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Heil- und Giftpflanzen
In Europa ernähren sich Wildkaninchen hauptsächlich von Gräsern. Von Frühjahr bis Herbst wird  dieser Hauptanteil durch verschiedene Kräuter ergänzt. Je nach Habitat erreicht die Artenvielfalt der  hauptsächlichen Nahrungspflanzen zwischen 8 - 70 verschiedene Gras-, Kraut- und Straucharten.  Ergänzt wird dieser Hauptanteil durch Flechten und Moose, Blätter von Laub- und Nadelbäumen,  Samen, Früchte von Bäumen und Sträuchern, Baumrinde, Wurzeln und Pilze.    In ihrem Lebensraum finden sie in der Vegetationsphase nährstoffreiche Nahrung, die aus  Menschensicht jedoch mitunter sehr gefährlich anmutet. Turček & Stiavnica (1953) berichten von  einer Population Wildkaninchen, deren Fressverhalten über 3 Jahre lang beobachtet wurde. Vor  allem die Jungtiere richteten unter Kulturpflanzen wie Bohnen (Phaseolus vulgaris) und Luzerne  (Medicago sativa) Schäden an, die sie bevorzugt fraßen. Der, im dortigen Habitat, fehlende Anteil an  Gräsern wurde durch den höheren Verzehr von Kulturgräsern (Getreide) wettgemacht. Beliebt  waren besonders Distelarten auf Grund des hohen Eiweißgehaltes. Insgesamt wurden über 70  verschiedene Pflanzenarten als Nahrung festgestellt. Davon waren 46% Heil-und Gift-, bzw.  ölhaltige und bittere Pflanzen. Kälberkropf (Chaerophyllum sp.), Robinie (Robinia pseudoacacia)  Spindelstrauch (Euonymus europaea), Liguster (Ligustrum vulgare), Rainfarn (Tanacetum vulgare),  Schwarzer Nachtschatten (Solanum nigrum) sowie Zypressen-Wolfsmilch (Euphorbia cyparissias)   sind nur einige Beispiele für Pflanzen, die dort von Kaninchen gefressen wurden.  Homolka (1985) untersuchte die Nahrung von Wildkaninchen, die auf dem Böhmisch-Mährischen  Höhenzug auf einer Höhe von ca. 430m leben. Als Nahrungspflanzen wurden unter anderem  Färber-Ginster (Genista tinctoria), Schachtelhalme (Equisetum sp.), Storchschnäbel (Geranium sp)   und Gundermann (Glechoma hederacea) ermittelt.  Bild: Gefleckter Schierling  Bhadresa (1977, 1987) berichtet u. a. vom Verzehr von  Kriechendem Hahnenfuß (Ranunculus repens) und Jakobs-  Kreuzkraut (Senecio jacobaea), Williams et al. (1974) stellten  Knolligen Hahnenfuß (Ranunculus bulbosus) sowie Gefleckten  Schierling (Conium maculatum) als Nahrungspflanzen fest.  Ganz erstaunlich ist der Fakt, dass Kaninchen weitgehend  resistent gegen das Gift der Tollkirsche (Atropa Belladonna) sind.  Der Grund sind Proteine im Speichel, die das Atropin bereits im  Maul weitgehend neutralisieren.   Auch Eibe (Taxus baccata) scheint Kaninchen weniger zu  schaden als anderen Säugetieren, wie eigene Beobachtungen  und verschiedene Quellen zeigen. Ehrenberg & von Romberg  (1913) unternahmen Versuche zur Verträglichkeit von Eibe für  Kaninchen. Dabei stellten sie fest, dass die Tiere größere  Mengen ablehnten und erst dann fraßen, wenn die Nadeln mit  Kartoffelsirup vermengt wurden, um den bitteren Geschmack zu  kaschieren. Zwei Kaninchen mit einem Gewicht von 1,5kg fraßen  ohne gesundheitliche Folgen 13 Tage lang täglich ca. 5g  Eibennadeln. Ebenfalls ohne Folgen blieb die Aufnahme über 15 Tage von jeweils tägl. 10g bzw. 5 g  durch zwei andere Kaninchen mit einem Gewicht von 4kg.   Bild: Schöllkraut Unsere eigenen Tiere haben in relativ naturnaher Haltung Eiben  (Taxus baccata) auf dem Grundstück so stark angefressen, dass  eine von ihnen einging. Ein Tier entwickelte eine besondere  Vorliebe für Schnittlauch (Allium schoenoprasum), welcher in  größeren Mengen gefressen wurde. Im Frühjahr wird von allen  Tieren Schachtelhalm (Equisetum pratense) gern genommen. Da  auf dem Grundstück Scharfer Hahnenfuß (Ranunculus acris)  sehr verbreitet ist, bildet er auch einen Bestandteil der täglichen  Nahrung. Zudem werden regelmäßig Pflanzen wie Rainfarn  (Tanacetum vulgare), Schöllkraut (Chelidonium majus), Wiesen-  Bärenklau (Heracleum sphondylium), die allgemein als giftig  gelten, angeboten und gefressen.  Bild: Bärenklau  Rühle & Stieß (2010) verweisen auf eine besondere Vorliebe  eines Kaninchens für Wiesen-Bärenklau (Heracleum  sphondylium), welches an Encephalitozoonose (EC) erkrankt war  und ohne weitere Behandlung wieder gesund wurde. Auch  andere Halter berichteten später in der Beratung und  Bereitstellung von entsprechendem Futter über positive  Erfahrungen im Krankheitsverlauf. Wiesen-Bärenklau  (Heracleum sphondylium) ist in der Heimtierhaltung als „Gift“-  Pflanze bekannt, obwohl bereits Klapp et al. (1953) für die  Pflanze eine Futterwertzahl von 5 vergaben – also als relativ  hochwertiges Viehfutter bewerteten.   Tabelle: Furocumaringehalte in verschiedenen Pflanzenteilen; Vergleich von Wiesen- und  Riesenbärenklau  In der Volksmedizin wurde Wiesen-Bärenklau früher unter anderem bei Epilepsie eingesetzt. Dass  dies heute nicht mehr der Fall ist, liegt an der Schwierigkeit, die Wirkstoffe genau und zuverlässig zu  dosieren. An Tieren wurde die Wirksamkeit der Inhaltsstoffe des Wiesen-Bärenklau in niedrigen  Dosen nachgewiesen: demnach haben sie u. a. eine beruhigende, entzündungs- und  ödemhemmende sowie eine lymphetransportierende Wirkung. Außerdem wird die  Krampfbereitschaft des Zentralnervensystems (ZNS) gegenüber krampfauslösenden Stoffen  herabgesetzt. Interessant wäre dieser Fakt also in Hinblick auf den Einsatz der Pflanze bei  Erkrankungen, die sich auf das ZNS auswirken bzw. Krämpfe auslösen. Dazu gehört z. B. die  Encephalitozoonose (Head Tilt), eine Krankheit, die durch den Erreger Encephalitozoon cuniculi,  einem parasitären Einzeller, ausgelöst wird.   Bild: Roter Fingerhut  Offenbar sind Kaninchen also in der Lage, als giftig geltende  Pflanzen in einer bestimmten Menge ohne negative,  gesundheitliche Schäden zu verwerten und sie sogar für sich zu  nutzen. Bisher ist uns keine einzige Pflanze bekannt, an deren  Genuss ein Kaninchen bereits durch einen “Probebiss” sterben  könnte, obwohl solche Behauptungen immer wieder durch das  Internet geistern.  Kaninchen sind Konzentrat-Selektierer (Browser). Daneben gibt  es noch die Intermediär-Typen und die Grazer (Grasfresser).  Diese Einteilung gibt auch indirekt einen Hinweis auf das, was  die Tiere jeweils überwiegend fressen. Grazer fressen in großen  Mengen einkeimblättrige Pflanzen (Gräser). Konzentrat-  Selektierer wie Kaninchen oder das Reh dagegen fressen zwar  ebenfalls Gräser, aber auch, je nach Saison und Vorkommen,  sehr viele zweikeimblättrige Pflanzen (Kräuter). Der Anteil in der  gesamten Nahrung kann dabei 50% betragen. Kräuter  beinhalten aber im Vergleich zu Gräsern oft in hohen Mengen  sogenannte "Sekundäre Pflanzenstoffe". Viele von denen sind  für nicht spezialisierte Tierarten bereits in geringen Mengen  "giftig". Die genauen Funktionen dieser Pflanzenstoffe sind  heute nur zu einem Bruchteil geklärt.   Neben dem Kaninchen wird auch das Reh zu den Konzentrat-  Selektieren gezählt. Das frisst z. B. Nahrung, welche in hohen  Mengen Tannin enthält (Sträucher, Laub, Stauden, Baumrinde  etc.) . Das Reh verfügt aber auch im Speichel über Enzyme, die  die Wirkung des Tannin weitgehend neutralisieren. Ohne diese  Fähigkeit wäre das Reh in der Natur überhaupt nicht  überlebensfähig. Dem Kaninchen geht es ganz ähnlich: es  muss in seinem Lebensraum Pflanzen fressen, um möglichst  effektiv seinen Bedarf zu decken. Von Frühjahr bis Herbst sind  das vor allem Kräuter, weil deren Nährstoffgehalte in der Regel höher als in Gräsern sind. Die  Kräuter enthalten aber oft Inhaltsstoffe, die, wie bereits erwähnt, ganz bestimmte Wirkungen  entfalten. Im Winter muss es in Europa ebenfalls auf Sträucher und Baumlaub ausweichen, ebenso  wie in Australien in Trockenperioden.   Die Furcht, ihren Lieblingen versehentlich "Giftpflanzen" aus der Natur mitzubringen, hält viele  Halter von einer Verfütterung frischen Grüns ab. Zum Teil wird diese Furcht auch ganz bewusst  geschürt. Jene, die vor dramatischen Folgen warnen, sind meist auch die, die aus verschiedenen  Gründen selbst kein frisches Grün sammeln wollen oder können: "Ich würde ja gern, kann aber  nicht...." Meist folgt dann eine Auflistung von Gründen, die es angeblich unmöglich machen,  Grünzeug zu holen. Um nicht allein dazustehen, werden auch alle möglichen Vergiftungsfälle  aufgeführt, von denen man je gehört hat und es wird gewarnt, gewarnt, gewarnt. So stellt man sich  sogar noch als jemand dar, der eigentlich das Beste für seine Tiere will und leistet. Das genaue  Gegenteil ist aber tatsächlich der Fall. Das Interessante an den geschilderten Vergiftungsfällen ist,  dass man nie einen stichhaltigen Beleg dafür geliefert bekommt. Notfalls müssen eben gestorbene  Pferde herhalten, die auf leer gefressenen Weiden keine Wahl mehr hatten und Giftpflanzen in  Mengen fraßen, die sie für gewöhnlich meiden. Die Umstände werden aber selten mit erwähnt.  Gern sind es auch Kaninchen von Bekannten, die unter mysteriösen Umständen starben und deren  Schicksale dazu dienen, klar zumachen, dass man seinen eigenen Schützlingen solche Qual  natürlich lieber erspart. Man ist also eigentlich zum Schutz seiner Tiere lieber vorsichtiger als zu  "leichtfertig". Kann man dagegen noch etwas sagen? Ja.  Wer versucht, etwas Aufklärung zu betreiben, wird zwar schnell als "Verharmloser" dargestellt, die  einfachste aller Methoden, jemanden mundtot zu machen und Diskussionen abzuwürgen -  tatsächlich ist es aber so, dass viele ihren Tieren mit einer trockenen Notnahrung, wie sie heute  üblich ist, mehr Schaden bereiten, als wenn diese einmal Ackerschachtelhalm, Hundspetersilie oder  ähnliches fressen würden.   Als Herbivore hätte ein Kaninchen in seiner jeweiligen Umwelt keine Chance zu überleben, wenn es  die Pflanzen nicht nutzen könnte, die der Mensch aus seiner Sicht als gefährlich, weil giftig einstuft.  Der Organismus ist an Wirkstoffe der Pflanzen angepasst, die anderen Spezies in relativ geringen  Dosen gefährlich werden können, weil sie deren Organismus ganz schlicht auf diese Form der  Nahrung oder deren Bestandteile  in großer Menge nicht angepasst ist. Ein Kaninchen, das  Herbstzeitlose frisst? Gefleckter Schierling oder Roter Fingerhut? Für den (über-)vorsichtigen  Menschen wohl undenkbar, für das Kaninchen eher normal.   Ein großer Teil der Nahrungspflanzen des Kaninchens besteht aus Kräutern. Diese enthalten im  Vergleich zu Gräsern in wesentlich höheren Mengen Inhaltsstoffe, die als giftig gelten. Im Vergleich  zum Grazer (”Grasfresser”, siehe Nahrungsselektion) sind Konzentrat-Selektierer an Pflanzen  gewöhnt, die sekundäre Inhaltsstoffe enthalten, die den Pflanzen zur Abwehr gegen Schädlinge  dienen (Zweikeimblättrige = Dicotyledoneae). Der Organismus der Konzentrat-Selektierer hat sich  an diese Stoffe angepasst, während die Grazer, die im Wesentlichen nur Einkeimblättrige (Gräser)  in großen Mengen fressen, auf bestimmte Stoffe sehr empfindlich reagieren. So erklären sich auch  die “Weideunfälle” von Pferden und Rindern, die bei einem knappen Nahrungsangebot auf Pflanzen  ausweichen müssen, die sie normalerweise gar nicht fressen würden. Ein weiteres Beispiel für die  Anpassungsfähigkeit der Konzentrat-Selektierer an spezielle Inhaltsstoffe ist das Reh, welches z. B.   Tannin in Mengen toleriert, die für andere Säugetiere sogar tödlich sein können. Ohne diese  Fähigkeit hätte es aber gar keine Chance, einen härteren Winter zu überstehen, denn die Nahrung  in dieser Zeit besteht zum großen Teil aus Baumrinden.  Dieser Bereich der Tierernährung bzw. Verträglichkeit verschiedener Substanzen für Tierarten ist  noch wenig erforscht und so haben es vermeintliche “Guthalter” immer noch leicht, Angst und  Schrecken zu verbreiten.  Die Dämonisierung von bestimmten Pflanzen beruht im Prinzip größtenteils auf den folgenden  Gründen:  Völlige Unkenntnis in Bezug auf das Thema “Gift”  Informationen aus der Fachliteratur, die selektiv gelesen und weitergegeben werden  Informationen aus der Fachliteratur, die falsch interpretiert werden  Informationen aus unbewiesenen Aussagen von Haltern  Unkenntnis der nötigen Dosis für eine Vergiftung (bzw. Menge/Masse an Pflanzen, die  gefährlich wäre)  Strategie mit dem Ziel der Verschleierung der Tatsache, dass man selbst nicht in der Lage ist,  frisches Grün in ausreichender Menge und Vielfalt zur Verfügung zu stellen  Strategie mit dem Ziel der Verschleierung von Todesursachen, damit "höhere Gewalt", und  nicht der Halter schuld am Tod eines Tieres ist Natürlich wird in Diskussionen zu diesem Thema auf heftigste gestritten, wobei oft mangelnde,  sachliche Kenntnis mit einer "Fürsorge" für die Tiere ersetzt und Informationen wie auf diesen  Seiten als "leichtsinnig" dargestellt werden. Die "Fürsorge" ist letztlich dafür verantwortlich, dass  Halter Angst vor dem Sammeln von frischem Futter für ihre Tiere haben und den Kaninchen z. B.  nur Löwenzahn angeboten wird, weil man alles andere nicht kennt, irgendwelche gefährlichen Stoffe  enthält oder auf eine andere Art tödlich sein könnte. Dabei wird selbst Löwenzahn in größeren  Mengen schädlich - was hat man nun erreicht?  Auch wenn es im ersten Moment merkwürdig klingen mag: manche Tiere fressen in bestimmten  Situationen ganz bewusst "Giftpflanzen". Der Mensch nimmt in bestimmten Situationen ebenso  ganz bewusst Gifte zu sich - sie werden dann allerdings als Medikament bezeichnet. Über 50% aller  Medikamente beruhen tatsächlich auf giftigen, pflanzlichen Ausgangssubstanzen.  Medikamente werden in der Regel dann verabreicht, wenn der Organismus krank ist - und wenn sie  zur Verfügung stehen. Wildkaninchen ist diese Möglichkeit der Heilung verwehrt, aber sie haben  eine genauso effektive Methode, sich zu schützen: sie fressen einfach die Pflanzen, aus denen  Medikamente gewonnen werden. Wie der Mensch diese bezeichnet, ist ihnen egal. Heil- oder  Giftpflanze - die Grenzen sind verschwommen.  Im Laufe der Jahrtausende hat der Mensch gelernt, bestimmte Pflanzen zu nutzen. Bei einigen  konnte die Wirkung inzwischen wissenschaftlich belegt werden, einige sind wirkungslos, andere  werden zu Unrecht verteufelt. Die Wirkungen der Substanzen, die als giftig gelten, sind für jede  Spezies verschieden: was ein Pferd tötet, muss noch lange kein Kaninchen umbringen.  Aberglauben und Unwissen verbinden sich oft zu Darstellungen, die bar jeder Realität sind. Altes  Wissen wird heute zum Teil abgelehnt, eben weil es alt ist - abwertend wird es deshalb "veraltet"  genannt.   In Frohne & Pfänder (2005) werden Giftpflanzen grob in drei Gruppen eingeteilt: eine kleine Gruppe  von Pflanzen, bei der schon die Aufnahme geringer Mengen schwere Vergiftungen verursachen;  eine weitere Gruppe von weniger giftiger Pflanzen, die aber nur unter bestimmten, nicht immer  gegebenen Umständen zu Vergiftungen führen und schließlich eine dritte Gruppe von Pflanzen, die  zwar als giftig geführt, die aber entweder keine bisher definierte Giftstoffe enthalten oder für die  keine einwandfrei dokumentierte, schwere Vergiftungsfälle existieren.  Die meisten toxischen (giftigen) Substanzen von Pflanzen gehören zu den "Sekundärstoffen". Dazu  zählen u. a. ätherische Öle, Alkaloide, Aminosäuren, Cumarine, cyanogene Glykoside, Digitaloide,  Gerbstoffe, Glukosinolate, Pflanzensäuren, Phenole, Polyine, Proteine, Peptide, Saponine und  Terpene. Die meisten Giftpflanzen haben einen scharfen oder bitteren Geschmack, riechen  unangenehm oder bieten auf andere Weise Mechanismen, die Tiere normalerweise davon abhalten,  sie in größeren Mengen zu fressen. So ist es auch nicht verwunderlich, das viele Vergiftungen  darauf zurückzuführen sind, dass die Tiere auf Weiden nichts mehr zu fressen hatten und auf  Giftpflanzen auswichen, der Anteil der Gift- den von Nutzpflanzen überwog oder sich die Pflanzen  im Heu bzw. in der Silage befanden. Kaninchen in der Heimtierhaltung bekommen Futter oft  rationiert angeboten, was bei Konzentratfuttern auch unumgänglich ist. Wird ein Tier aber  überwiegend mit trockener oder minderwertiger Nahrung versorgt, steigt das Risiko, das giftige  Zimmerpflanzen aufgenommen werden. Oft werden Pflanzen komplett als giftig bezeichnet, obwohl  nur bestimmte Bestandteile giftige Substanzen konzentrieren wie zum Beispiel die Beeren oder  Samen. Was ist eigentlich “Gift”?  Verschiedene Definitionen bzw. Beschreibungen: Die Formulierung von Paracelsus „Dosis sola venenum facit“ ist allgemein bekannt - zu deutsch:  „Die Dosis allein macht das Gift“. Eine Urteilsbegründung des Deutschen Reichsgerichts (1884) beschreibt Gift folgendermaßen:  „Eine Substanz, welche lediglich durch ihre q u a l i t a t i v e Beschaffenheit, unter allen  Umständen, geeignet wäre, die Gesundheit zu zerstören, existiert nicht. […] Je nach  Verschiedenheit der in Frage kommenden Bedingungen kann derselbe Stoff bald als  gesundheitszerstörend, bald als nur gesundheitsschädlich, bald als durchaus unschädlich, bald  endlich als Heilmittel erscheinen.“  Das “Handwörterbuch der Pharmazie” kommt zu folgender Einschätzung (Brestowski (1893):  “Eine genaue Definition des Begriffes Gift zu geben, ist vom Standpunkt der Wissenschaft absolut  unmöglich. Es gibt keine Stoffe, welche immer und unter jeder Bedingung den Körper schädigen  und den Tod herbeiführen müssen. Denn nur solche hätten im Sinne der vulgären Auffassung auf  die Bezeichnung Gift ein Anrecht.” Im Duden (2011) schließlich findet sich für Gift folgende Definition:  “in der Natur vorkommender od. künstlich hergestellter Stoff, der nach Eindringen in den  Organismus eines Lebewesens eine schädliche, zerstörende, tödliche Wirkung hat (wenn er in einer  bestimmten Menge, unter bestimmten Bedingungen einwirkt)”  Eine allgemein gültige Definition für Giftpflanzen existiert nicht, sondern lediglich Umschreibungen.  Das eigentliche Problem dabei ist, dass für jede Tierart eine andere Verträglichkeit festzustellen ist -  das heißt, was ein Pferd umbringt, muss noch lange kein Kaninchen töten. Im Allgemeinen wird  dieser Fakt in der Tierernährung fast vollständig ignoriert. Ebenso scheint es für viele Menschen  völlig unerheblich zu sein, auf welche Art eine Pflanze und vor allem, welcher Teil einer Pflanze  giftig ist. Wikipedia enthält z. B. eine “Liste giftiger Pflanzen”, in der solche aufgeführt werden, die “die für  den Menschen ganz oder in Bestandteilen schon in kleinen Mengen giftig sind.” (Wikipedia, Abruf  am 01.05.2012) In dieser Liste wird z. B. auch der Bärenklau (Heracleum spp.) als giftig mit den  Folgen einer so genannten Photodermatitis geführt. Dabei handelt es sich um typische  Hautreaktionen, die durch den Kontakt mit Pflanzensäften und anschließender UV-Bestrahlung  auftreten können. Bärenklau ist aber auch ein geschätztes Wildgemüse, wenn auch als solches  nicht unbedingt weit verbreitet oder bekannt. Hier zeigt sich ein Problem bei der Verwendung des  Begriffes “Gift”. Im Fall des Bärenklau ist es eher ein Kontaktgift, welches Schäden verursachen  kann. Andererseits wird Bärenklau als gute Futterpflanze geschätzt (auch von unseren eigenen  Tieren).  Viele Pflanzenstoffe sind auf eine Weise wirksam, dass sie in geringen Mengen dem Organismus  dienlich, in größeren Mengen jedoch schädlich sein können. Im Schnittlauch sind es z. B.  schwefelhaltige Verbindungen ähnlich wie in Knoblauch, die mit antibakteriell, antimykotisch und  antiviral beschrieben werden und u. a. wirksam gegen Wurmerkrankungen bei Kaninchen sind, die  mit Passalurus, einer Spulwurmart, infiziert waren (Reichling (2008)). Die Protoanemonine der  Hahnenfußartigen gelten als wirksam gegen Pilze, ebenso wie Schöllkraut (Chelidonium majus),   welches zudem gegen Parasiten wie Kokzidien eingesetzt wird (Zinke (2004)). Wenn es also, wie  von uns beobachtet, zu einem verstärkten Verzehr von Schnittlauch kommt, der üblicherweise  verschmäht wurde, scheint es dafür einen triftigen Grund zu geben. Nach einiger Zeit ließ der  bevorzugte Verzehr durch eine unserer Häsinnen wieder nach.  Eine Ärztin diagnostizierte bei einem Chinchilla irrtümlich Vergiftungssymptome durch das Fressen  von Steinobst-Ästen - eine Meldung, die sich wie Strohfeuer verbreitete (Turk, 2003). Trotzdem sich  herausstellte, dass die Diagnose falsch war, hält sich der Irrtum bis heute hartnäckiger als dessen  Korrektur. Viele Vergiftungsfälle, die für Tiere belegt sind, lassen sich auf besondere Umstände zurückführen.  In der Regel betreffen sie Weidetiere, die nur ein beschränktes Futterangebot hatten und deshalb  auch giftige Pflanzen fraßen. Normalerweise würden sie diese auf Grund von Geschmack und  Geruch meiden, aber der Hunger treibt sie dazu, diese Vorsicht außer Acht zu lassen. Kritisch ist die Tatsache, dass einige Pflanzen wie z. B. Herbstzeitlose (Colchicum autumnale) oder Jakobs-  Kreuzkraut (Senecio jacobaea), die in größeren Mengen toxisch wirken, im Heu ihren Geruch und  Geschmack verlieren und somit von den Tieren nicht erkannt werden. So kann selbst bestes  Bergwiesenheu zur tödlichen Gefahr werden (ZDF, 2012).  So penibel von Panikmachern auch Pfllanzen auf toxische Substanzen “untersucht” werden, findet  sich doch aber erstaunlicherweise nie z. B. ein Hinweis auf die Karotte als eine mögliche  Vergiftungsquelle. Dabei enthält sie einer Reihe toxischer Substanzen wie ca. 31mg/kg Anilin  (Blutgift), außerdem N-Methyl-benzamine (16,5mg/kg), Toluidin (7,2mg/kg und weitere Stoffe, die  man nicht gerade als unbedenklich bezeichnen würde. Karotten enthalten auch ein Nervengift:  2mg/kg Carotatoxin (Schmidkunz 1994). In der immer wieder bemühten Schweizer Datenbank  CliniPharm/Clinitox ist dieses Nervengift nicht einmal erwähnt. Wenn sich aber in einer Pflanze, die  man für sein Kaninchen pflücken soll, ein Wirkstoff befindet, der in großen Mengen tödlich sein  könnte, finden sich auf einmal allergrößte Bedenken wegen der Verfütterung.  Ein geradezu klassisch zu nennendes Beispiel für “Panikmache” ist der Wiesen-Bärenklau  (Heracleum sphondylium) und sein “Bruder”, der Riesen-Bärenklau (Heracleum mantegazzianum).  Für manchen Kaninchenhalter ist der Wiesen-Bärenklau ein gutes Kaninchenfutter, für andere eine  Giftpflanze. Als ganz besonders gefährlich gilt der Neophyt Riesen-Bärenklau. Woher kommen  diese Diskrepanzen?   Die Einstufung als Giftpflanze erfolgt auf Grund der Furocumarine. In der nun bereits mehrmals als  Referenz angeführten Datenbank CliniPharm/Clinitox wird für keine dieser Pflanzen eine letale  Dosis angegeben, weil diese “unbekannt” ist. Logisch. Es gibt nämlich keine nachgewiesene. Dafür  gibt es aber Berichte über hellhäutige Menschen, die nach dem Kontakt mit beiden Arten als  Symptome eine Kontaktdermatitis aufwiesen. Der Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium) ist  eine einheimische Pflanze, während der Riesen-Bärenklau (Heracleum mantegazzianum) ein  Neophyt ist. Das heißt, er wurde aus dem Kaukasus eingeschleppt. Vor allem zu dieser Pflanze gibt  es zum Teil erschreckende Horrormeldungen. Tatsächlich dokumentiert sind einige Fälle, in denen  vornehmlich Kinder bzw. Jugendliche an sonnigen Tagen stundenlang auf Wiesen spielten, auf  denen diese Pflanzen sehr hoch wuchsen und diese als Spielzeug benutzt wurden. Nach einiger  Zeit traten Hautausschläge auf, die zum Teil massiv waren und an Verbrennungen erinnern. Das  heißt, durch einen sehr intensiven, äußerlichen Kontakt mit dem Pflanzensaft und der Einwirkung  von Sonnenlicht kam es zur so genannten Kontaktdermatitis in schweren Formen.   Aus diesem Grund wird die Pflanze als "giftig" geführt, ebenso der einheimische Wiesen-Bärenklau  - das heißt, die Giftigkeit beruht auf der "phototoxischen" Wirkung von Inhaltsstoffen dieser  Pflanzen. Gelangt der Saft der Pflanze auf die Haut und es wirkt zusätzlich Sonnenlicht ein, kommt  es zu den beschriebenen äußerlichen, toxischen Reaktionen. Aus diesem Grund wird auch  Menschen geraten, sich nach dem Kontakt mit Bärenklau im Schatten aufzuhalten.  Die Inhaltsstoffe, die für diese Reaktionen verantwortlich sind, werden Furocumarine genannt und  gehören zur Gruppe der Cumarine. Sie werden vor allem auch dann gebildet, wenn Pflanzen  absterben und verleihen dem Heu seinen typischen Geruch.  Furocumarine dienen der Pflanze zur Abwehr von Fressfeinden und zur Hemmung von Infektionen,  die durch den Befall der Pflanze von Mikroorganismen auftreten. Dazu gehören Stoffe wie z. B.  Angelicin, Bergapten, Imperatorin, Isobergapten, Isopimpinellin, Phelopterin, Pimpinellin, Sphondin  und Xanthotoxin. Zu finden sind diese Stoffe auch in anderen Pflanzen.  In der Volksmedizin wurde Wiesen-Bärenklau unter anderem bei Epilepsie eingesetzt. Dass dies  heute nicht mehr der Fall ist, liegt an der Schwierigkeit, die Wirkstoffe (siehe auch  Pflanzeninhaltsstoffe) genau und zuverlässig zu dosieren. Je nach Vegetationsphase schwanken  die Gehalte ganz erheblich und so soll es früher sogar zu Todesfällen nach der Anwendung bei  Menschen gekommen sein. Heute lassen sich solche medizinischen Produkte in hoher,  gleichmäßiger Qualität herstellen. Auf Grund sehr unterschiedlicher Erfahrungen in Bezug auf die  Phototoxizität der Pflanzen finden sich auch kontroverse Befunde in der Literatur. In  Tierexperimenten wurde jedoch die Wirksamkeit der Inhaltsstoffe des Wiesen-Bärenklaus in  niedrigen Dosen nachgewiesen: demnach haben sie eine beruhigende, entzündungshemmende,  ödemhemmende und lymphetransportierende Wirkung. Außerdem wird die Krampfbereitschaft des  Zentralnervensystems (ZNS) gegenüber krampfauslösenden Stoffen herabgesetzt.  Interessant ist dieser Fakt also in Hinblick auf den Einsatz der Pflanze bei Erkrankungen, die sich  auf das ZNS auswirken bzw. Krämpfe auslösen. Dazu gehört z. B. die "Encephalitozoonose" (Head  Tilt), eine Krankheit, die durch den Erreger "Encephalitozoon cuniculi", einem parasitären Einzeller,  ausgelöst wird. Erfahrungen zeigen, dass sich Kaninchen bei freier Wahl des Bärenklaus in großen  Mengen davon bedienen und sich ein Effekt auf den Verlauf der Krankheit feststellen lässt (Rühle &  Stiess 2010). Hohe Konzentrationen wirken dagegen leber-, nieren- und herzmuskelschädigend  sowie lähmend auf das ZNS. Als letale Dosis wurden für die Maus 196 mg/kgKG und für die Ratte  290-680 mg/kgKG gefunden (jeweils LD50 p.o.). Es gibt also sehr große, artspezifische  Unterschiede. Eine krebserregende Wirkung konnte nur in einigen Tierexperimenten mit extrem  hohen Cumarin-Dosen gefunden werden, so z. B. Gallengangkarzinome (Lohs et al. (2009).  Interessant ist auch der Fakt, dass der Furocumaringehalt in den Blättern des Wiesen-Bärenklau um  das Doppelte höher als im Riesen-Bärenklau liegt. In den Wurzeln ist er vergleichbar, lediglich im  Samen des Riesen-Bärenklau ist er sehr hoch. Das heißt schlicht, dass die Blätter des Wiesen-  Bärenklau eigentlich “giftiger” als die des Riesen-Bärenklau sind. Die Panikmache vor dem Riesen-  Bärenklau ist also völlig unberechtigt, solange man nicht den Samen verfüttert. Schließlich bleibt  noch festzustellen, dass Wiesen-Bärenklau bereits von Klapp et al. (1953) mit einer Futterwertzahl  von 5 versehen wurde – also als relativ hochwertiges Viehfutter bewertetet wurde und somit mit  Löwenzahn vergleichbar ist.   Wir selbst bieten das Kraut vom Bärenklau (also die Blätter) immer im Gemisch mit anderen  Pflanzen ad libitum an. Alte, abgeblühte Pflanzen werden aber nicht besonders geliebt.   Ein weiteres Beispiel ist die Robinie (Robinia pseudoacacia): eine aufmerksame Leserin unserer  Seiten äußerte in einer Zuschrift Bedenken darüber, dass dieser Baum in der Beschreibung der  Nahrung von Wildkaninchen aufgeführt ist. Ob es nicht leichtsinnig von uns wäre, diesen Fakt so  darzustellen, weil doch für die Leserin dem “Hörensagen” nach Robinie als sehr giftig gilt?  Zwei Fakten dazu:  1. wir können nichts dafür, wenn Kaninchen Robinie fressen und nicht daran sterben,  2. in Asien enthalten zum Beispiel kommerzielle Kaninchenfutter bis zu 40% Robinie und auch dort  sterben die Kaninchen nicht daran.  Es handelt sich also nicht um Leichtsinn unsererseits, solche Informationen zu liefern, sondern  schlicht und ergreifend um tatsächliche, sachliche und nachvollziehbare Informationen. Diese  unterscheiden sich natürlich gelegentlich zum “Hörensagen” oder Informationen in Internetforen.  Unabhängig davon: wir sind immer dankbar für Nachfragen, weil wir kritischen Anmerkungen gern  nachgehen und die Ergebnisse hier veröffentlichen können.  Als Nachweis für die Giftigkeit bestimmter Pflanzen bzw. Stoffe werden oft Grenzwerte  herangezogen, wie sie auch in der Datenbank CliniPharm/Clinitox des Schweizer “Instituts für  Veterinärpharmakologie und -toxikologie” zu finden sind. Von vielen Haltern werden diese als  Gesetz wahrgenommen und auf die Verfütterung von Pflanzen übertragen, ohne die Herkunft bzw.  das Zustandekommen der Grenzwerte zu kennen. Wie auch in vielen Fachbüchern, werden nur  kurz die Tierarten und für sie giftige Dosen aufgeführt. Dazu finden sich Angaben wie LD, i.p., p.o.  und andere. Viele wissen nicht, was sich hinter diesen Kürzeln verbirgt, dabei sind sie für die  Beurteilung  einer letalen Dosis sehr wichtig.  Toxizität LD  letale Dosis LD50 mittlere letale Dosis - ein Wert, der sich auf 50% der beobachteten Population bezieht  (von 100 Tieren sterben 50)  LD75  tödliche Dosis - bezieht sich auf 75% der beobachteten Population  (von 100 Tieren sterben 75)  einige Verabreichungsformen i.p. intraperitoneal  = in die Bauchhöhle  i.v. intravenös  = Verabreichung über die Vene  p.i. per inhalation  = Aufnahme über die Lunge (als Gas)  p.o. per os; peroral   = Verabreichung über den Mund/das Maul  s.c. subkutan = Verabreichung unter die Haut  Die übliche Aufnahme einer Pflanze durch Kaninchen geschieht über das Maul, also p.o.. Dabei  beginnt der Abbau von möglichen, giftigen Substanzen bereits im Maul durch Enzyme im Speichel  und setzt sich während der Verdauung fort. Auf diese Weise vermag das Kaninchen hohe Mengen  von Pflanzen zu fressen, die als kritisch gelten. Anders verhält es sich natürlich bei der  Verabreichung von giftigen Substanzen z. B. durch Spritzen unter die Haut oder in das Blut. Ebenso  realitätsfern ist die Gabe isolierter Wirkstoffe, die ohne Begleitstoffe und in konzentrierter Form ihre  Wirkung sofort und ohne den schützenden Einfluss anderer Stoffe entfalten. Auf diese Weise  gewonnene Erkenntnisse über die Toxizität bestimmter Stoffe sind also nicht besonders hilfreich.  Trotzdem werden sie gern genutzt und entsprechend vor allen möglichen Pflanzen gewarnt.  Dadurch wird der “Speiseplan” mancher Kaninchen in der Heimtierhaltung sehr dürftig und  beschränkt sich oft nur noch auf den scheinbar harmlosen Löwenzahn.  Heilpflanzen Für eine gesunde Fütterung von Kaninchen ist vor allem die  Menge und die Auswahl im Futter entscheidend. Normalerweise  ziehen sie frisches Grün immer anderer Nahrung vor und  fressen davon in großen Mengen. Sie schaffen es mühelos, die  Hälfte ihres Körpergewichtes an Wiese zu fressen. Ist die  Auswahl in der Menge sehr groß, können sie auch  entsprechend ihres Bedarfs und körperlichen Wohlbefindens  gezielt Pflanzen fressen.   Bild: Echinacea In letzter Zeit gewinnt zum Beispiel Echinacea in der Medizin  eine immer größere Bedeutung, weil einige Wirksamkeiten  inzwischen wissenschaftlich belegt wurden.  Bild: Verfütterung verschiedener Pflanzen in großer Menge und Auswahl Auf Bild sieht man Kaninchen beim Fressen zusätzlich bereit gestellter, frischer Wiesenpflanzen.  Akribisch wird der gesamte Haufen durchsucht und immer wieder ganz gezielt eine bestimmte  Pflanzen hervor gezogen. Ob man dazu nun auf den Haufen klettern oder sich in diesen förmlich  hinein bohren muss, spielt keine Rolle. In diesem Haufen frischen Grüns befinden sich auch  Pflanzen, die allzu besorgte Halter niemals verfüttern würden. Dadurch ist es aber gut möglich, dass  dem Tier pflanzliche Wirkstoffe vorenthalten werden, die es vielleicht in seiner derzeitigen  Verfassung sehr gut gebrauchen könnte. Werden beständig Hahnenfuß, Rainfarn, Schöllkraut,  Beifuß, Bärenklau und so weiter aussortiert, fehlt ein bestimmtes Spektrum von Substanzen, die das  Tier zum Beispiel vor Parasiten schützen, den Appetit anregen und dem Zentralnervensystem gute  Dienste leisten könn(t)en.  Viele "giftige" Pflanzen werden auch als Heilmittel genutzt. Der gezielte Einsatz bestimmter  Pflanzen bei Erkrankungen sollte aber immer in Absprache mit einem Tierarzt oder Tierheilpraktiker  erfolgen. Für verschiedene Pflanzen wurden so genannte Monographien erstellt. In Deutschland  gibt es z. B. die Monografien der Kommission E des ehemaligen Bundesgesundheitsamtes (BGA)  und des heutigen Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) mit der Bewertung  erwünschter und unerwünschter Wirkungen pflanzlicher Drogen als Ergebnis der Auswertung  wissenschaftlichen und erfahrungsheilkundlichen Materials. Wurde das Nutzen-Risiko-Verhältnis  positiv beurteilt, wurde eine Positiv-Monographie erstellt, bei fehlenden, ausreichenden Belegen für  eine Wirksamkeit in Bezug auf das beanspruchte Anwendungsgebiet oder einem zu großen Risiko  wurde eine Negativ-Monographie erstellt, fehlte ein ausreichender Wirksamkeitsnachweis und es  existiert kein Risiko bei der Anwendung, wurde eine Null-Monographie erstellt.  Weitere Bewertungen von Pflanzen existieren von der European Scientific Cooperative on  Phytotherapy (ESCOP), dem European Medicines Agency/Committee on Herbal Medicinal Products  (HMPC) und nicht zuletzt der World Health Organization (WHO).  Eine der Hauptaktivitäten der "Kooperation Phytopharmaka", die vom Bundesverband der  Arzneimittel-Hersteller e.V. (BAH), dem Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie e.V. (BPI),  dem Verband der Reformwarenhersteller e.V. (VRH) sowie der Gesellschaft für Phytotherapie e.V.  getragen wird, ist die Aktualisierung und Zusammenstellung neuer Erkenntnisse zu Arzneipflanzen.  Viele Wirkungen wurden in der Regel für den Menschen beschrieben und die Dosierungen sind  entsprechend ausgerichtet. Diese lassen sich auf Tiere übertragen ("umwidmen"), indem man sie  über die metabolische Körpermasse oder die Körperoberfläche für das jeweilige Tier errechnet.  Andererseits wurden bestimmte Wirkungen auch direkt an Tieren nachgewiesen.  Die Wirkungen verschiedener Pflanzen oder ihrer Bestandteile beruhen größtenteils auf den so  genannten "sekundären Pflanzenstoffen". In Pflanzen findet ein Primär- und ein  Sekundärstoffwechsel statt: im Primärstoffwechsel werden Kohlenhydrate, Eiweiße (Proteine) und  Fette gebildet, die Energie liefern und als Struktur- und Festigkeitsträger sowie als Speicherstoffe  dienen. Im Sekundärstoffwechsel entstehen niedermolekulare Stoffverbindungen, die in  vergleichsweise geringen Mengen vorliegen und für die Pflanze nicht lebensnotwendig sind  (Sekundärmetabolite). Die Funktionen der Stoffe sind noch nicht restlos geklärt, aber oft dienen sie  der Pflanze als Abwehrmittel gegen Krankheiten und Schädlinge und locken andererseits als Farb-  und Aromastoff pollenverbreitende Insekten und samenverbreitende Herbivore an.   Einige Pflanzeninhaltsstoffe, die für Heil- bzw. Giftpflanzen bedeutungsvoll sind:  Kohlenhydrate: als Heilpflanzen-Inhaltsstoffe sind nur die Polysaccharide von Bedeutung: einige  dienen als Struktur- und Funktionselemente (Zellulose, Hemizellulose, Pektine), andere als als  Reservestoffe (Stärke, Fruktane, Dextrane).  Fuktosane: als Inulin z. B. in Alant, Wegwarte, Löwenzahn und Topinamburwurzel enthalten  Mannane und Galaktomannane: u. a. in Johannisbrot enthalten  Pektin: Inhaltsstoffe von Möhre & Apfel  Phytosterine: strukturelle Komponenten in der Zellmembran von Pflanzen mit  cholesterinsenkender Wirkung. Sie kommen vor allem in fettreichen Pflanzenteilen vor: z. B. in  Sonnenblumenkernen & Weizenkeimen.  Carotinoide: schützen die Pflanze vor UV-Licht und verleihen Früchten durch rote und gelbe  Farbstoffe ihre typische Farbe. ß-Carotin ist als Vorstufe (Previtamin) von Vitamin A bekannt.  Fette & Öle: Als Pflanzeninhaltsstoffe sind die ungesättigten, essentiellen Fettsäuren interessant,  so z. B. die Gamma-Linolensäure aus Nachtkerzensamen  Saponine: neigen in wässrigen Lösungen zu starker Schaumbildung. Vorkommen vor allem in  Hülsenfrüchten wie Erbsen, außerdem in Efeu und Klee. Durch die schleimhautreizende Wirkung  kommt es zu verstärkter Sekretion der Bronchialdrüsen. Die Fähigkeit zur Komplexbildung führt zu  antimykotischen und antiviralen Wirkungen. Efeu und Schlüsselblumen verfügen über eine gute  antibiotische Wirksamkeit. Saponinhaltige Pflanzen: Bruchkraut, Goldrute (Kraut), Efeublätter,  Primelwurzel/-blüten, Schlüsselblumenblüten, Klee  Ätherische Öle: dienen Pflanzen als Fraßschutz sowie zum Anlocken oder Vertreiben von  Insekten. Die Wirkungsmechanismen sind noch nicht vollständig geklärt.  antimikrobielle Wirkung: Thymian, Pfefferminze, Salbei, Kleine Bibernelle  spasmolytische Wirkung: Kamille, Pfefferminze, Melisse, Kümmel, Fenchel, Schafgarbe reizende und durchblutungsfördernde Wirkung (Bronchien): Fenchel- und Anisfrüchte,  Thymian  reizende und durchblutungsfördernde Wirkung (Magen-Darm-Trakt): Fenchel- und  Anisfrüchte, Pfefferminzblätter, Rosmarin, Engelwurz, Kümmelfrüchte  entzündungshemmende Wirkung: Kamille, Schafgarbe  harntreibende Wirkung: z. B. Petersilienfrüchte, Liebstöckelwurzel  sedative Wirkung: z. B. Melisse, Lavendelblüten, Baldrianwurzel, Rosmarin  kreislaufanregende Wirkung: z. B. Pfefferminze, Lavendel, Rosmarin, Arnikablüten  Flavonoide: wirken antioxidativ, antibiotisch, antiheparotoxisch (Silymarin-Komplex der  Mariendistel) sowie antiphlogistisch. Flavonoidhaltige Pflanzen/-bestandteile: Birkenblätter,  Goldrutenkraut, Holunderblüten, Römische Kamille, Wollblumenblüten, Lindenblüten sowie  Buschklee, Besenginsterkraut, Mariendistelkraut, Weißdornblätter mit Blüten, Ringelblumen- und  Kamillenblüten.  Gerbstoffe: wirken abdichtend auf Kapillar- und Zellmembranen. Außerdem verfügen sie über  antivirale, antiphlogistische, reizmildernde und schleimhautschützende Wirkungen. Gerbstoffhaltige  Pflanzen/-bestandteile: Eichenrinde, Heidelbeeren, Walnussblätter.  Glykoside: tragen zum bitteren Geschmack von verschiedenen Pflanzen bei. Senfölhaltige  Pflanzen können vor Krebserkrankungen schützen (wissenschaftlich durch Versuche an Ratten  belegt). Senföle wirken teilweise stark antibakteriell und beugen Infektionen vor. Pflanzen mit  verschiedenen Senfölen: Knoblauchsrauke, Brokkoli, Senf, Kapuzinerkresse, Gartenkresse,  Brunnenkresse, Kohl, Hirtentäschel, Wiesenschaumkraut, Raps. Herzwirksame Glykoside kommen  u. a. in Adoniskraut, Fingerhutblättern, Maiglöckchen- und Schöterichkraut vor.  Bitterstoffe: wirken sekretionsfördernd und weisen zum Teil entzündungshemmende,  antibakterielle und fungistatische Eigenschaften auf.  Sesquiterpenlactone: Vorkommen in Arnika, Liebstöckel, Wermut und Löwenzahn  Diterpenlactone: Rosmarin, Salbei, Andorn & Herzgespannkraut  Iridoide: dienen Pflanzen auf Grund ihres bitteren Geschmacks als Fraßschutz, weiterhin  gehören Aromastoffe, die vor allem in Orangen, Aprikosen, Weintrauben und Pfefferminze  vorkommen, zu dieser Stoffklasse. Spitzwegerich enthält z. B. Aucubin und Catalpo und  Bitterklee den Stoff Loganin als typische Vertreter der Iridoide. Weitere Vorkommen in  Baldrianwurzel, Herzgespannkraut & Tausendgüldenkraut.  Schleimstoffe: bestehen aus Glukose, Galaktose, Mannose, Rhamnose und Glucoronsäure und  bilden auf Grund ihrer Wasserlöslichkeit Gele. Schleimstoffe der Eibischwurzel opder Malvenblätter  sind leichtvedaulich, andere wie z. B. Leinsamen unverdaulich. Gelöste Schleimstoffe bilden eine  schützende Schicht auf Schleimhaut und Haut, die reiz- und entzündungsmildernd wirkt, zusätzlich  binden sie Reizstoffe. Unlösliche Schleimstoffe wie Leinsamen wirken über ihr Quellvermögen sowie  Adsorptionsfähigkeit gegenüber toxischen Substanzen und Bakterien. Einige Schleimarten von z. B.  Echinacea wirken außerdem immunmodulierend.  Cumarine: gehören zu den Polyphenolen. Sie wirken als Antioxidans im Schalen- und Randbereich  von Pflanzen. Cumarine verleihen Heu seinen typischen Geruch, in größeren Mengen sind sie  gesundheitsgefährdend. Vorkommen: u. a. in Ruchgäsern, Gelben Steinklee, Liebstöckelwurzel,  Angelikawurzel, Bibernellwurzel & Bruchkraut.  Furocumarine oder Umbelliferon verfügen über photoallergisierende bzw. photoirritierende  Eigenschaften. In niedrigen Dosen weisen sie zentralsedative, antiphlogistische, ödemhemmende  und lymphokinetische Wirkungen auf. Die Krampfbereitschaft des Zentralnervensystems gegenüber  krampfauslösenden Stoffen wird (nach tierexperimentellen Erfahrungen) herabgesetzt, was die  positive Wirkung bei EC (Enzephalitozoon Cuniculi; Head Tilt) erklären könnte. Hohe  Konzentrationen der Cumarine wirken hepato-, nephro- und cardiotoxisch sowie lähmend auf das  Zentralnervensystem (Lohs et al. 2009).  LD50 (Maus, p.o.) 196 mg/kgKG LD50 (Ratte, p.o.) 290-680 mg/kgKG Nur in einigen Tierexperimenten konnte eine kanzerogene Wirkung mit extrem hohen Cumarin-  Dosen gefunden werden, so Gallengangkarzinome.  Phytoöstrogene: die Struktur dieser Substanzen ähnelt stark weiblichen Sexualhormonen.  Isoflavonoide kommen nur in wenigen, tropischen Hülsenfrüchten wie der Sojabohne vor - diese  enthält als Hauptvertreter Genistein zu ca. 729mg/kg. Soja gilt außerdem als Auslöser  verschiedener Allergien.  Für die Wirkungen von Pflanzen und deren Inhaltsstoffe werden oft Begriffe genutzt, die nicht  unbedingt allgemeiner Sprachgebrauch sind. Einige werden auch in der Pflanzenliste benutzt und  hier "übersetzt": Adstringierend  zusammenziehend, heilungsfördernd  Analgetisch Schmerzstillend, ohne Beeinträchtigung des Bewußtseins  Anästhetisch Führt Schmerzfreiheit und Empfindungslosigkeit herbei  Antibakteriell gegen Bakterien gerichtet  Antidotisch Neutralisierend gegen Gifte und toxische Substanzen  Antiexsudativ  Hemmung des Austritts von Flüssigkeit aus Gefässen im Rahmen   einer Entzündung (Exsudation)  Antihepatotoxisch gegen Lebergifte wirksam  Antimikrobiell gegen Mikroorganismen wie z. B. Bakterien und Pilze gerichtet  Antiphlogistisch Entzündungshemmend  Antipyretisch Fiebersenkend  Antiseptisch Keimtötend bzw. keimhemmend Antipasmodisch Krampflösend und -verhindernd  Antitussiv Hustenstillend  Aphrodisch  Libidoanregend  Carminativ  Wirkung beruht auf einem spasmolytischen Effekt auf die glatte  Darmmuskulatur und Hemmung von Gärprozessen der Darmflora  Choleretisch  den Gallenfluß fördernd  Demulgierend  Schleimhautreizungen lindernd  Diaphoretisch  Schweißtreibend  Digestiv  Verdauungsfördernd  Diuretisch  Entwässernd bzw. harntreibend  Emollientisch Weichmachend und beruhigend  Expektorantisch Schleimlösend und hustenlindernd  Hämostatisch Blutstillend Introp  Herzkontraktionskraft- und geschwingkeitssteigernd  Laxativ, laxierend  Abführend  Sedierend  Erregung und Nervosität vermindernd  spasmolytisch krampflösend  sekretolytisch Fähigkeit, die Bildung von dünnflüssigem Schleim zu stimulieren,  Förderung der Schleimentfernung aus den oberen Luftwegen  Stimulierend  den Stoffwechsel antreibend  Stomachisch Verdauungsfördernd  Tonisierend  Belebend und Gewebe neubildend  In der Pflanzenliste sind Gewächse und Beschreibungen ihrer Eigenschaften aufgeführt. 
Echinacea Heil- & Giftpflanzen
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