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Inhalt  Der Begriff der Kastration  Die Rechtslage Argumente „Für“ und „Wider“ eine Kastration  Risiken und Folgen der Kastration Frühkastration Zusammenfassung Der Begriff der Kastration [Inhaltsverzeichnis]  Kastrieren bedeutet die operative Entfernung der Keimdrüsen - auch Geschlechtsdrüsen oder Gonaden  genannt. Beim männlichen Tier werden die Hoden durch eine Orchiektomie, beim weiblichen Tier die  Eierstöcke durch die Ovariektomie entfernt. Eine erweiterte Form der Kastration bei weiblichen Tieren bildet  die Ovariohysterektomie, bei der die Eierstöcke und die Gebärmutter entfernt werden. Durch eine Kastration  wird die Fortpflanzungsfähigkeit komplett unterbunden, zusätzlich werden nur noch sehr wenige  Sexualhormone produziert. Der zweite Punkt soll bestimmte Verhaltensweisen beeinflussen. Bei einer Sterilisation werden bei männlichen Tieren die Samenleiter, bei weiblichen die Eileiter durchtrennt, also „nur“ die Fortpflanzungsfähigkeit ausgeschlossen, auf die Produktion von Sexualhormonen hat dieser  Eingriff keine Auswirkungen. Während die Kastration einen erheblichen Eingriff mit Folgen für den gesamten Organismus darstellt, bedeutet die Sterilisation ein geringeres Risiko für das Tier. Im Rahmen einer Dissertation von (Hecht, 2000) wurde die Vasektomie (auch Vasoresektion), wie die  Sterilisation durch Durchtrennen der Samenleiter genannt wird, bei Rammlern der Rasse New-Zealand-  White-Rabbits problemlos durchgeführt. Die Erfolgsquote lag bei 100%, es war also kein Tier mehr nach  dem Eingriff noch zeugungsfähig. Eine Vasovasostomie  6 Monate später, was bei einem Menschen einer  Zeit von ca. 5 Jahren entspräche,  erzielte eine Durchgängigkeitsrate von 72 %, was nur unwesentlich unter  den Ergebnissen der Refertilisierung für Menschen liegt. 40% der Verpaarungen mit den  „wiederhergestellten“ Rammlern führten zu einer Trächtigkeit der Häsinnen. Für die Sterilisation von Kaninchen scheint das Interesse in Deutschland sehr gering zu sein, obwohl dieser  Eingriff für den Organismus im weiteren Leben nicht so folgenschwer wie eine Kastration ist. Merkwürdig ist  vor allem, dass der Tierschutz eben so wenig ein Interesse daran hat, obwohl er doch von sich behauptet,  für das Wohl aller Tiere zuständig zu sein.   Die Rechtslage [Inhaltsverzeichnis]  in der Heimtierhaltung werden heute Rammler pauschal kastriert, um sie gemeinsam mit anderen  männlichen oder weiblichen Tieren halten zu können. Zum einen sollen blutige Auseinandersetzungen unter geschlechtsreifen, männlichen Tieren vermieden werden, zum zweiten ungewollter Nachwuchs. Beide Fälle  sind auch durch das Tierschutzgesetz gedeckt. Geregelt ist dieser Punkt im (TierSchG, 2010), § 6:  „(1) Verboten ist das vollständige oder teilweise Amputieren von Körperteilen oder das vollständige oder  teilweise Entnehmen oder Zerstören von Organen oder Geweben eines Wirbeltieres. Das Verbot gilt nicht,  wenn 1. der Eingriff im Einzelfall nach tierärztlicher Indikation geboten ist oder bei jagdlich zu führenden Hunden für die vorgesehene Nutzung des Tieres unerläßlich ist und tierärztliche  Bedenken nicht entgegenstehen, 2. ein Fall des § 5 Abs. 3 Nr. 1, 1a oder 7 vorliegt,  3. ein Fall des § 5 Abs. 3 Nr. 2 bis 6 vorliegt und der Eingriff im Einzelfall für die vorgesehene Nutzung des  Tieres zu dessen Schutz oder zum Schutz anderer Tiere unerläßlich ist,  4. das vollständige oder teilweise Entnehmen von Organen oder Geweben zum Zwecke der Transplantation  oder des Anlegens von Kulturen oder der Untersuchung isolierter Organe, Gewebe oder Zellen erforderlich  ist,  5. zur Verhinderung der unkontrollierten Fortpflanzung oder - soweit tierärztliche Bedenken nicht  entgegenstehen - zur weiteren Nutzung oder Haltung des Tieres eine Unfruchtbarmachung vorgenommen  wird.“ Zitat aus TierSchG, 2010  Dieser Paragraf dient also dem Schutz der Unversertheit des Tieres. Er gestattet eine Amputation, und  darum handelt es sich bei einer Kastration, in der Heimtierhaltung nur in 3 Fällen: wenn ein Tierarzt die medizinische Notwendigkeit wie z. B. eine Krebserkrankung feststellt  (Indikation),   zum Schutz des Tieres oder anderer   sowie zur Verhinderung einer unkontrollierten Fortpflanzung.   Amputation bedeutet nach (Lorz, et al., 2008) die beabsichtigte Entfernung eines Teiles des Körpers. Der  Begriff beschränkt sich dabei nicht nur auf Gliedmaßen, wie umgangssprachlich oft angenommen wird,  sondern auch auf Organe. Diese wiederum bestehen aus Zellen und Gewebe, deren Einheit mit bestimmten Funktionen verbunden ist. Als Gewebe werden Zellverbände bezeichnet, die den Körper aufbauen. Dazu  zählt auch Knochengewebe.   Eine tierärztliche Indikation definiert sich als Rechtfertigungsgrund bzw. Umstand tierärztlich diagnostischer,  therapeutischer und prophylaktischer Maßnahmen bei einer vorliegenden Erkrankung oder nach  Abschätzung eines mögliche Nutzens und der Risiken für den Patienten, um Schaden, Leiden und  Schmerzen von ihm abzuwenden (Hartung, 2002), (Lorz, et al., 2008), (Wiesner, et al., 2000). Zwingt der  Grund zu der Maßnahme, liegt eine absolute, bei Vorliegen von sinnvollen Alternativen eine relative  Indikation vor. Die tierärztliche Indikation ist also nicht ausschließlich auf das Vorliegen einer Erkrankung  beschränkt. Da das Gesetz das Wohlergehen und die Unversehrtheit des Tieres im Sinn hat, ist sie auch bei einer Verletzungsgefahr für das Individuum als auch anderer Tiere möglich. Ausdrücklich keine Indikation  löst jedoch der Wunsch aus, denkbaren, künftigen Erkrankungen vorzubeugen (Lorz, et al., 2008).  Interessant in diesem Zusammenhang ist ein Gerichtsurteil1, wonach eine Vertragsklausel eines Tierheims in einem so genannten „Übergabevertrag“, die den Übernehmer eines Tieres nach der Übergabe zu dessen Kastration verpflichtete, gegen § 1 des Tierschutzgesetzes verstößt und somit unwirksam ist. In der  Begründung heißt es, dass die Durchführung einer Kastration dem Tierschutzgesetz widerspreche, da ohne  vernünftigen Grund dem Tier keine Schmerzen, Leiden oder Schäden zugefügt werden dürfen.  Bestände für das Tier zusätzlich noch ein Narkose- oder Eingriffsrisiko, würde sich ein solcher Eingriff  ohnehin verbieten. Das eine Organisation, die sich offiziell dem Tierschutz verpflichtet sieht, selbst gegen  das Tierschutzgesetz verstößt, ist kein Einzelfall.   Im Tierschutzgesetz, Erster Abschnitt, Grundsatz, § 1 heißt es: „Zweck dieses Gesetzes ist es, aus der  Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf dessen Leben und Wohlbefinden zu schützen.  Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.“ (TierSchG,  2010) ________________________________ 1 Amtsgericht Alzey; Aktenzeichen 22 C 903/95 Argumente „Für“ und „Wider“ eine Kastration [Inhaltsverzeichnis]  Die Kastration von Rammlern ist aus den bereits genannten Gründen des eigenen Schutzes und den von  Artgenossen sowie der ungewollten Fortpflanzung heute relativ „normal“ und in der Heimtierhaltung kaum in  Frage gestellt. Trotzdem muss ganz klar darauf verwiesen werden, dass bei entsprechenden  Gruppenkonstellationen und Haltungsbedingungen die Haltung mehrerer geschlechtsreifer Rammler ohne  weiteres möglich ist. Seit einiger Zeit werden aber verstärkt Kastrationen weiblicher Kaninchen durchgeführt und immer  vehementer empfohlen – und zwar vorsorglich bzw. prophylaktisch, also ohne medizinischen Grund. Als  mögliche Gründe für die Kastration weiblicher Tiere werden von den Befürwortern u. a. folgende aufgeführt:  Verhütung von Gebärmutterkrebs und anderen Gebärmuttererkrankungen,   Verhütung von Scheinträchtigkeiten,   Verhütung von Brustdrüsenerkrankungen,   Verhütung von oder Abstellen aggressiven Verhaltens und “Urinspritzens” bzw. Markierverhalten.   Ein Argument gipfelt sogar darin, die Scheinträchtigkeit der Häsin als eine „hormonbedingte Erkrankung“  darzustellen (Lazarz, 2006).   Aber: das Verhüten von denkbaren, im späteren Lebensalter eventuell auftretenden Erkrankungen und das  Unterdrücken artspezifischen Verhaltens sind durch das Tierschutzgesetz in keiner Weise gedeckt – es ist  also schlicht gesetzwidrig. Studien, die die These einer erhöhten Anfälligkeit aller weiblichen Kaninchen für  die Entstehung von Gebärmuttertumoren stützen könnte, zeigen bei genauer Betrachtung eher das  Gegenteil.   Ein kleiner Ausflug in die Welt des Menschen zum Thema „mögliche Erkrankungen“ offenbart trotz aller  Früherkennungsuntersuchungen die folgenden Fakten, aus (RKI, 2012): eine von acht Frauen (12,5%)  in  Deutschland erkrankt im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs. Davon ist jede vierte  betroffene Frau jünger als  55 Jahre, jede zehnte noch keine 45 Jahre alt. Ein besonders hohes Risiko bilden dabei u. a. eine frühe  erste und eine späte letzte Regelblutung, Kinderlosigkeit oder ein höheres Alter bei der ersten Geburt,  Hormonersatztherapie mit Östrogenen  in und nach den Wechseljahren (allein oder kombiniert mit  Gestagenen), Übergewicht und Bewegungsmangel nach den Wechseljahren, Alkohol, Aktiv- und  Passivrauchen, dichtes Brustdrüsengewebe, bestimmte gutartige  Veränderungen (Neoplasien) und das  Auftreten von Brust- oder Eierstockkrebs in der Familie.   2,1 % der Frauen in Deutschland erkranken im Laufe des Lebens an Gebärmutterkörperkrebs, eine von 200  (0,5%) stirbt daran. Bei 68% der Tumore handelt es sich um Adenokarzinome2. Als Risikofaktoren gelten u.  a. das Alter, der langfristige Einfluss von Östrogenen, eine frühe erste Regelblutung sowie späte  Wechseljahre, Kinderlosigkeit, Erkrankungen der Eierstöcke, Östrogene als Monotherapie in den  Wechseljahren, Übergewicht und Bewegungsmangel Bei 17 – 20% der gebärfähigen Frauen in Europa  entwickeln sich vor allem im Alter zwischen 35 – 50 Jahren Myome, also gutartige Tumore bzw.  Wucherungen in der Muskelschicht der Gebärmutter. Zystenbildungen an der Gebärmutter können jede  Frau betreffen, vor allem kurz nach der Pubertät und vor den Wechseljahren. Trotz dieser Tatsachen käme  aber sicher niemand auf die Idee, Frauen vorsorglich die Brüste und die Gebärmutter zu entfernen oder  dies so vehement zu fordern, wie im Fall des Kaninchens oder auch anderer Haustiere. Noch abwegiger  erschiene die Forderung, Mädchen mit einer Frühkastration im Alter von spätestens 12 Jahren vorsorglich  die Gebärmutter zu entfernen, weil es später eventuell zu einer Krebserkrankung kommen könnte.  Als eine weitere Begründung für eine scheinbare Notwendigkeit der Kastration wird häufig die  Überpopulation von Haustieren angeführt. Sicher könnte man mit der totalen Kastration aller Haustiere  dieses Problem „bekämpfen“, aber dann gäbe es eben in absehbarer Zeit auch keine Haustiere mehr. Alle  Wege dazwischen wird die Zunahme von Haustieren nicht eindämmen, weil es immer beliebter wird, ein  Tier im Hausstand zu halten. Wie Zahlen belegen, geht dieser Trend immer weiter, bis hin zu exotischen  Tierarten und sogar solchen, die unter Artenschutz stehen.   Mit rein ökonomischen Begriffen formuliert bedeutet das: es besteht ein Bedarf an Tieren und diese  Nachfrage wird auf verschiedene Art und Weise gedeckt. Die Haltung der Tiere wird heute zudem dadurch  erleichtert, dass es immer mehr Tierheime, Gnadenhöfe und Auffangstationen gibt, wo unbequem  gewordene Tiere erst einmal  abgegeben werden können. Ein weiteres Problem stellt die heutige  Vermittlung von „Wissen“ über die Tiere dar. Im Fall des Kaninchens beschränken sich diese Grundlagen  zumeist auf 2m2/Tier Platzbedarf sowie Gemüse und Heu als Futter, ersatzweise auch Trockenfutter. Diese  Dinge sind einfach zu besorgen und erfordern keinen hohen Aufwand. An der Verbreitung der Informationen  über solche einfachen Haltungsvoraussetzungen ist auch der Tierschutz maßgeblich beteiligt. Für viele  Menschen sind diese Informationen durchaus auch ein Grund, es mal mit einem Kaninchen zu „probieren“.  Viele „Ratgeber“ sind auf Verkauf ausgerichtet und entsprechend gestaltet: schöne Hochglanzbilder von  niedlichen Tieren auf Wohnzimmerdecken, denen in dekorativen Schalen Gemüse angeboten wird und für  die die tollsten Einrichtungsmöglichkeiten, auch zum selber Basteln, offeriert werden. Das Kind ist  begeistert, Mutti hat was zum betüteln und Papa kann sich mit der Laubsäge kreativ betätigen – so hat, bis  auf das Tier, die ganze Familie etwas davon.  Eine interessante Untersuchung zum Thema „Regulierung der Population von Wildkaninchen“ in freier  Wildbahn in Australien wurde von (Twigg, et al., 2000) veröffentlicht. Über vier Jahre wurde der Einfluss der  eingeschränkten Fruchtbarkeit in 12 verschiedenen Populationen untersucht, in denen jeweils 0%, 40%,  60% und 80% der Weibchen sterilisiert wurden. Mit steigender Sterilisationsrate sank auch die  Populationsdichte. Dieser Effekt wurde aber zum Teil dadurch kompensiert, das mehr junge und ältere Tiere überlebten. Da in der Population mit der höchsten Sterilisationsrate von 80% die Einwanderrate fremder  Tiere hoch und die Abwanderungsrate gering war, wird eine Unterschätzung des Effektes der Sterilisation  vermutet.   Tabelle 6: Gesamtzahl der Tiere am Beginn und Ende der Untersuchung in Abhängigkeit von der jeweiligen  Sterilisationsrate, aus (Twigg, et al., 2000)  Selbst im Fall der Sterilisation von 80% weiblicher Tiere einer Population von Wildkaninchen lag die  Gesamtzahl nach 4 Jahren fast wieder auf dem des Ausgangsjahres. In einer Dissertation von (Kalz, 2001) wurde der Einfluss der Kastration auf die Population verwilderter  Katzen in einem Berliner Stadtgebiet geprüft. Das Resümee dieser Untersuchung: die Kastration von Katern  hatte keinen Einfluss auf die Reproduktionsrate und -dichte der Katzen. Selbst ein Anteil von zwei Drittel  kastrierter, weiblicher Katzen beeinflusst die Reproduktionsrate und Populationsdichte der Tiere nicht.  Erwähnenswert in diesem Zusammenhang ist die Kritik an der Praxis des Tierschutzes der Wegnahme  ganzer Würfe von den Müttern, weil dies die Populationsdichte sogar erhöht. Die Katzen ziehen dann in der  Regel im späten Jahr einen weiteren Wurf groß. Zu den weggenommenen Katzen kommt dann also noch  ein weiterer Wurf hinzu, der die zu vermittelnden Tiere verdoppelt. Im Prinzip tragen Tierschützer somit zu  einer Erhöhung der Gesamtpopulation bei. Schließlich wurde noch auf die Probleme der frühzeitigen  Kastration von Tieren verwiesen, weil deren Wiedereingliederung in die frühere Gruppe durch das  Verharren auf einem juvenilen Stand problematisch sein kann. Die Kastration von Tieren vermag also eine Über-Population kaum einzudämmen und ist somit für diesen  Zweck eigentlich ungeeignet. Tatsächlich ist die Ursache der Wunsch von immer mehr Menschen, sich  kleine Heimtiere in ihre Wohnungen zu holen. Diese Nachfrage wird bedient, sei es nun von Züchtern  privaten Haltern, die ihren Nachwuchs im Bekanntenkreis weitergeben oder schließlich durch gut  organisierte Händler und Zooläden. In Deutschland bedarf es keinerlei Nachweis über die Kenntnis der Bedürfnisse und das Verhalten über die  jeweilige Tierart, deren Vertreter man sich gern anschaffen möchte. Extremfälle zeigen sich im Bereich der  Hundehaltung. Vielen Menschen ist wohl nicht so richtig bewusst, dass so mancher Rasse-Vertreter  eigentlich eine Waffe auf vier Pfoten darstellt. Wenn es nicht funktioniert wird eben kastriert, eingeschläfert  oder das Tierheim bemüht. So einfach ist die Heimtierhaltung für den Menschen in Deutschland, unter der  viele Tiere leiden müssen. ______________________________________________________________________________________ 2 aus Drüsengewebe entstehender, bösartiger (maligner) Tumor Risiken und Folgen der Kastration [Inhaltsverzeichnis]  Ein wesentliches Merkmal der Argumentation für eine Kastration, vor allem im Tierschutz und von manchem  Tierarzt, ist das fast völlige Verschweigen der möglichen Folgen dieses Eingriffes, oft wird nur auf ein  mögliches Narkoserisiko hingewiesen. Dafür werden aber die scheinbar positiven Ergebnisse besonders  hervorgehoben, obwohl völlig offen ist, ob diese im gewünschten Maß auch eintreten. Bei den so genannten  Vorteilen der Kastration handelt es sich in der Regel um solche für den Halter, nicht um Vorteile für das Tier.  Kein Organ im Körper eines Säugetiers, einschließlich des Menschen, existiert für sich allein und ohne  Wechselwirkungen auf andere Organe oder Prozesse im Körper. Das Pech des Kaninchens ist, dass die  Auswirkungen des Eingriffes oft nicht unmittelbar erkennbar sind oder später nicht mehr der Kastration  zugeschrieben werden. Möglicherweise registriert der Halter nach dem Eingriff zwar ein ruhigeres Tier, dem  arttypische Eigenschaften verloren gegangen sind und das nun einfacher, sauberer und für den Menschen  stressfreier zu halten ist. Aber eine Reihe von „Nebenwirkungen“ führen oft zu Krankheiten.   Im Folgenden werden dokumentierte Folgen der Kastration an verschiedenen Tierarten und dem Mensch  aufgeführt. Diese sollen kein Horrorszenario darstellen, sondern einfach nur mögliche Folgen aufzeigen, die  nur selten erwähnt werden. Kaninchen:  Die körperlichen Folgen der Kastration für Kaninchen speziell als auch für andere Säugetiere sind schon  lange bekannt und wurden z. B. bereits von (Tandler, et al., 1913)  zusammengefasst: größere, stärkere  Knochen bei Kaninchen, die im Alter von 3 Monaten kastriert wurden, Vergrößerung der Hirnanhangsdrüse,  Vergrößerung des Thymus bei Kaninchen, die im Alter von 1 – 3 Monaten kastriert wurden, Verzögerung der  Involution3 des Thymus, Hypertrophie4 der Nebennieren nach Entfernen der Eierstöcke sowie eine  Verbreiterung der Nebennierenrinde bei Verkleinerung der Marksubstanz.   Die typischste Begleiterscheinung einer Kastration ist die Gewichtszunahme. Allein dadurch ergeben sich  als Folge weitere Erkrankungen. Durch weniger Bewegung kommt es Muskel- und Knochenschwund. Die  verringerte Aktivität birgt die Gefahr der Bildung von Steinen in den Harnwegen und -organen. Durch den  veränderten Hormonstoffwechsel und das Absinken des Calcitoningehaltes im Blut kann es zu Osteoporose kommen, was sich wiederum auf negativ auch auf die Zähne auswirken kann. Sie werde brüchig oder fallen  aus - eigentlich typische Alterserscheinungen, die aber durch die Kastration auch bei relativ jungen Tieren  quasi vorgezogen werden.  Bei weiblichen Tieren mag zwar ein erhöhtes Risiko einer Krebserkrankung vorliegen, einen gesicherten  Nachweis über eine erhöhte Sterblichkeit existiert jedoch nicht. Viele Krebserkrankungen werden erst post  mortem (nach dem Tod) bei einer Autopsie diagnostiziert- gestorben sind die Tiere aber auf Grund einer  anderen Ursache. Ratten:  Bei Ratten wurde von (Tandler, et al., 1913) eine starke Verkleinerung der Prostata5 festgestellt, bei  verschiedenen Säugetierarten ein verändertes Knochenwachstum und vor allem die Veränderung von  Proportionen der Knochen untereinander. Nach (Bokelmann, et al., 1932) führte die Kastration bei weiblichen Albinoratten zu einer relativen,  funktionellen und anatomischen Atrophie (Verkleinerung) der Thyreoidea (Schilddrüse). Erkrankungen der  Schilddrüse mit ihren Auswirkungen werden bei Kleintieren wie Ratten, Mäusen und Kaninchen selten  beschrieben. Das heißt aber nicht, dass sie wie bei anderen Säugetieren keine Rolle spielen würden – sie  werden nur schlicht nicht als solche erkannt. In Versuchen von (Drori, et al., 1976) wurde eine moderate Verlängerung der Lebensdauer durch die  Kastration festgestellt, einen größeren Einfluss darauf hatte jedoch die Bewegung bzw. Mobilität. Dieser  Effekt ist auch bei männlichen Kastraten festzustellen. Vorrangig liegt das an dem fast völligen Wegfall der  Produktion von Testosteron. Damit verbunden sind weniger Revier- oder Rangordnungskämpfe und somit  die Verletzungsgefahr. Im Gegensatz dazu kann bei weiblichen Tieren sogar die Aggressivität zunehmen,  weil der Einfluss der Östrogene fehlt. Die Kastration weiblicher, ausgewachsener Ratten führte in Versuchen von (Gürkan, et al., 1986) zu  Osteoporose, also eine Verringerung der Knochendichte, wie sie normalerweise erst im Alter auftritt und  vergleichbar mit anderen Säugetieren sowie dem Menschen ist. Schuld ist das Absinken des Calcitonin-  Spiegels im Blut nach der Kastration. Dabei handelt es sich um ein Hormon aus der Schilddrüse, das als  Gegenspieler von Parathormon den Calcium- und Phosphathaushalt im Körper reguliert. Calcitonin hat  dabei eine calciumsenkende Wirkung und hemmt den Calciumabbau aus den Knochen. Das Parathormon  wird in der Nebenschilddrüse gebildet und hat eine calciumerhöhende Wirkung im Blutplasma (Bourdeau, et al., 1986), (Warren, et al., 1989). Eine weitere Ursache der Verringerung der Knochendichte kann zum  Beispiel Bewegungsarmut auf Grund des Muskelabbaus und Adipositas darstellen. (Wronski, et al., 1989) überprüften in einer Langzeituntersuchung ebenfalls den Einfluss der Ovariektomie  auf die Knochendichte. Nach der Entfernung der Eierstöcke wurde ein zweistufiges Muster der Verringerung  der Knochendichte beobachtet. Nach der Kastration wurde eine Osteoponie, die Vorstufe von Osteoporose,  konstatiert, in deren Verlauf sich die Knochendichte um 5 – 7% verringerte. Nach einer gewissen Zeit  erfolgte eine  Stabilisierung, in deren weiteren Verlauf ein Verlust von 1 – 2% der Knochendichte konstatiert  wurde. Hunde:  In einer Untersuchung von 15363 Hunden wurde festgestellt, dass die Kastration zwar keinen Protasta-  Krebs auslösen, den Verlauf der Erkrankung aber beschleunigen kann (Teske, et al., 2002). (Hart, 2001) untersuchte in einer Studie die kognitive6 Schwächung als Folge der Kastration in den  Kategorien Orientierung im Haus und im Freien, soziale Wechselwirkungen, Training sowie den Schlaf-  /Wach-Zyklus. Die Ergebnisse einer stärkeren Schwächung bei kastrierten Rüden und Hündinnen weisen  klar darauf hin, dass das Testosteron bei intakten männlichen und die Östrogene bei intakten weiblichen  Tieren den Fortschritt des Verlustes der kognitiven Fähigkeiten deutlich verlangsamen. Durch den Verlust  der Sexualhormone werden also bereits früh Prozesse beschleunigt, die eigentlich erst im späten Alter in  Gang kommen. Bei männlichen und weiblichen Rottweilern, die noch vor Erreichen des 1. Lebensjahres kastriert wurden,  bestand in einer Untersuchung ein sehr viel höheres Risiko, später an Knochenkrebs zu erkranken.  Außerdem bestand ein hoch signifikanter Zusammenhang zwischen dem Zeitpunkt der Kastration und der  Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Knochenkrebs (Cooley, et al., 2002).  Einzigartige und sehr umfangreiche Darstellungen über die Folgen der Kastration bei Hunden in Bezug auf  körperliche Folgen sowie des Verhaltens liefern (Niepel, 2007) sowie (Strodtbeck, et al., 2011).   Menschen:  Ergebnisse von Untersuchungen an frühkastrierten Männern ergaben nach (Tandler, et al., 1913) u. a. eine  verkleinerte Prostata und Schilddrüse, eine blasse, pigmentarme und faltige  Haut, dichtes Haupthaar sowie eine enorme Entwicklung von Körperfett – vor allem an Gesäß, Brust, Oberschenkeln sowie im Becken- und  Unterbauchbereich. Im Knochenbau zeigten sich Proportionsstörungen in der Länge der Gliedmaßen, ein  Missverhältnis zwischen Extremitäten- und Rumpflänge, spät verschlossene Wachstumsfugen, ein  verringerter Schädelumfang, die Ausbildung eines starken Stirnbeins und eine Vergrößerung der mittleren  Schädelgrube. All diese Veränderungen waren umso prägnanter, je früher die Kastration stattfand.  Außerdem wurde explizit darauf hingewiesen, dass die Kastration einen  Einfluss auf den Stoffwechsel,  insbesondere auch auf den von Calcium  und Phosphor sowie auf die Blutbeschaffenheit (Absinken von  Hämoglobingehalt und Zahl der roten Blutkörperchen) sowie eine Verzögerung der Blutgerinnung bei  Mensch und Tier nimmt. Die Deutsche Gesellschaft für Urologie gibt die Auswirkungen einer Kastration für Menschen  folgendermaßen an (DGU, 2009): „Veränderungen des Metabolismus, Reduktion der Muskelmasse,  Gewichtszunahme, Lipidstoffwechselstörungen, Insulinresistenz, Hyperglykämie und auf dieser Grundlage  möglicherweise eine erhöhte Inzidenz kardiovaskulärer7 Erkrankungen (akuter Myokardinfarkt, chronische  Herzinsuffizienz, zerebrovaskuläre Ereignisse, Tiefe Venenthrombose, Lungenembolie), Diabetes, Anämie  mit Leistungsverlust und Schwächezuständen - Fatigue-Syndrom, Abnahme der kognitiven Fähigkeiten“  ______________________________________________________________________________________ 3 Rückbildung des Thymus, die normalerweise mit dem Eintritt in die Geschlechtsreife stattfindet 4 Größenzunahme 5 Prostata = Vorsteherdrüse: Geschlechtsdrüse männlicher Säugetiere sowie des Menschen, die einen Teil des Spermas  produziert 6 Kognition ist die Gesamtheit der Prozesse, die mit dem Wahrnehmen u. Erkennen zusammenhängen 7 das Herz und die Blutgefäße betreffend Frühkastration [Inhaltsverzeichnis]  Eine Kastration des Kaninchens vor der Geschlechtsreife bedeutet auf den Menschen bezogen, dass in  einem Alter von 10 - 12 Jahren einem Mädchen die Gebärmutter und  einem Jungen die Hoden entfernt  werden. Tatsächlich ist eine Frühkastration im Humanbereich in Deutschland heute schlicht undenkbar und  natürlich auch verboten, es sei denn, es liegen schwerwiegende, gesundheitliche Gründe für einen solchen  Eingriff vor.   Die Frühkastration von Kaninchen ohne schwerwiegenden, medizinischen Grund ist für Kaninchen ganz klar  abzulehnen. Jedem Halter muss es möglich sein, ein Tier „erwachsen“ werden zu lassen, weil es aus  gesundheitlichen und verhaltensbiologischen Gründen notwendig ist. Wer das nicht gewährleisten kann,  sollte auf eine Haltung dieser Tiere verzichten. Dass ein Tier geschlechtsreif, also theoretisch  fortpflanzungsbereit ist, bedeutet nicht, dass es auch erwachsen ist - also seine biologische Entwicklung als abgeschlossen betrachtet werden kann. Für Wildkaninchen nimmt man eine abgeschlossene Entwicklung  mit dem Ende des ersten Lebensjahres an, auch wenn sie bereits mit 3 – 6 Monaten geschlechtsreif sind.  Es ist außerordentlich selten, dass in einem Jahr geborene Tiere noch im gleichen Jahr eigenen Nachwuchs aufziehen.  Neben gesundheitlichen „Nebenwirkungen“ einer Frühkastration ist es für solche Tiere schwer, in einer  Gemeinschaft mit anderen Tieren zu bestehen, weil sich bestimmte, auch durch Sexualhormone  beeinflusste, Verhaltensformen auf einem kindlichen bzw. jugendlichen Stand befinden. Das Tierschutzgesetz wird zwar in Hinblick auf die Kastration von Heimtieren sowieso schon mehr als  häufig missachtet, aber trotzdem sollte es im Punkt der Frühkastration im Sinne und zum wirklichen Schutz  aller Tiere überarbeitet werden. Hier scheint die Mentalität zu herrschen: “Erlaubt ist, was nicht verboten  ist”. Weil das Tierschutzgesetz nicht ausdrücklich auf die Frühkastration eingeht, wird diese Lücke genutzt  und vor dem Eintritt in die Geschlechtsreife kastriert, wie es gerade beliebt.  Auch wenn die Folgen für Säugetiere nachgewiesen, begründet und dokumentiert sind, muss nicht  zwangsläufig jeder Mensch oder jedes Tier an jeder der beschriebenen, möglichen Folgen erkranken. Es  sollte aber darauf hingewiesen werden, wobei die Pflicht dafür eigentlich beim behandelnden Arzt liegt.  Dieser sollte dem Halter nicht nur erklären, was für ein schönes Leben er nach der Kastration seines Tieres  hat, weil es dann ruhig ist und leichter zu handhaben wäre. Dass dies ein Irrtum sein kann, haben auch  schon viele Hundehalter teuer erfahren müssen. Nicht ohne Grund ergab die Antwort von Haltern kastrierter  Hunde auf die Frage, ob sie ihren Hund wieder kastrieren lassen würden, bei 34% der befragten Halter ein  „Nein“. 47% gaben an, ihren Hund einen Hund nur noch aus zwingenden, medizinischen Gründen  kastrieren zu lassen und nur 19% blieben bei ihrer Entscheidung und würden einen Hund wieder kastrieren  lassen. Es bleibt zu hoffen, dass die letzte Zahl durch mehr kritische Literatur und vor allem mehr  verantwortungsvolle Tierärzte weiter sinkt.   Viele Erkrankungen, mit denen sich heute Kaninchen herumschlagen müssen, lassen sich letztlich als  mögliche, wenn auch späte Folge einer Kastration erklären. So könnte z. B. schon allein die verringerte  Knochendichte für die große Zahl an Knochenbrüchen oder Kiefer- und Zahnerkrankungen ursächlich sein,  mit denen Kaninchen beim Tierarzt vorstellig werden, der ihnen vorher die angeblich völlig  unproblematische und für das Tier ohne jeden Nachteil verbundene Kastration empfohlen hat. Auch die  Veränderung der Schädelknochen sollte in Hinblick auf Kiefer- und Zahnerkrankungen zu denken geben.  Allein durch den ständigen Stress einer dauerhaften Unterlegenheit in jeder Gruppe ist vielen Tieren ein  Mindestmaß an Lebensqualität genommen. Sie werden zwar alt, aber das Leben besteht nur noch aus  schlicht aus “Existenz” - und selbst die würden manche kastrierte Tiere noch gern verleugnen, weil sie eine  Belastung darstellt. Zusammenfassung [Inhaltsverzeichnis]  Die Kastration von Kaninchen ist nur in einem bestimmten, gesetzlich definierten Rahmen statthaft und mit  zum Teil weitreichenden Folgen für das Tier verbunden. Gegenwärtig besteht ein Trend, weibliche Tiere  vorsorglich kastrieren zu lassen, um einer eventuellen, späteren Erkrankung vorzubeugen. Eine Kastration  aus diesem Grund ist jedoch durch das Tierschutzgesetz nicht gedeckt. (siehe hierzu auch Tumore) Die Kastration wegen arttypischen Verhaltens oder Verhaltensauffälligkeiten, die aus einer falschen Haltung  resultieren, ist ebenso gesetzlich unzulässig. Wer keine Tiere mag, die mit Urin spritzen, ihr Revier markieren, aus Angst oder wegen falscher  Haltungsbedingungen sowie Gruppenkonstellationen aggressiv reagieren, sollte sich solche Tiere nicht  anschaffen. Wer nicht in der Lage ist, die Tiere angemessen und gemäß ihrer Bedürfnisse zu betreuen,  sollte sie auch nicht “retten”.   Üblicherweise sucht sich der Mensch ein Tier aus, um es zu halten und zu betreuen und nicht umgekehrt.  Also hat auch der Mensch dafür Sorge zu tragen, dass das Tier gemäß seiner Bedürfnisse leben kann und  ernährt wird. Dazu gehört nicht, unerwünschte Verhaltensweisen weg zu operieren. Dazu gehört auch nicht,  ein übertriebenes Fürsorgebedürfnis in Form von Amputationen an Tieren darzustellen und auszuleben.  Dieses würde wohl sehr schnell erlöschen, wenn es um die eigenen Kinder oder um die eigene Person  ginge. Eine Frühkastration von Säugetieren ohne eindeutige (absolute) Indikation für eine Erkrankung ist schlicht  ein Übergriff am Individuum und durch nichts zu rechtfertigen.  
Die Kastration von Kaninchen
Kastration
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