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Krankheiten
Die folgenden Beschreibungen dienen lediglich der Information und sollten auf keinen Fall den  Tierarztbesuch ersetzen.  Allgemeines Laut einer Studie des Instituts für Veterinärbakteriologie Zürich [Hoop et al. 2008] zählen folgende  Kaninchenkrankheiten in absteigender Reihenfolge zu den wichtigsten in der Schweiz:  Darmkokzidiose, Dysenterie, Leberkokzidiose, Mukoide Enteritis, Pasteurellose, Pneumonie, Rhinitis  und Adipositas. Rheker (2002) wertete in ihrer Dissertation u. a. Patientendaten der Klinik für kleine Haustiere der  Tierärztlichen Hochschule Hannover aus. Von 1990 - 1999 wurden 2398 Diagnosen für Kaninchen  erstellt, die 10 häufigsten davon sind in Tabelle 1 zusammengestellt.  Tabelle 1: Prozentuale Verteilung der 10 häufigsten Vorstellungs-  gründe an der TiHo Hannover (verändert nach Rheker, 2002)  Anmerkung: In der Aufstellung wurden die folgenden Diagnosen nicht  berücksichtigt: Kastration männlicher Tiere, Impfungen, Untersuchung,  Euthanasie, Exitus letalis, Trächtigkeit, Geburt und Entlassungs-  untersuchungen. Einige Diagnosen wurden zusammengefasst - z. B.  werden mit Gebiss Zahnerkrankungen, -fehlstellungen und -haken  zusammengefasst. Uterustumore waren mit 0,2% selten. Sind Kaninchen gesund, zeigt sich das an ihrem Verhalten: sie fressen, laufen und hoppeln, sind  aufgeweckt und neugierig, das Äußere ist unauffällig und sie niesen nicht. Als normalerweise  dämmerungs- und nachtaktive Tiere sind für den Halter die frühen Morgen- und späten  Abendstunden Gelegenheit, sich mit den Tieren zu beschäftigen und eventuelle Auffälligkeiten im  Verhalten festzustellen. Die meisten Krankheiten haben mehrere Ursachen, weshalb sie auch  multifaktoriell genannt werden. Selbst Krankheiten wie Kokzidiose oder ME (Mukoide Enteritis)  haben meist mehrere verschiedene Ursachen, zu denen immer die Ernährung gehört. Sie legt den  Grundstein für ein robustes Aufwachsen und ein starkes Immunsystem, das in der Lage ist, sich  gegen Krankheitserreger zu wehren. Das Ausbrechen von Krankheiten ist abhängig von der  Verfassung bzw. Konstitution des Tieres, der Krankheitsbereitschaft (Disposition) und dem Einwirken  verschiedener innerer und äußerer Faktoren. Daraus erklärt sich auch, dass nicht unbedingt alle  Tiere in einem Bestand erkranken müssen. Manche werden zwar infiziert, sind jedoch in der Lage,  mit den Krankheitserregern fertig zu werden.  Faktoren für Erkrankungen können z.B. sein: das Alter, Erbfehler, stressbedingte Ursachen wie  Geburt oder Absetzen, Haltungsfehler wie mangelnde Bewegung, schlechtes Klima, fehlende  Wasserversorgung, unzureichende bzw. fehlerhafte Ernährung, schlechte Hygiene oder kranke, neue  Tiere, die vorhandene infizieren sowie eine Kastration. Normalerweise tragen viele Tiere Parasiten  oder Bakterien in sich, ohne zu erkranken. Zwischen Tier und Erregern herrscht ein Gleichgewicht.  Durch bestimmte Faktoren wie z.B. rasche Ernährungsumstellungen oder Stress kann dieses  Gleichgewicht gestört werden und die Körperabwehr ist nicht mehr im Stande, sich der Erreger zu  erwehren.  Hervorgerufen werden Infektionen durch Viren, Bakterien, Parasiten oder Pilze. Seit einiger Zeit  häufen sich auch Krankheiten bei Haltern, mit denen sich bisher eigentlich eher Züchter oder  Massentierhaltungen auseinander zu setzen hatten. Hauptursachen sind oft Haltungs- und  Fütterungsfehler.  Krankheitserreger  Viren als Krankheitserreger sind sehr kleine Zellparasiten ohne eigenen Stoffwechsel, die nur auf  lebendem Gewebe gedeihen.  Bakterien sind Mikroorganismen, die in der Natur weit verbreitet und unter anderem bei Tier und  Mensch an Verdauungsvorgängen beteiligt sind. Es sind kleine, meist einzellige Organismen, die  keinen echten Zellkern besitzen. Für das Kaninchen sind bestimmte Bakterien unentbehrlich für den  Aufschluss der Cellulose und der Synthese von Eiweißen, Aminosäuren und Vitaminen. Durch  Bakterien und Hefen, aus denen der Blinddarmkot besteht, wird ein Teil des Eiweißbedarfs gedeckt  und das Tier mit Vitaminen des B-Komplexes versorgt.  Pathogene (krankheitserregende) Bakterien bilden gewebeschädliche Toxine (Gifte) - ihr Anteil ist  aber normalerweise begrenzt und ein gesunder Organismus verfügt über ein stabiles Abwehr- bzw.  Immunsystem, das einer Vermehrung und Verbreitung pathogener Bakterien und Keime  entgegenwirkt. Erst durch zusätzliche Faktoren (z.B. Fütterungsfehler), die dieses System  schwächen, erfolgt die Ausbreitung und ein Überschwemmen des Körpers mit Toxinen, die die  entsprechende Krankheit auslösen.  Protozoen ist eine veraltete Bezeichnung für tierische Einzeller, die keine Zellwand und im  Gegensatz zu Bakterien einen Zellkern besitzen.  Pilze werden als eigenes Reich neben den Pflanzen und Tieren betrachtet und sind enger mit Tieren  als mit Pflanzen verwandt. Sie sind Mikroorganismen, die in der Natur weit verbreitet sind und von  denen einige Arten Erkrankungen hervorrufen. Die Sporen als Dauerform sind über Jahre  vermehrungs- und infektionsfähig. Vor allem Schimmelpilze bilden giftige Stoffe (Aflatoxine), die  Krankheiten verursachen können.  Parasiten werden je nach dem Aufenthalt im oder am jeweiligen Wirt (befallenem Organismus)  zwischen Endo- und Ektoparasiten unterschieden: Endoparasiten leben im, Ektoparasiten auf oder  an einem Organismus. Ein volkstümliches deutsches Wort für Parasiten ist Schmarotzer.  Ektoparasiten sind beispielsweise Läuse, Zecken und Milben, ein Beispiel für Endoparasiten sind  Kokzidien. Parasiten leben auf Kosten eines anderen Organismus. Dieser wird dabei normalerweise  nie so weit geschädigt, dass er zugrunde geht, denn das würde dem Parasiten die Lebensgrundlage  entziehen. Er schädigt aber den Wirt insofern, dass dieser an Wohlbefinden verliert und vor allem  anfällig für Infektionen ist. Wirte sind normalerweise fähig, die Anzahl der Parasiten durch bestimmte  Abwehrmaßnahmen in gewissen Grenzen zu halten. Ist der befallene Organismus jedoch auf Grund  bestimmter Faktoren wie zum Beispiel Mangelernährung geschwächt, kann ein Parasitenbefall auch  lebensbedrohend werden.  Kokzidiose  Kokzidien (Coccidia) als Erreger der Kokzidiose sind parasitäre Sporentierchen, die intrazellulär in  höheren Tieren leben. Sie kommen in verschiedenen Tierarten wie Hunden, Katzen, Kaninchen,  Geflügel und Fischen vor und sind auch Bestandteil der normalen Darmflora. Entsprechend des  Befalls von Organen unterscheidet man zwei Formen von Kokzidiose: die Darmkokzidiose und die  Leber- oder Gallengangskokzidiose, wobei letztere eher selten vorkommt. Die Darmkokzidiose ist  jedoch häufiger, kann vor allem Jungtiere treffen und ist eine typische multifaktorielle Erkrankung.  Kokzidien sind Endoparasiten, die sich im Körper ihres Wirtes vermehren und als sogenannte  Oozysten, dem exogenen Stadium (außerhalb des Körpers) der Kokzidien, mit dem Kot  ausgeschieden werden. Bei Anwesenheit von Sauerstoff und Feuchtigkeit werden sie keimfähig  (Sporulation) und erlangen ihre Infektionsfähigkeit in Abhängigkeit von der Temperatur in 24 bis 72  Stunden. Vor Umwelteinflüssen geschützt werden sie durch eine Kapsel, so dass sie selbst  kurzzeitig Temperaturen von über 60°C überleben können. Nimmt das Kaninchen (z.B. mit der  Nahrung) die Oozysten auf, werden Sporozoiten (Parasiten im infektiösen Stadium) freigesetzt, die  durch Gallensalze und Verdauungsenzyme aktiv werden und in die Darmschleimhautzellen  eindringen. Dort erfolgt eine Teilung durch ungeschlechtliche Vermehrung. Durch die Besiedlung  sterben die Schleimzellen ab. Normalerweise werden sie in einem Zeitraum von 5 - 6 Tagen wieder  neu gebildet. Werden jedoch durch einen starken Befall mehr Schleimzellen zerstört als sich  regenerieren können, werden auch tiefer liegende Schleimzellen zerstört und somit die Schleimhaut  geschädigt. Nach der ungeschlechtlichen folgt die geschlechtliche Vermehrung der Sporozoiten,  woraus wiederum neue Oozysten entstehen.  Festgestellt wird die Krankheit durch die Untersuchung von Kotproben. Da die Oozysten nicht  regelmäßig ausgeschieden werden, muss der Kot über einen Zeitraum von 2 - 3 Tagen gesammelt  und untersucht werden. Die Erkrankung äußert sich in starkem Durchfall, der durch die Zerstörung  der Darmschleimhaut auch blutig sein kann und säuerlich riecht.  Kokzidien sind wirtsspezifisch und können nicht auf den Menschen übertragen werden. Außerhalb  des Wirtes können sie monatelang überleben - erfolgreich abgetötet werden sie durch länger  einwirkende Temperaturen von über 80°C.  Von der Prophylaxe gegen Kokzidiose durch Futter mit einem beigemischten Antikokzidium wird  verschiedentlich abgeraten, da es die Erreger resistent für eine Behandlung machen soll. Als  probates Mittel zur Vorbeugung von Darmproblemen hat sich die gelegentliche Gabe von etwas  Obst- oder Apfelessig in das Trinkwasser erwiesen. 2 Esslöffel auf einen Liter Wasser sind hierfür  ausreichend.   Behandelt wird Kokzidiose üblicherweise mit Antikokzidia wie Toltrazuril (Baycox®): 10mg Wirkstoff/kg KM; 1 x tägl. p.o.; 3 Tage Behandlung - 3 Tage Pause - 3 Tage Behandlung. In  neueren Quellen wird der Behandlungszeitraum mit 2 Tage Behandlung - 5 Tage Pause - 2 Tage  Behandlung angegeben, außerdem gibt es Erfahrungen, wonach bereits eine zweitägige  Behandlung ohne Wiederholung ausreichend ist (Beck 2005).  Die 2,5%ige Lösung wurde speziell für Geflügel entwickelt, ist sehr alkalisch und wirkt deshalb stark  schleimhautreizend. Für Kaninchen wird daher die 5%ige Lösung eigesetzt. Dosierung für eine  5,0%ige Lösung: 0,2 ml/kg Körpergewicht.  Verschiedene Medikamente zur Behandlung der Kokzidiose:  Sulfadimethoxin (Kokzidiol SD®)  40 mg/kg KM / 1,33g/Tier; oral (Futter, in Trinkwasser gelöst); Behandlungszeit 5 - 10 Tage  Sulfaquinoxalin (Nococcin®)  960 mg/l; oral; Behandlung bei Erkrankung: 6 ml/l Trinkwasser; Behandlungszeit 14 Tage  Sulfamethoxypyrazin (Davosin®)  25 mg/kg KM; oral; Behandlungszeit 3 - 5 Tage Sulfathiazol (Eleudron®)  1 - 3ml; oral; Behandlung: 2x tägl. 8 Tage lang  Toltrazuril (Baycox®) Behandlung bei Erkrankung: 25 mg/l (oder 0,2 ml/kg KM); oral (Trinkwasser); 2 Tage Behandl. - 5  Tage Pause - 2 Tage Behandl. oder 2 Tage Behandl. ohne Wiederholung  Diclazuril (Vecoxan®) 1 - 2 mg/kg; oral (Futter); Behandlungszeit mind. 6 Wochen  Da die Kokzidiose die Versorgung des Kaninchens mit Vitaminen des B-Komplexes (Blinddarmkot)  beeinträchtigen kann, sollte mit einem Tierarzt über eine zusätzliche Gabe dieser Vitamine  gesprochen werden. Als natürliches Vorsorge- und Heilmittel gilt z. B. Oregano (Wilder Majoran). Von  Zinke (2004) wird in der Diät während der Kokzidiose auch Schöllkraut (grünes Kraut in kleinen  Mengen) angeboten.  In der Fütterung können frisch gequetschter Hafer/Haferflocken, Leinsamen, Eichenzweige mit  Blättern, Brombeerzweige mit Blättern, Heidelbeerpflanzen, getrocknete Kamillenblüten, Petersilie  (mit Wurzeln), Pfefferminze, Thymian, Wermut, Scharfgarbe, Brennnessel, Weinrebenblätter,  Löwenzahn uvm. eingesetzt werden (Zinke 2004). Ewringmann (2005) empfiehlt bei  Darmerkrankungen aufgeschlossene Getreide wie Haferflocken und Zwieback als Energielieferanten  bei akuten wässrigen Durchfällen, Möhren und Gemüse, Banane, strukturiertes Grünfutter (z. B.  Möhrengrün, Kräuter) sowie Haferkleie. Von einer so genannten "Heu/Wasser"-Diät ist abzuraten, da  sie das Tier zusätzlich schwächt. Heu muss zwar ad libitum zur Verfügung stehen, das Tier sollte  aber nicht gezwungen sein, dieses fressen zu müssen.  Wir geben unseren Tieren im gesammelten frischen Grün gelegentlich auch Pflanzen wie Rainfarn  und Schöllkraut, so dass sie die Möglichkeit haben, bei Bedarf unliebsame Schmarotzer selbst zu  behandeln.  Dysenterie  Durch Viren oder Bakterien hervorgerufene, entzündliche Darmerkrankung, die vor allem bei  Jungtieren auftritt. Hauptfaktoren für diese multifunktionelle Erkrankung sind eine falsche Ernährung  der Jungtiere oder plötzliche Futterumstellungen und damit verbundener Vermehrung von Parasiten  wie Kokzidien und Bakterien wie E. coli und Clostridien. Unter anderem kann auch eine zu  rohfaserreiche Ernährung die Ursache für Durchfälle sein. Symptome sind ein starker Durchfall und  Apathie. Das Gift der Bakterien schädigt den Kreislauf der Tiere, die bei einem schnellen  Krankheitsverlauf an Enterotoxämie (perakut verlaufende Vergiftung durch Bakteriengifte) sterben.  Bei einem langsamen Krankheitsverlauf kann die Behandlung mit einem Breitbandantibiotikum  versucht werden.  Kaninchenschnupfen  Kaninchen in Außenhaltung erkranken seltener an Schnupfen als Wohnungstiere. Beheizte Räume,  trockene und/oder zugige Luft führen zu einer Reizung der Nasenschleimhäute. Begünstigt wird die  Infektion durch eine schlechte Immunabwehr, die wiederum oft auf Fütterungsfehler zurückzuführen  ist. Normalerweise atmet das Kaninchen nur durch die Nase und nicht durch das Maul. Wenn dies  aber der Fall sein sollte, weist das auf Atemprobleme hin, die entweder an Hitze oder einer  Erkrankung der Atemwege liegen können. Haupterreger des Schnupfens sind Pasteurellen,  außerdem Bordetellen sowie Strepto- und Staphylokokken. Der Schnupfen äußert sich durch  häufiges Niesen sowie Nasenausfluss. Problematisch ist die Behandlung, weil sich die Erreger in  den Nasennebenhöhlen festsetzen und dort für Medikamente schwer erreichbar sind. Einmal  infizierte Tiere können immer wieder erkranken. Deshalb ist die Stärkung des Immunsystems von  großer Bedeutung.  Unbehandelter Schnupfen kann sich schnell zu einer Pneumonie (Lungenentzündung) auswachsen,  die vor allem an deutlichen Atemgeräuschen erkennbar ist.  Mukoide Enteropathie (Darmlähmung, ME)  Für die Erkrankung gibt es verschiedene Bezeichnungen: mukoide Enterocolitis, Darmlähmung,  Mukoide Enteropathie (ME), Seuchenhafte Enteropathie, bakterielle Enteritis, engl. Epizootic rabbit  enteropathy (ERE). Sie ist kontagiös (ansteckend) und entsteht durch eine Belastung des Darmes  (Entzündung) durch verschiedene Bakterien, insbesondere Clostridien, deren Ausscheidungen  toxisch sind. Die genaue Ursache der Krankheit ist noch ungeklärt, wie bei vielen Infektionen spielen  jedoch mehrere Ursachen eine Rolle. Es wurden verschiedene Clostridien wie C. perfringens Typ A  und C; C. spiroforme, C. sardelli und C. piliformis isoliert, die von zentraler Bedeutung sind, weiterhin  auch pathogene E.coli-Serotypen.  Die Krankheit ist seit dem Ausbruch Frühjahr 1997 in der französischen Region Rhone-Alpes  bekannt. Innerhalb kürzester Zeit verbreitete sie sich vor allem in Zentren der  Kaninchenfleischerzeugung in ganz Europa, griff schließlich auch auf Zuchtstätten und letztendlich  auf Hauskaninchen über. In der Diskussion für die Krankheitsursache ist, neben anderen Faktoren,  der Rohfasergehalt bzw. die Struktur der Rohfaser - also die Faserlänge und -zusammensetzung.  Diese ist insbesondere bei der Fütterung mit Pellets durch die Zermahlung der Bestandteile nicht  mehr oder nur noch unzureichend vorhanden. Des weiteren begünstigen zu hohe Rohfasergehalte in  der Nahrung den Ausbruch von ME.  Ein weiterer Erklärungsversuch bildet eine zu eiweißreiche Ernährung, was aber der Nahrung der  Wildkaninchen widersprechen würde. Sicher kann sie für Jungtiere ein Problem bis zu einem Alter  von etwa 6 - 8 Wochen darstellen. Es sind also noch weitere Ursachenforschungen nötig.  Ist ein Bestand einmal betroffen, so verbleiben die Erreger nach bisherigen Erkenntnissen im  Bestand, so dass die Enterocolitis immer wieder auftritt. Im Moment werden erkrankte Tiere mit  einem stallspezifischen Impfstoff behandelt, der nach Einsendung von Kotproben und einer  Diagnose auf ME hergestellt wird.  Encephalitozoonose (Schiefhals-Krankheit, Head Tilt)  Der Erreger Encephalitozoon cuniculi wurde in verschiedenen Säugetierspezies sowie Vogelarten  nachgewiesen. Als Hauptwirt gilt das Kaninchen. Der Erreger wird über den Urin infizierter Tiere  ausgeschieden. Ebenso wird eine Übertragung auf ungeborene Jungtiere in der Gebärmutter  vermutet. Die Krankheitserscheinungen sind unspezifisch und stehen oft in Zusammenhang mit  anderen chronischen Organerkrankungen (Nieren- und Augenerkrankungen, Erkrankung des  zentralen Nervensystems). Typisch sind jedoch oft die schiefe Haltung des Kopfes sowie  unkoordinierte Bewegungen. Da diese Erscheinungen auch bei anderen Erkrankungen auftreten,  wird selten gleich die richtige Diagnose gestellt. Der Erregernachweis findet in den Zellen von Gehirn  und inneren Organen statt, im Blut können die Antikörper gegen die Erreger nachgewiesen werden.  Die Behandlung erfolgt mit Panacur®, Vitamin B sowie einem Antibiotikum.  Pasteurellose  Ein häufiges Krankheitsbild der Pasteurellose ist der ansteckende Kaninchenschnupfen. Sie ist eine  typische, multifaktorelle Erkrankung, für deren Ausbruch mehrere Belastungsfaktoren verantwortlich  sind. Die Erreger Pasteurella multocida sind auch bei gesunden Tieren in der Nasenhöhle und den  Nasenschleimhäuten vorhanden, schlechtes Klima oder Zugluft aber schwächen die Immunabwehr,  führen zu einer Ausbreitung der Erreger und somit dem Ausbruch der Krankheit. Sie äußert sich  durch wässrigen, später eitrigen Nasenausfluss. Durch das Putzen sind auch die Vorderläufe  verschmutzt. Hörbar ist das Niesen und eine erschwerte Atmung.  Ohne Behandlung sterben die Tiere nach 2 - 8 Tagen. Die Behandlung mit Antibiotika (z.B. Baytril®)  kann eine Besserung der Symptome erreichen, die Tiere bleiben jedoch infiziert und eine  Verschlechterung der Umgebungsbedingungen oder andere Belastungen wie Mangelernährung (z.B.  fehlende Vitamine) kann sie jederzeit wieder ausbrechen lassen. Häsinnen geben die Erreger an die  Jungtiere weiter, deshalb sollte mit infizierten Tieren auf keinen Fall Nachwuchs gezeugt werden.  Myxomatose  Zum ersten Mal wurde die Krankheit 1897 beschrieben, als sie unter Hauskaninchen des  Krankenhauses in Montevideo, Uruguay wütete. Diese Krankheit kommt in Südamerika bei dort  lebenden Wildkaninchenarten natürlicherweise vor, verläuft aber in der Regel gutartig und führt nur  sehr selten zum Tod. 1936/37 und 1938 wurde der Versuch unternommen, etwa zehntausend  Kaninchen auf der englischen Insel Skokholm durch Ansteckung auszurotten, was aber nicht gelang.  Erst 1942 wurde der Erreger dieser Krankheit und der Übertragungsweg durch Moskitos und andere  fliegende Stechinsekten ermittelt. Deshalb verliefen auch erste Versuche in trockenen Gebieten  Australiens erfolglos, Kaninchen mit Myxomatose zu infizieren und den Virus zu verbreiten. 1950  wurden neue Versuche in Flussgegenden mit Moskitos als Überträgern wiederholt und erst jetzt  starben die Tiere zu Tausenden.  Die Kunde vom Erfolg in Australien drang auch nach Frankreich zu Dr. A. Delille, einem Insekten-  und Tuberkuloseforscher. Dieser hatte in seinem Park tausende Wildkaninchen, die seine Felder  verwüsteten und die jungen Bäume verbissen. Von einem Kollegen in der Schweiz besorgte er sich  den Erreger und infizierte zwei Wildkaninchen, die er in Fallen fing. Nach sechs Wochen waren 98%  der Wildkaninchen tot, nicht aber die Hauskaninchen in den Ställen. Daraus schloss er, dass der  Virus nicht durch Insekten übertragbar wäre. Bereits im Oktober 1952 fand man aber Kaninchen, die  an Myxomatose gestorben waren, fünfzig Kilometer entfernt in Rambouillet. Schließlich erfasste die  Krankheit ganz Frankreich und töte ca. 35% aller Haus- sowie 45% aller Wildkaninchen. Der  Verursacher der Epidemie wurde nicht bestraft, weil es zu jener Zeit kein Gesetz gegen die  Einführung von Tierseuchen gab. 1953 erreichte die Seuche über den Kanal auch England - wie, ist  ungeklärt. In einem Versuch konnte R. M. Lockley nachweisen, dass auch Kaninchenflöhe die  Krankheit übetragen - womit geklärt war, warum der Versuch auf der Insel Skokholm fehlschlug,  denn die dortigen Tiere hatten keine Flöhe (Grzimek, 1972).  Jeder blutsaugende Gliederfüßer kann als Überträger der Krankheit wirken. Die Inkubationszeit der  Erkrankung beträgt 3 - 7 Tage, der Erreger ist Leporipoxvirus myxomatosis. Die Krankheit äußert  sich durch Bindehautentzündungen und weichen Stellen an Lippen, Nase sowie in den Genital- und  Afterregionen. Bei akuter Erkrankung sterben die Tiere nach 8 - 10 Tagen. Chronische  Krankheitsverläufe äußern sich durch Schwellungen der Augenlider und Pusteln am Naseneingang -  zum Teil können diese Tiere wieder gesund werden.  Gegen die Krankheit kann vor Beginn der warmen Jahreszeit (März/April) geimpft werden - auch  Wohnungstiere. Sie sind durch fliegende, stechende Insekten ebenso gefährdet wie frei lebende  Tiere. Der Impfschutz hält etwa ein halbes Jahr. Jungtiere können frühestens ab einem Alter von 4  Wochen geimpft werden (Ewringmann 2005). Entsprechend verschiedener Empfehlungen kann die  Impfung alle 6 Monate aufgefrischt werden, sie bietet jedoch keinen 100%igen Schutz vor einer  Infektion. Die Myxomatose ist nicht auf den Menschen übertragbar.  In Australien wurden Kaninchen relativ schnell resistent gegen den Virus, wobei die Widerstandskraft  in trockenen, heißen Gebieten höher als in gemäßigten Zonen ist (Williams, et al., 1995). 
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