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Grundlegende Informationen Heu als getrocknetes Grünfutter wird seit Jahrhunderten als Ergänzungsfutter für Kaninchen genutzt. Je  nach Qualität dient es als Beschäftigungsmaterial und auf Grund des relativ hohen Fasergehaltes der  Verdauung. Letztere Funktion kann es aber nur sinnvoll erfüllen, wenn der Fasergehalt eine bestimmte  Qualität aufweist. Hier spielt auch der Zeitpunkt und die Anzahl der Schnitte eine Rolle. Der erste Schnitt  enthält in der Regel sehr viele, unverdauliche Fasern, weil das Grün sehr lange „auf dem Halm steht“. Der  zweite und die folgenden Schnitte dagegen erfolgen recht früh im Wachstum, so dass die Pflanzen bei der  Mahd nicht sehr alt sind. Der Nährstoffgehalt von Heu ist auf Grund der Trocknung geringer als der von  frischem Grünfutter, was vor allem durch den Verlust blättriger Bestandteile verstärkt wird. Problematisch  ist oft der hohe Mineralstoffgehalt, insbesondere der von Calcium (Ca), Phosphor (P) und Magnesium  (Mg). Vor allem aber deren Verhältnis zueinander wird kritisch gesehen, es sollte ungefähr für Ca:P:Mg =  2:1:1 betragen. In Heu liegen die Gehalte für Ca oft sehr hoch, was meist einem hohen Kräuteranteil  geschuldet ist. In frischen Grün wäre das auf Grund des hohen Wassergehaltes unbedenklich, in Heu aber  kritisch, weil das Tier die fehlende Wassermenge zusätzlich aufnehmen müsste. Das ist in der Regel nicht  der Fall.  Das heißt, je nach Anbieter kann die Qualität von Heu sehr stark schwanken, so dass ein Nutzen für das  Tier nicht erkennbar ist, es sei denn, die Gehalte wichtiger Inhaltsstoffe sind bekannt. Üblicherweise wird  Heu nicht deklariert, aber im Fall von Heu-kaufen wurden mir umfangreiche Daten zur Verfügung gestellt,  so dass eine Beurteilung möglich wurde.   Premium-Heu für Kaninchen und Meerschweinchen Sensorische Bewertung Das Heu ist grün und riecht sehr gut. Es gibt keine braunen Pflanzen, die auf eine Überhitzung während  der Trocknung hinweisen würden. Gräser überwiegen, es sind keine übermäßig lignifizierten (verholzte)  Stängel erkennbar. Rohnährstoffe in g/kg TS  Rohasche 53 Rohprotein 114 Rohfaser 268 Rohfett  17 Die Werte der Weende Analyse geben eine sehr gute Heu-Qualität wieder. Obwohl die Gehalte für  Rohprotein, Rohfaser und Rohfett eher im unteren Bereich für Heu liegen, zeigen weitere Analysen, dass  nicht Quantität, sondern die Qualität über der Nährstoffgruppen über den Nutzen für das Tier entscheidet.  Aminosäuren in g/kg TS  Methionin + Cystin  3,1 In Futtermitteln für Kaninchen sind Methionin und Cystin in der Regel die erstlimitierenden Aminosäuren,  weil ihr Gehalt während der Ernte und Trocknung stark abnimmt. Neben dem Aufbau von körpereigenem  Eiweiß erfüllen die verschiedenen Aminosäuren weitere wichtige Funktionen. Methionin ist eine  schwefelhaltige, essentielle Aminosäure, die durch die Übertragung von Methylgruppen zu  Entgiftungsvorgängen in der Leber beiträgt. Da Methionin Wasserstoffionen zur Verfügung stellt, ist es  wichtig für die Regulierung des Säure-Base-Gleichgewichtes, außerdem wird es für die Aufnahme und den Transport von Selen im Körper benötigt. Methionin wird medizinisch genutzt zur Vorbeugung und Erhöhung  der Löslichkeit von Phosphat‐Nierensteinen und als unterstützende Behandlung entzündlicher  Erkrankungen der Harnwege durch Ansäuerung des Harns, weil es zu Sulfat und Protonen metabolisiert  wird. Die meisten Gemüsesorten und vor allem Obst sind arm an Methionin. Cystin findet sich unter anderem in den Zellen des Immunsystems. Dessen Vorstufe L-Cystein wird aus  Methionin synthetisiert und gilt auf Grund ihrer Bedeutung mittlerweile als semi-essentiell. Cystin  unterstützt das Reifen von Lymphozyten und aktiviert Zellen, die für die Immunabwehr wichtig sind.  Deshalb spielt Methionin nicht nur an sich eine wichtige Rolle, sondern stellt auch einen limitierenden  Faktor für die Synthese von L-Cystein dar. Die beiden Aminosäuren werden oft als Summe („Meth + Cys“)  oder allgemein als „schwefelhaltige AS“ angegeben. In Heu liegen die Gehalte von Methionin + Cystin üblicherweise zwischen 2 - 3 g/kgTS, mit 3,1 g/kg TS  liegt das Premium-Heu also in einem sehr guten Bereich. Erweiterte Detergenzienanalyse in g/kg TS NDF 511 ADF  286 ADL  39 Cellulose 247 Hemicellulose 225 Normalerweise erhält man von Heuanbietern keine Werte der erweiterten Analyse der  Zellwandbestandteile, obwohl eigentlich erst sie eine Beurteilung der Fasern als Ballast in der Nahrung  des Kaninchens als auch für den Kauprozess und somit der Zahngesundheit ermöglichen. Der NDF-Gehalt gibt den Gesamt-Zellwandgehalt wieder und ist ein Maß für die Verdaulichkeit eines  Futters. Normalerweise liegt der Gehalt in Heu deutlich über 600, der von Grünfutter um 550 g/kg TS. Mit  511 g/kg TS ist der NDF-Gehalt des Premium-Heus relativ niedrig, was auf eine gute Verdaulichkeit  hinweist. Der ADF-Gehalt nimmt Einfluss auf die Futtermenge, die aufgenommen werden kann. Vergleichbare Werte  für Heu liegen um 400, die für frisches Grünfutter um 330 g/kg TS. Auch hier zeigt sich mit 286 g/kg TS für  das Premium-Heu ein sehr guter Wert. ADL (Lignin) ist der begrenzende Hauptfaktor für die Verfügbarkeit pflanzlicher Zellwandbestandteile für  Pflanzenfresser, weil es als unverdaulicher Bestandteil auch die Verwertung von Cellulose und  Hemicellulose behindert. Typische Werte liegen zwischen 40-60 g/kg TS, mit 39 g/kg TS liegt das  Premium-Heu im unteren Bereich, was eine gute Verwertbarkeit der Zellwandbestandteile durch die  Bakterien im Darm gewährleistet. Cellulose und Hemicellulose werden jeweils errechnet: Cellulose = ADF-ADL  Hemicellulose = NDF-ADF       An dem Beispiel wird deutlich, wie wichtig es ist, nicht nur den Rohfasergehalt eines Futters zu kennen,  sondern die Zusammensetzung der Zellwandbestandteile. Diese haben mit der Rohfaser nur bedingt zu  tun. Die Werte für das Premium-Heu zeigen, dass es in Bezug auf die Gerüstsubstanzen und somit den  Nutzen für Kaninchen dem frischen Grünfutter fast ebenbürtig ist.  Mineralstoffe in g/kg TS Calcium (Ca)      7,0 Phosphor (P)      3,0 Magnesium (Mg)   2,2 Die Werte für Ca, P und Mg sind fast als ideal zu bezeichnen und sollte Haltern, deren Tiere mit Zahn-  oder Harnwegsproblemen (Steine) zu kämpfen haben, die Entscheidung für dieses Heu als Ergänzung in  der Ernährung leichter machen: sowohl die Menge, als auch das Verhältnis der Mineralien zueinander  passen sehr gut zu allen Empfehlungen. Einziger Wermutstropfen ist das fehlende Wasser, was aber  immer mit einem getrockneten Futter verbunden ist.  Verdauliche Energie in DE MJ/kg TS Die verdauliche Energie des Premium-Heus spiegelt die Zusammensetzung: sie entspricht mit 10 MJ/kg  TS den Empfehlungen für den Erhaltungsbedarf von Hauskaninchen, was für ein Heu ungewöhnlich viel ist  und deshalb für seine Qualität spricht. ß-Carotin  62 mg/kg TS = 34.000 IE   Vitamin A ist in pflanzlichen Futtermitteln nicht enthalten, es sei denn, es wird zugemischt. Die wirksamste,  natürliche Vorstufe bildet ß-Carotin, welches im Körper in die benötigte Menge Vitamin A umgewandelt  wird. Überschüssiges ß-Carotin wird für eine gewisse Zeit im Körperfett gespeichert und später mit dem  Urin ausgeschieden. Zusätzlich zugeführte Mengen an Vitamin A hingegen werden dauerhaft in der Leber  gespeichert. Während frisches Grünfutter ca. 250 mg/kg TS (138.875 IE) enthält, sind die Verluste bei der  Ernte und Trocknung sehr hoch. Normalerweise betragen die Gehalte nur < 30 mg/kg TS (< 16.665 IE).  Der Wert für das Premium-Heu liegt also mit 62 g/kg TS doppelt so hoch wie der Durchschnitt für übliches  Heu. Vitamin E  40 mg/kg TS (ber. als alpha-Tocopherolacetat) Vitamin E ist ein natürliches Antixodans, schützt also die Nährstoffe in den Pflanzen vor dem Verderb. Im  Körper schützt es insbesondere die mehrfach ungesättigten Fettsäuren vor einer Zerstörung durch  Oxidation. Selbst ist dieses Vitamin aber auch empfindlich gegen Umwelteinflüsse, so dass ein Verlust in  der Ernte und Lagerung unausweichlich ist. Der Gehalt im Premium-Heu ist aber immer noch so hoch wie  der in handelsüblichen Trockenfuttern, denen das Vitamin oft in synthetischer Form zugemischt wird.  Vitamin D  500 - 1000 IE/kg TS  Calcitriol ist die biologisch wirksamste Form von Vitamin D3. Sie kommt in grünen Pflanzen,   ausgenommen Goldhafer (Trisetum flavescens) und einigen Leguminosen wie Klee (Trifolium pratense)  und Luzerne (Medicago sativa), so gut wie nicht vor. Statt dessen nehmen Pflanzenfresser wie Kaninchen  und Meerschweinchen Ergocalciferol (Vitamin D2) auf, welches dann durch UV-Strahlung in der Haut zu  Calcitriol umgewandelt wird. Vitamin D3 ist essentiell für den Calcium-/Phosphor-Stoffwechsel, weil es für  die Resorption dieser Mineralien benötigt wird. Wenn Kaninchen über ein halbes Jahr keiner natürlichen  UV-B-Strahlung ausgesetzt werden oder kein Vitamin D3 über die Nahrung erhalten, ist es im Serum nicht  mehr nachweisbar, das heißt, es entsteht ein Mangel. Ein Grund für die bisherige Empfehlung von  kommerziellen Trockenfuttern durch mich bestand in der Tatsache, dass diesen Vitamin D3 zugemischt  wird. Dieser Grund ist nun nicht mehr gegeben, weil das Heu dieses natürliche Vitamin bzw. biologisch  wirksame Äquivalente enthält.   Vitamin D gilt heute als ein sehr wichtiger Faktor für ein stabiles Immunsystem. Fettsäuren (FS) 18:2n-6 22,5 g/100g FS  18:3n-3 51,5 g/100g FS  Bestandteile des Rohfetts sind u. a. Fettsäuren, von denen die zwei für das Kaninchen essenziell sind: die  Linolsäure (C18:2, Omega-6-Fettsäure: übliche Schreibweise 18:2n-6) und die α-Linolensäure (C18:3,  Omega-3-Fettsäure: übliche Schreibweise 18:3n-3). Aus der Linolsäure kann der Körper die vierfach  ungesättigte Omega-6-Fettsäure „Arachidonsäure“ (AA, 20:4n-6) herstellen, die wiederum zu  entzündungsfördernden Icosanoiden (auch Eicosanoide genannt) umgebaut werden. Auch die α-  Linolensäure wird im Körper schrittweise verlängert und mit zusätzlichen Doppelbindungen versehen. Auf  diese Weise entstehen „Eicosapentaensäuren“ (EPA, 20:5n-3) und „Docosahexaensäuren“ (DHA, 22:6n-  3). Diese finden sich in den Membranen der Nerven- und Hirnzellen. Aus EPA werden ebenfalls  längerkettige Fettsäuren synthetisiert, die aber entzündungshemmend wirken. Über den Nutzen der  essentiellen Fettsäuren entscheidet aus diesem Grund nicht allein ihr Gesamtgehalt, sondern auch ihr  Verhältnis zueinander, welches möglichst ausgeglichen sein sollte. Es gibt für Kaninchen keine  Empfehlungen für Fettsäuren, für den Menschen empfiehlt die DGE ein Verhältnis von 5:1. Da das Fleisch  von Wildkaninchen ein Verhältnis von ca. n-6:n3=3:1 aufweist, kann das Verhältnis von n-6:n-3=1:2 im  Premium-Heu als sehr gut angesehen werden. Ausgeglichen wird es z. B. durch das zusätzliche Fressen  von Samen.   Fazit  Das Premium-Heu von Heu-kaufen.com ist ein Naturprodukt, demgemäß unterliegen die Werte der  Referenzprobe natürlichen Schwankungen. Da das Heu aber nur von eigenen Wiesen angeboten wird,  halten sich diese in relativ engen Grenzen, die die Natur nun einmal vorgibt. Die Qualität des Heus hat  meine Erwartungen in jeder Hinsicht übertroffen. Nicht unbedingt die Rohnährstoffe, sondern die weitergehenden Analysewerte für wichtige Nährstoffe sind  für mich ein Grund, dieses Heu als Ergänzung für die Ernährung von Kaninchen und Meerschweinchen zu  empfehlen. Mehr noch: auf Grund der enthaltenen Nährstoffe kann es als Ersatz für Trockenfutter  angesehen werden, wenn es zusätzlich zur arttypischen, frischen Nahrung wie Gräser und Kräuter  angeboten wird. Es enthält alle Nährstoffe und Verbindungen in ihrer natürlichen, also biologisch aktivsten  Form.
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