die  Herkunft dieses Begriffes ist nicht eindeutig geklärt, er wird aber seit jeher der Jägersprache  zugeordnet und bezeichnet eine Herde von Hirschen, Gämsen, Rehen oder Wölfen. Kaninchen  dagegen leben in Gruppen, die hauptsächlich aus Familienmitgliedern bestehen.   Die soziale Lebensweise der Wildkaninchen wird oft als Argumentationsmittel für das unbedingte,  nötige Zusammenleben von Kaninchen in der Heimtierhaltung angeführt. Das ist natürlich  grundsätzlich richtig, Dabei sollte folgendes bedacht werden: Wildkaninchen leben nicht zusammen,  um zu kuscheln, sondern bilden mehr oder weniger eine Zweckgemeinschaft. Starke, gesunde Tiere  zeugen Nachkommen, schwächere Tiere ordnen sich unter und werden bestenfalls akzeptiert - oder  vertrieben bzw. wandern ab. In der Natur dient dieser natürliche Sachverhalt der Erhaltung der Art.  Untersuchungen und Studien zeigen, dass die ranghöchsten Tiere auch über die stärkste Physis  verfügen – ebenso wie ihre Nachkommen (von Holst, 2004). Diesem natürlichen Fakt sollte in der  Haltung von Hauskaninchen Rechnung getragen werden. Auch in der Heimtierhaltung mit mehreren  Kaninchen lassen sich bei ausreichend Platz Gruppenbildungen beobachten. Die Gruppenmitglieder  halten sich dabei mehr oder weniger in bestimmten, getrennten Bereichen auf. Das Einwandern  neuer, völlig gruppenfremder Tiere in eine bestehende Gemeinschaft ist in der Natur eher die  Ausnahme und wenn, brauchen die neuen Tiere sehr viel Zeit, um von anderen Gruppenmitgliedern  – vor allem den ranghöchsten – akzeptiert zu werden.  Bei aller Tierliebe darf nie nicht vergessen werden: nicht jedes Tier verträgt sich mit jedem  Artgenossen!  Empfehlungen von Zusammenführungen bzw. Vergesellschaftungen von Kaninchen in  engen Behältnissen wie Transportboxen erfüllen aus unserer Sicht den Tatbestand der  Tierquälerei.  Die Empfehlungen sind zum Teil völlig abstrus, leider auch von Tierschutzvereinen. Offenbar ist man  nicht in der Lage, sich über das Wesen der Tiere zu informieren und schafft Situationen, die  Verletzungen ohne die Möglichkeit des Eingeifens provozieren - ein Tierschutzverein geht sogar  soweit, die Zusammenführung in einer Transportbox im fahrenden Auto zu veranstalten.   Solche “Tipps” sind aus unserer Sicht tierschutzwidrig und außerdem wenig erfolgversprechend,  auch wenn es als angeblich probate und funktionierende Maßnahme angepriesen wird. Sie hat  lediglich das Ziel, die Vergesellschaftung der Tiere für den Menschen schnell und ohne großen  Aufwand zu erledigen.   Durch solche Maßnahmen werden keine “Streithähne” zu guten Freunden und es wird schon gar  nicht irgendeine Rangfolge geklärt. So ist z. B. zum Nachlesen der Fakt aus einer Dissertation von  Graf (2010) erwähnenswert, dass es zwischen Häsinnen nicht kurz nach dem Zusammensetzen,  sondern erst später zu ernsthaften Auseinandersetzungen kam – also nach der Kennenlernphase.   Eine Hierarchie entsteht nicht in einer Transportbox! Rammler sollten mit beginnender Geschlechtsreife, also ab ca. der 12. Woche getrennt werden. Eine  Frühkastration ist ab der 6. - 8. Woche möglich, wird jedoch nicht unbedingt von jedem Tierarzt  durchgeführt und ist umstritten, weil mit Nachteilen für das Tier verbunden. Eine Kastration  beeinflusst unter anderem das Immunsystem negativ und bestimmte, verhaltenstypische  Eigenschaften werden nicht ausgebildet. Kastrierte Tiere stehen in der Hierarchie einer Gruppe meist  immer ganz unten.   Unter ausgewachsenen, unkastrierten Rammlern können unter beschränkten Haltungsbedingungen  erbitterte Kämpfe stattfinden, die bis "aufs Blut" ausgefochten werden. Grundsätzlich können zu  weiblichen Tieren auch kastrierte Rammler gesetzt werden, während eine Zusammenführung adulter  (erwachsener), weiblicher Tiere mit Problemen verbunden sein kann. Die Vergesellschaftung sich  fremder Tiere sollte möglichst auf einer größeren Fläche, die für alle beteiligten Tiere fremd bzw.  neutral ist, stattfinden. Somit ist eine mögliche Revierverteidigung schwieriger.  Rückzugsmöglichkeiten und viel Platz erleichtern unterlegenen Tieren den Schutz und das  Ausweichen vor ranghöheren Gruppenmitgliedern.   Grundsätzlich bilden enge Platzverhältnisse immer die Grundlage für Stress, der sich auf Dauer auch  immundepressiv auswirken kann - mit anderen Worten: die Tiere können unter solchen Verhältnissen  krank werden.  Sollen fremde Tiere in eine bestehende Gruppe eingeführt werden, sollte diesen vorher unbedingt die  Möglichkeit gegeben werden, das neue, für sie fremde Territorium zu erkunden, und zwar ohne den  Tieren, denen das Territorium “gehört”. Jagen sich die Tiere später, sind die neuen sonst  hoffnungslos unterlegen und können sich bei Kollisionen mit Gegenständen in der unbekannten  Umwelt ernsthaft verletzen. Bewährt haben sich auch das Einreiben der/des Neulings mit dem "Duft"  des Platzrammlers bzw. der ranghöchsten Häsin - je nach Geschlecht. Dazu werden die Hände mit  Material (z. B. Einstreu) von Kotplätzen eingerieben und dann wiederum der Neuling. Kaninchen  erkennen sich auch über Düfte aus Drüsensekreten, die durch Markieren der Artgenossen verteilt  werden und die Gruppenzugehörigkeit signalisieren.  Eine angestrebte Zusammenführung sollte nur unterbrochen werden, wenn ein Tier augenscheinlich  derartig von Artgenossen malträtiert wird, dass körperliche Schäden nicht mehr ausgeschlossen  werden können. Eine weitere Möglichkeit der Zusammenführung besteht darin, die Häsin in den Stall  zu dem Rammler zu setzen, und zwar in dieser Reihenfolge. Häsinnen verteidigen ihren potentiellen  Platz für ein Nest sehr aggressiv. Wird sie in einen Rammlerstall gesetzt, sind die Erfolgschancen für  die Vergesellschaftung deutlich größer.   Ideal ist die Zusammenführung auf großer Fläche, die den Tieren genügend Platz für Flucht und  Rückzug für individuellen Spielraum lässt, den sie durchaus genauso benötigen wie Gesellschaft.  Eine Zusammenführung sollte nicht um den Preis der Gesundheit der Tiere stattfinden - wenn sich  Kaninchen partout nicht miteinander vertragen, müssen andere Partner für sie gefunden werden bzw.  ist eine getrennte Haltung der Artgenossen der letzte Weg.   Der Mensch kann auf gewisse Weise das Sozialverhalten von Tieren oder einer Gruppe von Tieren  beeinflussen. Dafür sind vor allem sehr viel Geduld und eine gute Beobachtungsgabe für das  Verhalten nötig. Grundsätzlich sollte man sich den Tieren auf "gleicher Höhe" nähern -  Löwenzahnblätter oder etwas Gras lässt sie schnell näher kommen. Keine hastigen Bewegungen,  mit ruhiger Stimme sprechen, nahrhafte "Leckerlis" und Geduld sind Voraussetzung dafür, dass die  eigentlich sehr neugierigen Tiere Vertrauen fassen. Auch Tiere, die relativ frei leben, können mit der  Zeit sehr zutraulich werden.   Als typische Beute- und Fluchttiere reagieren sie auf schnelle Bewegungen und plötzliche,  ungewohnte und laute Geräusche - vor allem auf den Boden fallende Gegenstände lösen den  Fluchtinstinkt oder zumindest verstärkte Aufmerksamkeit nach der Quelle des Geräusches aus.  Besteht in einer Gruppe eine feste Rangordnung, sollte die auch vom Halter akzeptiert, respektiert  und durch sein Verhalten gestärkt werden. Das heißt, das ranghöchste Tier wird zuerst begrüßt,  bekommt zuerst Futter oder geht nach dem Freilauf als letztes Tier in den Stall. In der Regel ist das  der Rammler, gefolgt von der ranghöchsten Häsin. Bei Streitigkeiten in der Gruppe sollte der Mensch  nicht eingreifen. Erst wenn gesundheitliche Schäden für ein unterlegenes Tier oder dauerhafter  Stress durch die Anwesenheit eines bestimmten Tieres abzusehen sind, muss gehandelt werden.   Vor allem ihre Neugier lässt sich nutzen. Wer sich ruhig auf eine Wiese setzt, wird bald "Besuch"  bekommen.  Wird ein fremdes Tier neu in eine Gruppe eingesetzt, bilden sich in der Regel neue Rangordnungen.  Dabei kann es recht turbulent zugehen. Wird das neue Tier von anderen Gruppenmitgliedern partout  nicht akzeptiert, muss es wieder aus der Gruppe entfernt werden, da sonst das Gefüge der  Gemeinschaft auf dem Spiel steht, was eine enorme Belastung für alle Tiere darstellt. In freier  Wildbahn würden solche Tiere normalerweise von der Gruppe abwandern - in Gefangenschaft muss  dies der Mensch, wie auch immer, klären. Entgegen mancher Meinung werden junge Tiere von  älteren oft problemlos "angenommen", vor allem von Rammlern. Bei der Zusammenführung von  Weibchen, egal welchen Alters, ist jedoch Vorsicht geboten. Kaninchen gewöhnen sich sehr schnell an bestimmte feste Abläufe. Wenn z.B. regelmäßig gegen  18:00 Uhr der Versorger mit den Körben voller frischen Grün kommt, finden sich sehr schnell alle  Tiere ein, um gemeinschaftlich zu fressen. Streit ist normalerweise beim Fressen kaum zu  beobachten - am "Futtertrog" sind alle Tiere gleich.  Wohnungshaltung  Die Wohnungshaltung von Kaninchen ist nicht unkritisch - deswegen würden sie auch gern "Wiese  kaufen". Ein großes Manko ist hierbei das "Mikroklima", also Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Zugluft,  Staub usw., welches allgemein das Wohlbefinden und die Schleimhäute negativ beeinflussen kann.  Besonders der Sommer ist, wenn der Trend so weiter geht, eine große Belastung für Wohnungstiere.  Viele Wohnungen sind heute mit Laminat, Parkett oder Fliesen ausgelegt, was eine sichere  Fortbewegung fast unmöglich macht. Rutschige Teppichbrücken, Schlingen in Teppichen oder  Fransen bergen zudem die Gefahr von Verletzungen, ebenso wie freiliegende Leitungen und  Stromkabel. Für einen Auslauf sind der frühe Morgen und der späte Nachmittag bzw. frühe Abend die  beste Zeiten, da die Tiere in dieser Zeit naturgemäß am aktivsten sind. Zusätzlicher Auslauf am  Morgen gibt den Tieren ebenfalls die Möglichkeit, ihrem Bewegungsdrang nachzugeben. Dies sind  lediglich Mindestempfehlungen - jede Minute mehr an Bewegung ist natürlich erstrebenswert. Die  Auslauffläche sollte einen griffigen Untergrund haben. Hindernisse, auf die sie springen können und  Beschäftigungsmaterial wie Zweige bieten eine willkommene Abwechslung. Der Ruheplatz sollte in  einem ruhigen Bereich und vor allem zugfrei stehen. Dabei sollten auch Türspalte berücksichtigt  werden, durch die im geschlossenen Zustand zuweilen ein recht scharfer Wind wehen kann. Zugluft  ist Gift für die Schleimhäute und führt sehr schnell zu Schnupfen oder entzündeten Augen. Ein  Problem für viele Halter stellt der Absatz von Kot und Harn in der Wohnung dar. Mit etwas Geduld  können Kaninchen "stubenrein" werden, denn mit der Zeit kennt man die Gewohnheiten der Tiere. An  Stellen, wo sie bevorzugt ihr Geschäft erledigen, können Kotschalen aufgestellt werden.   Haltung im Freien Darunter verstehen wir eine Haltung nicht ausschließlich in Ställen, sondern im Freien mit  entsprechend großem Auslauf, der den Kaninchen die Möglichkeit bietet, ihren Bewegungsdrang  auszuleben. Dies kommt einer wirklich arttypischen Haltung näher als eine Wohnungshaltung.  Nebenbei verschafft ihnen diese Form der Haltung ein gestärktes Immunsystem, dass sie vor vielen  Krankheiten schützen kann. Viele Halter ermöglichen ihren Tieren den ganzjährigen Aufenthalt an  frischer Luft in Freigehegen. Dabei muss jedoch darauf geachtet werden, dass der Boden in  regelmäßigen Abständen gereinigt werden kann, da sich mit der Zeit Krankheitserreger wie Oozysten  ansammeln können.   Praktisch ist das Auslegen des Geheges mit Steinplatten (z.B. Gehwegplatten) und das Freilassen  von kleinen Bereichen, die zum Buddeln genutzt werden können. Besonders wichtig ist, darauf zu  achten, dass es sonnen- und windgeschützte Bereiche gibt. Hier ziehen sich Kaninchen einen  großen Teil des Tages zurück, wenn es sehr warm ist. Gern legen sich Kaninchen hinter oder unter  schützende Elemente wie z.B. U-Steine, die man im Baumarkt bekommt.. Das Gehege kann mit  vielen Gegenständen ausgestattet werden, die die Tiere als "Ausguck", zum "Hürdenlauf" oder  einfach nur zum Ausruhen benutzen. Als vorteilhaft können sich auch Gehege erweisen, die  regelmäßig umgestellt werden. So wird der Boden nicht zu sehr mit Krankheitskeimen belastet und  die Tiere haben immer wieder neues Grün, dass sie fressen können. Hohe Temperaturen verträgt  dass Kaninchen weniger gut als niedrige, weshalb auch unsere Winter für sie kein wirkliches  Problem darstellen. Es sollte allerdings dafür Sorge getragen werden, dass es schneefreie, trockene  und windgeschützte Bereiche für sie gibt. Wer sein Kaninchen aus einer Wohnungshaltung ins Freie  umsetzen möchte, sollte dies spätestens Ende September vornehmen, so dass die Tiere noch  ausreichend Zeit haben, ein entsprechend dichtes Fell zu bilden.  Kaninchen, die im Freien "überwintern", können nicht ohne weiteres in die Wohnung geholt werden.  Wenn es trotzdem nötig sein sollte, müssen sie in einem Zimmer untergebracht werden, das  unbeheizt ist und dessen Fenster geöffnet sind, ohne Zugluft entstehen zu lassen. Sie verkraften die  Umstellung von einer kalten, mit relativ hoher Luftfeuchtigkeit geprägten Luft in eine trockene, über  20°C warme Atmosphäre über längere Zeit nicht.   Kaninchen können auf verschiedenste Weise sicher im Freien gehalten werden. Dabei sollten aber  verschiedene Dinge beachtet werden. Zum Einen die Sicherheit: viele Beutegreifer wie z. B. Marder  und Füchse leben heute in enger Gesellschaft des Menschen. Gehege, Auslauf und Ställe im  Außenbereich müssen so gesichert sein, dass die Kaninchen sicher vor Raubtieren sind. Zum  Zweiten die Hygiene: Leben Kaninchen längere Zeit auf relativ engem Platz mit natürlichem  Untergrund, wird dieser mit der Zeit durch den Kot und Urin "verseucht". Krankheitskeime sammeln  sich mit der Zeit und der Infektionsdruck steigt. Deshalb sollte dafür Sorge getragen werden, dass  der Boden desinfiziert oder ausgetauscht werden kann. Ist das Gehege mit Platten ausgelegt, wird  sich die Gefahr verringern - wenn diese regelmäßig gereinigt werden. 
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