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Die Fütterung des Hauskaninchens
Neben diversen Krankheiten wird wohl kein Thema so oft diskutiert wie die Fütterung von  Hauskaninchen, egal welchen Alters, welcher Rasse und Größe. Die Beantwortung der Frage zur  “richtigen” Ernährung des Hauskaninchens spiegelt solche Ausdrucksformen des Charakters und der  Absicht von Menschen wie Lüge, Wahrheit und Desinformation wieder.   “Ich weiß ja, das es völlig richtig ist, was Sie schreiben, aber das kann man nicht vermitteln -  das will keiner hören” [Tierschutz]  “Natürlich stimmt es, was Sie schreiben, aber die Leute wollen Alternativen” [Tierschutz]  “Ausschließlich Heu und Wasser stellt für Kaninchen eine artgerechte Ernährung dar”  [Tierärztin]  “Wer soll denn jeden Tag frisches Grün besorgen?” [Halter]  “Ich habe Hundert Tiere - und die soll ich mit frischem Grün versorgen? Geht’s noch?”  [Züchter]  “Ich rette Tiere, wie soll ich die denn alle mit frischem Grün versorgen? Darum können sich  dann andere kümmern.” [Tierschutz]  “Klar stimmen Ihre Aussagen, aber das darf man Kinder und Jugendlichen nicht erzählen, weil  die dann verunsichert werden. Die wissen doch, das Heu das Wichtigste für Kaninchen ist.”  [Tierschutz] “Was Sie schreiben, ist zu kompliziert, das kann man Kindern und Jugendlichen nicht  zumuten.” [Tierschutz] “Wir sind schon froh, wenn die Leute kein Trockenfutter mehr geben.” [Tierschutz]  “Kaninchen können mit frischem Grün nicht artgerecht ernährt werden” [Experten, Züchter]  “Wer Kaninchen mit arttypischem Futter ernährt, stellt die Nährstoffversorgung in den  Hintergrund” [Experten]  “Hauskaninchen kann man mit Wildkaninchen nicht vergleichen, also muss auch die Fütterung  anders sein” [Tierschutz, Züchter, Halter, Experten]  So mancher lässt sich wahrscheinlich von dem englischen Ausdruck “diet” für “Nahrung” leiten, der in  vielen Fachtexten benutzt wird und übersetzt ihn schlicht mit dem deutschen Begriff “Diät”.  Demzufolge werden dann natürlich auch die Kaninchen “diätisch” ernährt. Auch heute noch wird  sogar ein so genannter “Heutag” als sinnreich empfohlen, der das Kaninchen “entschlacken” soll.  Fehlt eigentlich nur noch das Fitness-Studio... Von Vertretern der WRSA und anderen Experten wiederum wird die Behauptung aufgestellt, die  artgerechte Ernährung größerer Kaninchen wäre tierschutzwidrig. Die verblüffende Begründung: eine  “Verringerung der Fortpflanzungs- und Wachstumsleistung” (Paulus, 2006). Das heißt, weil ein  Kaninchen eventuell nicht die gewünschte Wurfzahl/Jahr erbringt und die Jungtiere in einer  gewünschten Zeit nicht ihr Endgewicht erreichen, handelt ein Mäster, Züchter oder Halter  tierschutzwidrig. Da fragt man sich, wie die Züchter um 1890 die großen Rassen hervorbringen  konnten, die es heute gibt. "Die ablehnende Einstellung zur Pelletfütterung resultiert überwiegend aus der Einstellung zu  artgerechter Fütterung. Hierbei wird der ethologische Verhaltensvergleich von Wildkaninchen und  deren Futteraufnahmeverhalten mit der Notwendigkeit von Strukturfuttergabe bei Hauskaninchen  herangezogen. Dabei wird die Nährstoffversorgung in den Hintergrund gestellt." Krieg (2011)  Die Beweisführung für diese Behauptung ist ganz erstaunlich, denn als Beispiel wird die Futterrübe  im Vergleich zu Pellets angeführt, mit der man eine 4kg schwere Häsin in der Säugezeit ernähren  könne. Nur weil tausende Züchter diese Knolle an ihre Tiere verfüttern, ist sie deswegen kein   “artgerechtes” Futter. Wenn überhaupt, werden in der Natur diese unterirdischen Bestandteile der  Pflanze vor allem im Sommer benagt, was wohl aber eher dem Decken eines Flüssigkeitsbedarfs als  eines Nährstoffbedarfs dient. In vielen Verbreitungsgebieten stehen Futterüben gar nicht zur  Verfügung.   Der Mensch hat überwiegend die Gewohnheit, am Tag drei Mahlzeiten zu sich zu nehmen. Sein  ganzes Verdauungssystem ist auf diesen Rhythmus ausgelegt: nach einem langen Schlaf wird  gefrühstückt, mittags kommt die nächste Portion und als Abschluss gibt es abends noch ordentlich  Nährstoffe, weil die Nacht ja lang ist. Was liegt also näher, als für seine Tiere einen Fütterungsplan  zu erstellen, der die Mahlzeiten mit den jeweiligen Mengen festlegt. Es gibt tatsächlich “Vorlagen” im  Internet, die akribisch die Menge und Sorte des Futters, sowie den Wochentag und die Tages- bzw.  Uhrzeit der Fütterung festlegen. Unerfahrene Halter gieren förmlich nach solchen Plänen, weil man  aus ihrer Sicht damit nicht mehr viel falsch machen kann. Genau genommen ist aber jeder Plan an  sich schon ein Riesenfehler.  Ist das Sammeln von frischem Grün nicht möglich, müssen Alternativen her - möglichst mit  Mengenangabe. Die Zusammensetzung mancher dieser alternativen Mahlzeiten kann einen zur  Annahme gelangen lassen, es soll auch noch ein Papagei mitversorgt werden.   Im Gegensatz dazu wird die “Ad-libitum”_Fütterung mit Gemüse gefeiert, weil sich das Kaninchen  dann angeblich alles, was es braucht, selbst nehmen könne. Das scheitert schon in der Theorie, weil  das Gemüse alle Nährstoffe haben müsste, die ein Kaninchen braucht. Ein folgenschwerer Irrtum.   Das Kaninchen frisst, genetisch bedingt, in den frühen Morgenstunden und am Abend bis in die  Nacht hinein die größten Mengen. Darauf ist auch die Aufnahme von Blinddarmkot und dessen  Verwertung ausgerichtet. Im Vergleich zum Wildkaninchen frisst es aber auch am Tag häufig kleine  Mengen, wenn das Futter ad libitum zur Verfügung steht. Es muss sich nicht in einem Bau vor  Feinden verstecken und hat somit die Möglichkeit, auch tagsüber aktiv zu sein.  Wenn man für Kaninchen einen Futterplan aufstellt, kann das aus verschiedenen Gründen zu  Fehlversorgungen führen. Der Mensch neigt dazu, einen einmal aufgestellten Plan auch zu befolgen.  Wenn der Plan also z. B. Heu, Kohlrabi, Möhre, Kohl und Salat enthält, bedeutet das einen  deutlichen Nährstoffmangel und bei einer rationierten Fütterung die Basis für einen Leerlauf im  Verdauungstrakt. Die Auswahl enthält viel leicht verdauliche Kohlenhydrate und wenig Rohfaser für  eine effektive Peristaltik. Im Prinzip würde ein Plan mit diesem Futter nichts enthalten, was auch nur  annähernd interessant für ein Kaninchen sein könnte - und das wird dann auch noch auf drei  Mahlzeiten aufgeteilt.  Wir haben uns natürlich trotz der Kritik an Futterplänen ebenfalls Gedanken zu einer “planmäßigen”  Fütterung von Kaninchen gemacht. Das Resultat zeigen die folgenden zwei Tabellen.  Vielleicht haben die zwei Pläne noch Optimierungspotential, aber eigentlich lassen sich auf diese  Weise Kaninchen gesund ernähren. Jedenfalls hatten wir damit in vielen Jahren nie Probleme.  In einer Diskussion mit der Vertreterin einer “Kaninchenschutz”-Organisation wurde mir vorgeworfen,  meine Darlegungen würden Kinder und Jugendliche verwirren. Die Ausführungen wären zu  kompliziert und man wäre schon froh, dass man die Halter vom Trockenfutter weg bekäme.   Im Laufe der Jahre wurden, vor allem von Tierschutz, so viele Regeln für die Fütterung von  Kaninchen aufgestellt, dass die meisten schon selbst nicht mehr wissen, was nun eigentlich gelten  soll. Im gleichen Zeitraum fütterten wir unsere Tiere nach einem Plan, der denkbar einfach ist. Eine  kleine, sehr allgemein gehaltene Übersicht zeigt den Vergleich:  Die Mengenangaben in Prozent oder Gramm entbehren jeder fachlichen Grundlage und ergeben  überhaupt keinen Sinn. Allein das Errechnen der erforderlichen Mengen aus der, eigentlich einfach  klingenden, 80%/20%-Heu/Gemüse-Regel bereitet uns noch heute Kopfzerbrechen. Heu soll ad  libitum zur Verfügung stehen, also eine theoretisch unendliche, weil nie ausgehende Menge. Wie  bildet man daraus nun 80%? Warum Heu und Gemüse, wenn diese Nahrung Kaninchen  normalerweise eigentlich gar nicht fressen? Wie erkläre ich das meinem Kind? Indem ich es belüge,  denn ich weiß ja, was Kaninchen tatsächlich fressen? Soll ich andere Kinder belügen?  Was ist einfacher - die unsinnigen, nicht nachvollzieh- und anwendbaren Regeln oder unsere  Fütterungsweise?  Natürlich erhält man auf diese Fragen nur verschwommene, ideologisch angefärbte Antworten. Der  wahre Grund zeigt sich aber oft sehr schnell und ist einfach nachzuvollziehen: Effizienz.  Gelegentlich wird das unabsichtlich auch deutlich gemacht und ist im Prinzip genau der gleiche  Grund, warum viele Züchter eine einfache Fütterung mit Pellets einer arttypischen vorziehen: viele  Tiere, aber wenig Zeit und Gelegenheit. Das nun jemand daherkommt und diese Fütterung als  schlecht bezeichnet, ruft zwangsläufig Unmut hervor - warum man sich dann allerdings “Tierschützer”  nennt, bleibt wohl nicht nur uns ein Rätsel.  Wer ständig darstellt, dass die Fütterung von Kaninchen mit Alternativen und ohne großen Aufwand  zu ernähren sind, trägt im Prinzip dazu bei, dass immer mehr dieser Tiere in den Wohn- und  Kinderzimmern landen.  Warum das pauschal Trockenfutter verdammt wird, ist nicht wahrscheinlich nicht einmal Tierärzten so  richtig klar, denn im Gegenzug wird ein solches ja empfohlen: Heu. Das Problem ist aber, das man  die Inhaltsstoffe dieses Trockenfutters nicht kennt. Ein weiteres Problem ist die genauso sinnfreie,  pauschale Verdammung von Getreide. Aber die Futtermittelindustrie profitiert von den  “Tierschützern”, denn somit können neue Produkte im Markt platziert werden, weil “getreidefrei” jetzt  als Gütesiegel herhalten darf.  Das es im Tierschutz natürlich auch anders geht, zeigt sich im Kaninchenschutzforum, der Plattform  des Kaninchenschutz e.V. im Internet. Wer dem Kaninchen wirklich helfen möchte, Informationen zur  Haltung und Ernährung sucht und das im Rahmen des Tierschutzes, ist dort sehr gut aufgehoben.  Aus unserer Sicht gibt es zwar auch dort Einstellungen zu Themen, die im krassen Widerspruch zu  unseren eigenen stehen, aber kritischen Äußerungen folgt dort nicht gleich die Schließung eines  Beitrags oder der Rauswurf des unbequemen Kritikers, wie es in anderen Foren durchaus üblich ist.   Selbstverständlich ernten wir auch Kritik von Züchtern, womit wir also zwischen den Stühlen sitzen.  Prinzipiell lässt sich feststellen, dass die Kritik aber nicht an Inhalten erfolgt, sondern die typische  “Das wissen wir alles selber”-Mentalität widerspiegelt. Aber auch hier muss man sich fragen, warum  dann Krankheiten oft ganze Bestände bedrohen, wenn man doch alles weiß und trotzdem gegen  ganz einfache Regeln der Natur verstößt.  Einige Fakten und “Regeln”, an die wir uns selber halten Was auf unseren Seiten zur Nahrung und Fütterung von Kaninchen beschrieben wird, ist nicht neu.  Seit der Domestikation dieser Tiere mussten die Tiere natürlich auch ernährt werden. Viele  Erfahrungen sind überliefert und viele sind gut und richtig, lediglich die Gründe für manche  Empfehlungen oder Ratschläge sind heute besser erklärbar, weil man mittlerweile mit Hilfe der  Wissenschaft die Futtermittel besser kennt und beurteilen kann. Aus diesem Grund laufen wir auch  nicht mit dem erhobenen Zeigefinger durch die Gegend sondern bemühen uns, die Informationen zur  Verfügung zu stellen, die dem Halter Entscheidungen leichter machen sollen.  Unsere Fütterung orientiert sich grundsätzlich am  Wildkaninchen. Das bedeutet aber das genaue  Gegenteil dessen, was von Vertretern der WRSA  behauptet wird. Durch die Orientierung am  natürlichen Vorbild werden unsere Tiere mit allen  Hauptnährstoffen, aber vor allem auch  Sekundären Pflanzenstoffen sowie einem Futter  mit natürlicher Struktur und einem hohen  Wassergehalt versorgt. Erreicht wird das durch  eine sehr große Menge und Auswahl möglicher  Futterpflanzen, wobei wir darauf achten, dass der  Blattanteil möglichst hoch ist. Das Futter wird zwar täglich frisch geholt, es ist  aber durchaus möglich, Pflanzen auch noch nch  einem Tag zu verfüttern. Wie lagern das  Sammelgut auf Gestellen, die mit Draht bespannt  sind und zum Boden einen Abstand von ca. 5cm  verfügen. Auf diese Weise wird er gut belüftet,  außerdem kann Wasser, wenn man nasses Grün gesammelt hat, nach unten ablaufen.Dieses  Grünfutter wird in der Regel abends gesammelt,  vorgelegt und bleibt bis zum nächsten Abend  liegen. Bei Bedarf wird es aufgefüllt. Zusätzlich  bedienen sich die Tiere von der Wiese, auf der sie  den Tag verbringen. Dort werden natürlich auch  die Samen von Pflanzen gefressen, sobald sie zur  Verfügung stehen.  Eine Regel aus frühen Tagen lautet z. B., nicht zu  viel und schon gar keinen nassen Klee zu füttern,  weil der hohe Proteingehalt Blähungen  verursachen kann. Tatsächlich beruht aber die  blähende Wirkung auf den Saponinen. Das sind  Pflanzeninhaltsstoffe, die die Oberflächenspan-  nung des Wassers verringern und somit zur  Schaumbildung führen können. Der Begriff “Sapo”   kommt aus dem Lateinischen und bedeutet “Seife”   - ein Hinweis auf schäumende Eigenschaft. Wer  schon einmal nassen Klee geschnitten hat, kennt  dieses etwas schmierige, eben seifige Gefühl,  welches man beim Anfassen der Pflanzen hat. Die  Schaumbildung ist bei nassen Klee also schon in  Gang gesetzt, was bei einem übermäßigen  Verzehr schon zu Problemen führen kann, auch  wenn nasses Grünfutter in der Regel kein Problem  darstellt. Im Fall des Klees hatten aber die “Alten”  schon Recht. Auch bei Wiederkäuern ist die schäumende  Wirkung verschiedener Leguminosen bekannt und  wird dort “Schaumgärung” genannt. (Jeroch 1993)  Wir bieten Klee, egal ob nass oder trocken,  grundsätzlich in einem Gemisch mit anderen  Pflanzen an. Der Anteil von Klee übersteigt dabei  selten 10%, in der Regel liegt er bei 5%.  Durch den Aufenthalt auf der Wiese haben unsere Tiere auf natürliche Weise Zugang zu Pflanzen  wie Scharfen Hahnenfuß, Wiesen-Schaumkraut, Thuja und Eiben. Ab Frühjahr stellen wir Benjamin-  Bäume auf die Terrasse. Alle diese Pflanzen werden von unseren Tieren gefressen oder benagt.  Es wird oft behauptet, das Kaninchen bestimmte Pflanzenteile wie Getreidekörner bzw. Samen von  Pflanzen nicht fressen würden bzw. könnten, weil sich diese für sie in unerreichbarer Höhe befinden  würden. Am Beispiel des Topinambur, der bei uns jedes Jahr auf der Wiese wächst, soll die Fähigkeit  des Kaninchens demonstriert werden, die ihm nicht zugetraut wird. Nachdem die Blätter in den  unteren Regionen abgefressen wurden, muss man sich etwas einfallen lassen, und wenn das  Kaninchen nicht an die Blätter heran kommt, müssen eben die Blätter zum Kaninchen kommen.  Zusätzlich zu den frischen Pflanzen steht ein Trockenfutter mit Getreide ad libitum zur Verfügung. Vor  einigen Jahren war das ein kommerzielles, heute bereiten wir Trockenfutter selbst zu.  Auch im Winter fressen die Tiere von der Wiese. Wenn wenig Schnee liegt, scharren die Tiere diesen  selber zur Seite und fressen das Gras, welches darunter zu finden ist.   In freier Wildbahn kompensieren Wildkaninchen  den Nahrungsmangel durch das Fressen  minderwertigerer Nahrung wie z. B. Rinde oder  abgestorbenen Gräsern und durch die  Einschränkung von Aktivitäten. Das gesamte   “System” Kaninchen wird um bis zu 30%  gedrosselt. In der Heimtierhaltung überstehen die  Tiere diese Zeit zwar auch mit Einschränkungen,  die aber nicht so massiv sind wie für das  Wildkaninchen. So wird vermehrt Heu gefressen,  welches aber durch Grünes vom Gemüse und  Küchenkräutern ergänzt werden kann.  Tiere in Außenhaltung haben schon allein für die Thermoregulation einen hohen Energiebedarf und  benötigen viel Wasser. Unsere Tiere haben in den letzten Jahren Temperaturen bis -20°C problemlos  im Freien überstanden - Hitze macht ihnen wesentlich mehr zu schaffen.  Für Wildkaninchen stellt, entgegen heutiger Darstellungen, Getreide eine wichtige, natürliche   Nahrungsquelle für einen großen Teil des Jahres dar. Als Kulturfolger nutzt es dieses Süßgras immer  dann und dort, wo es zur Verfügung steht. Wenn es nicht die gezüchteten Gräser sind, werden die  Samenstände der wilden Wiesengräser genutzt, weil sie eine wertvolle Quelle von Proteinen, Fetten  und Vitaminen darstellen. In Kulturpflanzungen richten Kaninchen zum Teil enorme Schäden an, weil  sie die Getreidepflanzen umtreten oder durchbeißen, um an die begehrten Samen zu kommen.  Falsche Schlussfolgerungen und daraus resultierende Darstellungen haben heute ein solches Maß  erreicht, dass selbst große Futtermittelhersteller reagiert haben und Trockenfutter in allen möglichen   “Grainless”-Formen anbieten. Die meisten Halter interessiert gar nicht, was da drin ist, Hauptsache,  es ist etwas nicht drin: Getreide. Unglaublich, aber wahr - in Hinblick auf “Kaninchen + Getreide” haben im Land der Denker Unkenntnis, Dummheit und Profit die Oberhand gewonnen. Natürlich folgen auch Tierärzte diesem Trend, obwohl sie es eigentlich besser wissen müssten. Wie  auch immer - für unsere Tiere gehört Getreide, speziell Hafer und Gerste, zum normalen Futter und  keine Tier hat jemals an den schrecklichen Folgen leiden müssen, die beständig heraufbeschworen  werden. Völlig normal, denn eigentlich ist nicht das Getreide an eventuellen Darmerkrankungen  schuld, sondern die Struktur des Futters. Mit zunehmendem Alter der Pflanzen verholzen die Stängel und Blätter immer mehr, wodurch die  Gesamtmenge der Nahrung zunehmen muss, damit den Tieren leicht verdauliche Bestandteile zur  Verfügung stehen. Vor allem Jungtiere brauchen solche Nahrung, weil ihr Nährstoffbedarf im  Wachstum sehr hoch ist. Am Beispiel des Löwenzahns zeigt sich die besonders wählerische Fressweise der Jungtiere - die  Blattfläche (Spreite) wird gefressen, während die Mittelrippe der Löwenzahnblätter oft liegen bleibt.  Diese selektive Fressweise lässt sich zum Teil natürlich auch bei älteren Tieren und Wildkaninchen  beobachten.   Kaninchen kennen keinen Futterneid, und so versammeln sich in der Regel alle, wenn neues,  frisches Grün vorgelegt wird. In dem Bild ist es ein Rammler mit drei seiner Söhne, die einträchtig ihr  Abendmahl einnehmen.  In der Vegetationszeit wird von uns Heu und Kaninatur zusätzlich zum frischen Grün angeboten,  allerdings wird das Heu so gut wie nicht mehr gefressen. Als eine weitere Möglichkeit der Darbietung  bietet sich eine Raufe an, in der z. B. Heu gemeinsam mit einem Teil der gesammelten Wiese  untergebracht werden kann (Bild: Heu im linken Teil der Raufe). Diese bietet mehrere Vorteile:  Das Gras kann nicht durch Kot und Urin verschmutzt werden  Die Rückwand bildet ein Brett - dadurch kann die Sonne nicht direkt auf das Grün strahlen und  es erwärmt sich nicht eine kleiner Bereich kann das Heu aufnehmen (im Bild auf der linken Seite)     Die “Ernte” von verschiedenen Wiesen  wird den Kaninchen unsortiert zur  Verfügung gestellt. Somit bietet diese  Auswahl ihnen zum Einen Beschäfti-  gung, zum Anderen die Möglichkeit,  jeweils nach ihrem Befinden genau das  zu wählen, was sie brauchen. Frische  Wiese hat, im Vergleich zu anderen  Futtermitteln (außer Alleinfuttermittel  als Konzentrate). den höchsten Nähr-  stoff- und Wassergehalt. Weder Heu  noch Gemüse kann diese Gehalte  wirksam kompensieren.     Dieses Futterangebot kann noch weiter  durch frische Kräuter ergänzt werden,  die sich nicht auf den Wiesen finden,  aber gelegentlich gern gefressen  werden. Diese können in Töpfen  gepflanzt und einfach im Topf ange-  boten werden. In dem konkreten Fall  handelt es sich um Frauenmantel, der  nicht unbedingt auf jeder Wiese  wächst. Weitere Kräuter wie Oregano,  Petersilie, Dill, Melisse und viele  andere, auch Wildkräuter, können so  den Speiseplan zusätzlich bereichern.  Die Kaninchen können sich je nach  Bedarf davon bedienen, ohne das die  Pflanzen welken bzw. vertrocknen.  Die gesamte gesammelte Nahrung besteht etwa zur Hälfte aus Gräsern. Diese stehen das ganze  Jahr über zur Verfügung, selbst im Winter wird der Schnee weg gescharrt und von den Gräsern  gefressen.  Hafer     Wiesen-Lieschgras (Timothy)         Honiggras Wenn die Gräser, wie auf den Bildern, bereits blühen, ist der Stängelanteil sehr hoch und verholzt.  Dementsprechend muss die gesammelte Menge relativ groß sein, damit sich die Kaninchen  genügend Blätter heraussuchen können. Ergänzt werden die Gräser durch die verschiedensten  Kräuter - je nach Jahreszeit, Vegetationsstadium und Verfügbarkeit.  wird fortgesetzt...
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