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Nahrung
Kaninchen zählen zu den Herbivoren (Pflanzenfresser) und unter diesen zu den Folivoren  (Blattfresser). Diese Begriffe stammen aus dem Lateinischen und bedeuten folgendes:   Herba  = Kraut Folium = Blatt voro  = schlingen Der Begriff Blatt bezieht sich hier nicht  ausschließlich auf das Laub von  Bäumen, sondern auch auf die Blätter  von Gräsern und Kräutern. Kaninchen  bevorzugen von grünen Landpflanzen  die blättrigen Bestandteile und von  diesen wiederum die Blattspitzen.   Nach (Abgarowicz, 1949) ist das  Kaninchen bestrebt, ungeachtet des  Ballastgehaltes im Futter den Verzehr  an verdaulichen Nährstoffen auf einer  bestimmten, konstanten Höhe zu halten  - bei einer Vergrößerung des  Ballastanteils im Futter steigt somit der  Verzehr an Trockensubstanz und  Ballast. Daraus folgt, dass die Sättigung  und das damit verbundene Sättigungsgefühl in erster Linie eine Funktion der Nährstoffsättigung ist.  Das Völlegefühl einer mechanischen Sättigung ist zweitrangig und wird erst durch ein sehr großes  Futtervolumen, bedingt durch einen hohen Ballastgehalt, ausgelöst. Weiterhin wird eine Anpassung  des Fressverhaltens an die jeweilige Nährstoffkonzentration im Futter konstatiert, was u. a. durch  (Lebas, 1986) bestätigt wurde. Im natürlichen Futter findet ein steter Transport im Verdauungssystem  durch das hohe Volumen der Nahrung statt, welches wiederum aus dem hohen Wasseranteil der  Pflanzen resultiert.   Die Vegetationsruhe entspricht bei einigen Tierarten der Zeit des Winterschlafes. Im Winter  aufgenommene Pflanzen sind nährstoffärmer, faserreicher und schlechter verdaulich. Durch den  Mangel bedingt, beschränkt sich das Kaninchen in dieser Zeit auf die Nahrungssuche –  Revierkämpfe finden so gut wie nicht statt und es gibt auch keinen Nachwuchs. Würfe, die spät im  Jahr noch aufgezogen werden, haben die schlechtesten Überlebenschancen, da die  Nahrungsgrundlage im Spätjahr grundsätzlich schlechter ist.   Im Winter ernähren sich Kaninchen von Pflanzenresten, die selbst noch unter Schnee zu finden sind,  von Zweigen und Ästen verschiedener Sträucher, abgestorbenen Pflanzenteilen, Wurzeln und  Knollen. Normalerweise siedeln Kaninchen selten in Höhenlagen über 600m, da hier im Winter lange  Schnee liegt, das Angebot typischer Fresspflanzen geringer ist und die Böden meist nicht für den  Bau von Erdhöhlen geeignet sind. Je nach geologischen, botanischen und klimatischen  Gegebenheiten gibt es jedoch Ausnahmen. Nachfolgend werden einige Darstellungen aus der  Literatur aufgeführt, die einen Überblick über das Nahrungsspektrum des Wildkaninchens unter  verschiedenen Lebensbedingungen liefern sollen.   (Lincke, 1943) weist auf eine große Vorliebe der wilden Kaninchen für reifes Getreide hin. Bei der  Möglichkeit einer Auswahl bevorzugen sie Hafer. Es wird beschrieben, wie sie zur Erntezeit die  zusammengestellten Garben (Hocken) erklettern und die Körner aus den Ähren fressen, wobei sie  auch tagsüber unter den Hocken bleiben, um auf diese bequeme Art abends weiter fressen zu  können. Halme werden in großen Mengen abgebissen, um an die Körner zu gelangen. Auch sonst  werden zum Teil beträchtliche Anstrengungen unternommen, um an die begehrte Nahrung zu  gelangen. Lincke beschreibt sie dabei als "flink und gewandt wie Eichhörnchen". Ebenso wird der  Verzehr von Grassamen beschrieben, die direkt von den Rispen gefressen oder durch das Abbeißen  der Halme erreicht werden. Auf diese Weise richten sie auf relativ kleinen Kulturflächen zum Teil sehr  große Schäden an, die durch Anlage von "Pässen", also Wechseln bzw. Wegen zu den  Nahrungsplätzen, noch verstärkt werden. Bereits im Frühjahr richten sie Schäden unter den  Saatgutpflanzen an, von denen sie bevorzugt die jungen und zarten Blätter fressen. Vor allem Klee-,  Esparsette-, Serradella- und Lupinepflanzungen werden heimgesucht.   Weiterhin wird der verursachte Schaden an Kulturpflanzen wie Möhren und Stoppelrüben (auch  Weißrübe, Herbstrübe, Wasserrübe oder Steckrübe genannt) erwähnt. Bei länger anhaltender Dürre  werden Kartoffeln ausgegraben - sowohl junge als auch reife. Gern wird auch junges Kartoffelkraut  gefressen. Schließlich werden noch Vorlieben für verschiedene Gehölze beschrieben, die vor allem  im Winter und Frühjahr durch das so genannte Schälen (abnagen der Rinde) geschädigt werden. Bis  auf Holunder wird keine Baumart verschmäht, beliebt sind in abnehmender Folge vor allem bei  Laubhölzern Akazie, Weißbuche, Esche, Espe, Roteiche, Rotbuche, Birke, Ahorn, Ulme, Linde,  Weide und Eiche. Unter den Obstbäumen werden in abnehmender Folge Quitte, Mispel, Apfel, Birne  und Kirsche. Nadelgehölze werden nur dort geschädigt, wo es wenig Laubhölzer gibt: dazu gehören  Fichte, Weymouthskiefer, Tanne und Kiefer. (Turček, et al., 1959) führen aus dreijähriger Beobachtung über 70 verschiedene, von Wildkaninchen  gefressene Pflanzenarten nach ihrer Bevorzugung auf und stellen fest, dass sich unter ihnen etwa  46% Heil- und Gift-, ölhaltige und bittere Pflanzen befinden. Besonders wird auf den Weißen  Gänsefuß verwiesen, dessen Öle eine wurmtötende Wirkung haben. „Regelmäßig" und „sehr häufig  oder bevorzugt" befressen wurden Luzerne, Rispenhirse, Gartenbohne, Roggen, Schafgarbe,  Odermennig, Krause Distel, Gewöhnliche Wegwarte, Gewöhnliche Kratzdistel, Acker-Kratzdistel,  Gewöhnlicher Feldrittersporn, Weißer Gänsefuß, Sichelklee, Kermesbeeren, Bibernelle,  Windenknöterich, Gabel-Leimkraut, Schwarzer Nachtschatten, Große Brennnessel, Klee, Weizen,  Mais, Beifuss, Echter Waldmeister, Wiesen-Flockenblume, Acker-Hornkraut, Zypressen-Wolfsmilch,  Knöterich, Wiesen-Margerite, Gemeiner Rainkohl und Vogelmiere. „Als regelmäßig befressen“  werden Bergahorn, Espe, Feldulme, Esche, Hunds-Rose, Kratzbeere, Rote Heckenkirsche,  Stieleiche, Weißdorn, Klee, Weizen, Mais, Acker-Hornkraut, Waldmeister, Rainkohl, Vogelmiere,  Beifuß, Knöterich, Wiesen-Flockenblume, Wiesen-Margerite und Zypressen-Wolfsmilch angegeben.  Wenig, selten oder nur örtlich befressen werden Blutroter Hartriegel, Grauerle, Hainbuche, Robinie,  Schwarznuss, Traubeneiche, Mangold, Kohl, Kartoffel, Echter Nelkenwurz, Echtes Labkraut, Gänse-  Fingerkraut, Gemeiner Schwalbwurz, Habichtskraut, Kälberkropf, Königskerze, Kornrade,  Quirlblütiger Salbei, Rundblättrige Glockenblume, Schmalblättriges Weidenröschen, Schwarznessel,  Wald-Reitgras, Wiesen-Lieschgras (Timothee- bzw. Timothygras) und Wirbeldost.  Auch hier wird über angerichtete Schäden durch die Kaninchen an Kulturpflanzen geschrieben.  Insbesondere wird auf Schäden an Luzerne und Bohne hingewiesen, die vor allem von  Jungkaninchen angerichtet wurden, da sie eine für das Wachstum eine besonders eiweißhaltige  Nahrung benötigen. Der im dortigen Habitat fehlende Anteil an Gräsern wurde durch den höheren  Verzehr von Kulturgräsern (Getreide) wettgemacht. Weiterhin beliebt waren besonders Distelarten  auf Grund des hohen Eiweißgehaltes. Zucker- und Futterrüben sowie Kartoffeln wurden bei Dürre  benagt und sogar ausgegraben. Ebenso wie in (Lincke, 1943) wird das Verschmähen des Schwarzen  Holunders festgestellt, dagegen ein Abfressen von Robiniensprossen im Frühjahr sowie ein  Abschälen der Rinde vom Spindelstrauch im September konstatiert - beide Arten gelten als giftig.  Als bevorzugte Pflanzen werden von (Boback, 2004) junge Saaten, Klee, Lupine, Serradella und  Esparsette, reifes Getreide, Rüben, Mohrrüben, Raps, Kartoffeln und junges Kartoffelkraut  angegeben, ebenso wie Weinreben, Zierpflanzen und Stauden aller Art. Weiterhin wird aus anderen  Quellen der Verzehr von Nelken, Bovisten und selbst Fleisch erwähnt.  (Angermann, 1972) stellt fest, dass fünf bis sieben Wildkaninchen so viel wie ein Schaf verzehren  und junge Weide- und Futterpflanzen bevorzugen. Besonders beliebt sind Süßgräser, Klee und  Getreide; ebenso Heidekraut (Calluna vulgaris) und Seggen (ein Sauergras).  (Williams, et al.) berichten über die Nahrung der Kaninchen von Woodwalton Fen, einem naturnahen  Feuchtgebiet in Großbritannien. Dort bevorzugen sie weiches, grünes, üppiges Gras, während  Kräuter nur im Sommer in nennenswerten Mengen gefressen wurden. Folgende Pflanzen wurden im  Kot der Wildkaninchen nachgewiesen: Schwingel, Reitgras, Gewöhnliches Rispengras, Quecke,  Straußgras, Schilf, Binse, Gewöhnlicher Glatthafer, Wiesen-Rispengras, Honiggras, Blaustrahlhafer,  Ruchgras, Seggen, Wald-Engelwurz, Sumpf-Kratzdistel, Gefleckter Schierling, Gundermann,  Doldiges Habichtskraut, Echtes Johanniskraut, Spitzwegerich, Knolliger Hahnenfuß und Große  Brennnessel.  (Homolka, 1985) untersuchte die Nahrung von Wildkaninchen, die auf dem Böhmisch-Mährischen  Höhenzug auf eine Höhe von ca. 430m leben. Dort hielten sie sich vor allem an trockenen,  durchsonnten Waldrändern und in gelichteten Wäldchen mit buschigem Unterholz auf. Kulturpflanzen  fehlten, bis auf ein Feld mit Winterroggen, völlig. Im Kot wurden 52 Nahrungskomponenten  nachgewiesen, die mehr als 40 verschiedenen Pflanzenarten angehörten. Poaceae (Gräser) bildeten  dabei den Hauptanteil, während die übrigen nur in geringen Mengen vertreten waren. Die Kaninchen  fraßen somit ein breites Spektrum an Pflanzenarten, von denen aber nur ein geringer Teil den Kern  bildete. In Zeiten von Nahrungsmangel können allerdings ansonsten wenig gefressene Komponenten  zum Hauptanteil werden. In der Vegetationszeit waren die Gräser mit ca. 50% in der Nahrung  vertreten. In der ersten Winterhälfte sank dieser Anteil auf 18%, um in der zweiten wieder auf 41%  anzusteigen. Bevorzugt wurde Italienisches Raygras (Welsches Weidelgras) gefressen.   Als zweitwichtigste Komponenten mit 30 42% Anteil in der Nahrung wurden in der Vegetationszeit  zweikeimblättrige Pflanzen festgestellt, hier besonders Hülsenfrüchtler und Korbblütler (Gemeine  Schafgarbe, Habichtskräuter, Klee und Färber-Ginster u. a.). Im Winter waren diese Pflanzen nur  noch mit 3% als Nahrungsbestandteil vertreten. Die drittwichtigste Komponente bildeten Schösslinge  verschiedener Gehölze (junge Pflanze bzw. Pflanzenspross). Im Jahresdurchschnitt waren sie zwar  nur mit 14% vertreten, in der ersten Winterhälfte aber mit 45% und in der zweiten Winterhälfte mit  29%. Am häufigsten wurden Himbeere, Schlehdorn und Espe befressen. In der Vegetationszeit  betrug dieser Anteil nur noch 1 6%.   Diagramm: Beispielhafte Zusammensetzung der Nahrung von Kaninchen in verschiedenen Monaten und im Jahresmittel, nach Homolka (1985) Der Anteil von Grasfrüchten und Pflanzensamen betrug ganzjährig ca. 2%, unterirdische  Pflanzenteile im Winter ca. 4%. Im Sommer wurden auch Moos und Acker-Schachtelhalm gefressen.  Mit einem Anteil in der Vegetationsperiode von 81-94% bestand der Hauptanteil der Nahrung aus  Gräsern und Kräutern, der im Winter auf 20 43% sank. In dieser Zeit wurde der Teil der Nahrung  durch Schösslinge, Rinde, Nadeln und Holzteilen von Pflanzen ersetzt. Folgende Pflanzen wurden  eindeutig identifiziert: Schafgarbe, Klee, Färber-Ginster, Erdbeeren, Himbeere, Habichtskraut,  Spitzwegerich, Hornkraut, Echter Nelkenwurz, Hohlzahn, Acker-Witwenblume, Hasen-Klee,  Herbstlöwenzahn, Wilde Möhre, Wiesen-Platterbse, Hirtentäschelkraut, Große Brennnessel, Kletten,  Schachtelhalme, Storchschnäbel,  Schlehdorn, Gundermann, Hainsimsen (Hainbinse), Frühlings-  Fingerkraut, Laubmoose, Weiße Lichtnelke, Löwenzahn, Flockenblume, Kletten-Labkraut, Kleiner  Sauerampfer, Schwarze Königskerze, Berg-Steinkraut, Schmalblättriges Weidenröschen, Lichtnelke,  Leimkraut. (Bhadresa, 1987) stellt als bevorzugte Fraßpflanzen im Gebiet einer Gras- und Weidelandschaft von  Flatford (Suffolk) in abnehmender Reihenfolge Feld-Hainsimse, Wolliges Honiggras, Wiesen-  Rispengras, Gewöhnliches Hornkraut, Gewöhnlichen Rot-Schwingel, Spitzwegerich, Rotes  Straußgras, Weiß-Klee, Gundermann, Wiesen-Sauerampfer, Gamander-Ehrenpreis, Gemeine  Schafgarbe und Kriechenden Hahnenfuß fest.  (Crawly, 1990) beschreibt den Schaden in einem Weizenfeld, der zu einer Abnahme des  Deckungsgrades von 90 auf 14% führte und das Frischgewicht der Ernte von 1487 g auf 98 g pro  0,25 m² sinken ließ. (Rogers, et al., 1994) geben einen Überblick über Nahrungspflanzen von Kaninchen in Frankreich  und Portugal. In der Camargue, dem salzigen Mündungsgebiet der Rhône am Mittelmeer, ist die  Wahlmöglichkeit in der Nahrung eingeschränkt, so dass hier 8 Pflanzenarten 86% des gesamten  Nahrungsinhaltes ausmachen können. Von den Gräsern werden nur Trespen häufig gefressen, die  Hauptnahrung im Winter besteht aus Melden, Zistrosen und Queller. Im Frühjahr und Sommer wird  diese auf Grund der größeren Auswahl durch  Klee, Schneckenklee und Steinklee ergänzt, außerdem  durch Quecke. Kaninchen, die im Buschland mit wenigen Kräutern und Gräsern leben, schälen Rinde  und fressen Samen sowie Früchte von Ginster, Zistrosen und Phönizischen Wacholder und  Heidekraut. In Nordfrankreich reflektiert die Nahrung eine andere Landschaft und ein anderes Klima.  In dieser Gegend leben Kaninchen von Frühling bis zum Spätsommer hauptsächlich von Gräsern,  besonders der kultivierten wie Mais und Weizen, und wenden sich im Winter Brombeersträuchern  und der Rinde von Bäumen zu. Demgegenüber fressen Kaninchen, die in den kleinen bewaldeten  Regionen oder bebauten Landschaften leben, das ganze Jahr vorrangig Gräser. Auch hier herrschen  in der Nahrung, wenn vorhanden, kultivierte Gräser wie Roggen, Weizen, Mais und besonders  Gerste vor. Wenn Gräser nicht mehr vorhanden sind, wird dieser Teil der Nahrung durch Pflanzen wie  Brombeere, Efeu oder Raps ersetzt.   In den Heidelandschaften der Bretagne fressen Kaninchen Honig-, Schwingel- und Straußgräser,  aber auch Stechginster und junge Knospen des Heidekrauts (Calluna und Erica). Stechginster kann  mitunter bis zu 50% der gesamten Nahrung betragen. Auch Moose werden von den dort lebenden  Kaninchen gefressen.  In Portugal nutzen Wildkaninchen bei saisonal oder räumlich abnehmender Qualität von Gräsern und  Kräutern auch die Früchte (Eicheln) von Kork- und Rundblättriger Eiche als Nahrung. Im Doñana-  Nationalpark von Spanien leben Kaninchen im Busch- und Marschland hauptsächlich von Gräsern,  während im Sanddünensystem in der Hauptsache Stängel, Blätter und Früchte verschiedener  Pflanzen die Nahrung bilden.  (Duffy, et al., 1996) untersuchten die Nahrungsbestandteile von Kaninchen bei Connemara, einer  Region im Westen Irlands. Dreiviertel der Nahrung bestand aus Gräsern, der Rest zu fast gleichen  Teilen aus Seggen, Binsen, Kräutern und Moosen. Zu den bevorzugten Gräsern gehörten Rotes  Straußgras, Ruchgras, Schmiele, Honiggras, Kammgras, Pfeifengras, Knaulgras, Ährenrispengras,  Schwingel, Glatthafer, Traubenhafer, Borstgras, Blaues Pfeifengras und Weidelgras. Im Winter  dominierten Draht-Schmiele, Gewöhnliches Ruchgras, Einjähriges Rispengras und Moose die  Nahrung, vor allem, weil diese das ganze Jahr zur Verfügung stehen.  (Wolfe, et al., 1996) stellten 38 verschiedene Pflanzenarten in den Exkrementen von Kaninchen fest,  die in Irland leben. Die häufigsten waren Gräser, welche etwa 85% der jährlichen Nahrung  ausmachen. In einem Vergleich der Fraßpflanzen von Wildkaninchen und Feldhasen in Ungarn stellten (Katona,  et al., 2004) unter anderem die folgenden Fraßpflanzen von Wildkaninchen fest: Quecke, Sparrige  Trespe, Seggen, Schwingel, Steinkräuter, Gänsefuß, Kanadisches Berufkraut, Sand-Fingerkraut,  Österreichischer Thymian, Berberitze, Gewöhnlicher Liguster, Silber-Pappel, Holunder und Gemeiner  Wacholder. Das Kräuter und Süßgräser zur Nahrung des Kaninchens gehören, wobei Süßgräser bis zu 2/5 der  Nahrung ausmachen können, wird in (Allgöwer, 2005) festgestellt. Ansonsten werden Grünpflanzen  aller Art und sämtliche Kulturpflanzen wie Rüben, Kohlsorten, Getreide und Mais aufgeführt. Im  Winter wird der fehlende Grünpflanzenanteil von etwa 3/5 der Nahrung durch den Verzehr von  Knospen, Triebspitzen, Rinden und Wurzeln ersetzt. Ebenso wird auf die Bevorzugung von  eiweißhaltiger Kost hingewiesen.  (Bonino, et al., 2006) berichten von Kaninchen in der Andenregion Neuquén in Argentinien. Gräser  stellen dort die Hauptbasis des Futters in allen Jahreszeiten dar, wobei Wiesen-Rispengras und  Schwingel die vorherrschenden Arten sind. Einkeimblättrige Süßgräser waren die zweitwichtigste  Gruppe mit Baltischer Binse und Seggen als Hauptbestandteilen. Kräuter wurden im Frühjahr und  Sommer nur mäßig gefressen, während Sträucher und Bäume nur im Winter wichtig waren.  Nach (Faust, 2009) bevorzugen Kaninchen im nördlichen Oberrheingraben Fabaceae  (Hülsenfrüchtler bzw. Leguminosen) und "anderes Kraut", aber der Hauptteil der Nahrung besteht  aus jenen Gramineae (Süßgräsern), die arm an Sklerenchym sind. Damit wird das  Festigungsgewebe von Pflanzen bezeichnet, also im allgemeinen Sprachgebrauch Rohfaser, die oft  lignifiziert bzw. verholzt ist. Pflanzen mit beißendem bzw. scharfem Geschmack wurden gemieden.  (Kumerloeve, 1956) stellte eine Vorliebe der Kaninchen auf der Insel Amrum für Boviste fest, was  wohl auch auf die geringen Flächen mit Süßgräsern zurückzuführen ist. Strandhafer und ein Großteil  der Geest-Vegetation wurde weitgehend gemieden.  Dass sich Kaninchen als Herbivore durchaus auch von Fleisch bedienen, wird nur selten erwähnt,  überwiegend angezweifelt oder rigoros bestritten. Eigentlich wäre ein Fleischverzehr durch  Kaninchen nichts Ungewöhnliches, denn viele Herbivoren ernähren sich auch von tierischen  Eiweißen ebenso, wie Carnivore (Fleischfresser) gelegentlich Pflanzen fressen (z. B. Hund, Katze).   (Gaffrey, 1954) berichtet von Kaninchen am Stadtkrankenhaus Dresden, die Knochen benagen und  Fleisch fressen. Im Parkgelände wurde ein Haufen von ca. 75 - 100 kg ausgekochter Knochen von  Rindern und Schweinen aufgeschüttet, an denen sich noch Knorpel, Sehnen und größere  Fleischreste befanden. Dieser Haufen wurde von Tag zu kleiner, wobei nur wenige Knochen verstreut  wurden. An den Spuren im frisch gefallenen Schnee ließ sich zweifelsfrei erkennen, dass  Wildkaninchen als Urheber des kleiner werdenden Haufens anzusehen waren.   (Petzsch, 1959) gibt Auskunft über ein junges Wildkaninchen, das mit einem jungen Feldhasen im  Zoo Halle/S. zusammengebracht wurde und die ohne Streit zusammen lebten. Die Tiere erhielten  ausschließlich pflanzliche Nahrung, die „vielseitig, gehaltvoll und vitamin- und mineralstoffreich“ war.  In einem Versuch nahmen beide Tiere trotzdem zusätzlich ungekochte Pferderippenstücke mit  anhaftendem Muskelfleisch „gierig“ an und benagten diese selbst im gefrorenen Zustand.   (Alves, et al., 2006) fanden in Kaninchenkot u. a. Helochares sp., eine Wasserkäferart.  
Kaninchen (Oryctolagus cuniculus) Wiese