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Sinne
Das Hauskaninchen unterscheidet sich heute in mancher Hinsicht von der Wildform. So haben sich  neben dem Äußeren und dem Gewicht einiger Rassen vor allem die Sinnesleistungen und damit  verbundene Organe mittlerweile beträchtlich verändert. Diese Veränderungen sind vor allem durch  das Fehlen des Überlebenskampfes, der Bewegung sowie der nötigen Nahrungsbeschaffung  bedingt. So ist das Gehirn des Hauskaninchens um ca. 22% leichter als und zudem noch  wasserhaltiger als das der Wildform, das Rückenmark ist um ca. 4% leichter als beim Wildkaninchen.  Vor allem das Auge als Sinnesorgan ist mit einem Gewichtsunterschied von etwa 21% zugunsten des  Wildkaninchens mit betroffen (Nachtsheim, et al., 1977). Die Ohren sind, je nach Rasse, gegenüber  den ca. 7 cm des Wildtieres entweder sehr viel länger oder kürzer, das Hörvermögen ist insgesamt  schlechter. Ebenso verschlechtert hat sich der Geschmackssinn, belegbar durch die Verringerung der  Geschmacksknospen auf der Zunge.   Je nach Interpretation werden zwischen 5 - 13 Sinnen unterschieden, im allgemeinen Sprachge-  brauch sind es fünf:  Sehen, visuelle (optische) Orientierung  Hören, auditive (akustische) Orientierung  Riechen, olfaktorische Orientierung  Schmecken, gustatorische Orientierung  Tasten, taktile Orientierung. Gelegentlich werden noch der Gleichgewichtssinn sowie die zeitliche und räumliche Orientierung  aufgeführt.  Die Sinne ermöglichen den Tieren die Orientierung in der Umwelt, dienen der Erkennung von  Artgenossen innerhalb der Gruppe, helfen bei der Nahrungssuche und -auswahl und vielem mehr.   Wenn Jungtiere den Bau verlassen, bleiben sie zunächst in der Nähe des Eingangs. Mit der Zeit  nehmen die Entfernungen zu, aber in bestimmten Abständen wird der Eingang zum Bau immer  wieder aufgesucht. Später werden auch neue Wege getestet und die Erreichbarkeit des Baus durch  Sprints getestet. In erster Linie prägen sich die Fluchtwege durch geruchliche (olfaktorische)  Markierungen ein, sie bilden also gewissermaßen Gassen, welche durch Geruchsmarken erkannt  werden. Kaninchen auf der Flucht werden immer die vertrauten Wege nutzen – werden diese  verstellt, können Verletzungen die Folge sein. Veränderungen im Revier werden sofort registriert und  immer vorsichtig erkundet.  Sehen Als vorwiegend dämmerungs- und nachtaktive Tiere ist das Sehen für Kaninchen von relativ  untergeordneter Bedeutung.  Die Regenbogenhaut (Iris) bildet die Pupille und reguliert den Lichteinfall (Adaptation). Ihre  Pigmentierung bestimmt die Augenfarbe. Der Innenraum des Augapfels enthält den Glaskörper  (Corpus vitreum) sowie die Linse (Lens) und wird in zwei Augenkammern (Camera anterior und  posterior bulbi) unterteilt. Den prinzipiellen Aufbau zeigt Bild 44. Die Augen des Kaninchens liegen  seitlich (lateral) am Kopf und treten weit aus der Augenhöhle (Orbita) hervor. Dadurch verfügen die  Tiere über ein sehr weites Gesichtsfeld. Jedes Auge für sich erfasst nach (Leicht, 1979) einen Winkel  von 170,5°   zusätzlich erfassen beide Augen gemeinsam nach vorn 10° und nach hinten 9° - somit  gibt es praktisch keinen blinden Bereich bzw. toten Winkel. Das binokulare Sehen (Tiefenwahr-  nehmung bzw. räumliches Sehen) ist  sehr eingeschränkt, weil die Augen  seitlich am Schädel sitzen. Nur nach  vorn in einem relativ nahen Bereich ist  eine Tiefenwahrnehmung, wie wir als  Menschen sie kennen, möglich. Die  Anordnung der Augen und die damit  verbundene Sehleistung sind typisch für  Fluchttiere, die ein großes Gebiet grob  überschauen müssen. Bei Raubtieren  sind die Augen für ein besseres  räumliches Sehen vorn am Kopf und  eng beieinander angeordnet. Dies  ermöglicht ihnen die präzise Jagd. Da  die Augen relativ weit oben am Kopf  liegen, kann das Kaninchen auch den  Luftraum gut erfassen, was in freier  Natur die Entdeckung von geflügelten  Beutegreifern erleichtert.   Auf Grund des Ganges der Lichtstrahlen  im Auge ist die Wahrnehmung des  bewegten Netzhautbildes gesteigert, die  des ruhenden Bildes aber unscharf, das  heißt, auf optische Reize in der  Entfernung, die mit Bewegung  verbunden sind, reagiert das Kaninchen  überaus empfindlich. Jeder, der schon  einmal versucht hat, Wildkaninchen zu  beobachten, wird diesen Fakt bestätigen  können. Unbewegliche, nahe Gegenstände oder Menschen nimmt es dagegen nur wahr, wenn es  durch andere, zusätzliche Reize darauf aufmerksam wird. Dieser Sachverhalt wird manchen Tieren in  der menschlichen Haltung zum Verhängnis, wenn zum Beispiel Gegenstände umgestellt wurden und  sie aufgeschreckt flüchten wollen. Normalerweise prüfen Kaninchen ihre Wechsel und Fluchtwege  regelmäßig, indem diese auch markiert werden. Vor allem Jungtiere entfernen sich vom vertrauten  Nest im Laufe der Zeit mit immer größeren Abständen nicht, ohne immer wieder die  Rückzugsmöglichkeit zu prüfen. Ist diese plötzlich verstellt, wird dies optisch nicht registriert und sie  prallen gegen das Hindernis.  Bei Haustieren entspricht die Hornhautform nie dem eines regulären Kugelsegments, weshalb der  Astigmatismus beim Kaninchen normal ist. Sie beträgt ca. 0,5 - 1,0 Dioptrien (Wiesner, et al., 2000). Diese Besonderheit der visuellen Wahrnehmung wird beim Menschen als Astigmatismus bezeichnet  und stellt einen Abbildungsfehler bzw. eine Refraktionsanomalie dar. Das Wort bedeutet übersetzt  Punktlosigkeit und meint, dass die von einer Lichtquelle auf eine Linse einfallenden Strahlen auf  Grund der nicht rotationssymmetrischen Brechkraft von Hornhaut und Linse nicht exakt auf einen  Brennpunkt gebündelt werden, sondern als Punktreihe bzw. Strich abgebildet werden. Ursachen sind  eine angeborene oder erworbene asphärische Hornhaut- oder Linsenfläche. Gegenstände der  Umgebung werden also unscharf abgebildet.  Die Größe der Augen geben einen Hinweis auf die Lebensweise des Kaninchens: es ist vorwiegend  dämmerungs- und nachtaktiv und verbringt in der Natur die meiste Zeit des hellen Tages in  unterirdischen Bauen. Die Anpassung an unterschiedliche Lichtverhältnisse wird normalerweise  durch die reflektorische Erweiterung oder Verengung der Pupillen reguliert. Beim Kaninchen ist diese  Möglichkeit sehr stark eingeschränkt. Bei grellem Licht sieht es aus diesem Grund relativ schlecht, in  der Dämmerung bzw. in hellen Nächten dagegen sehr gut.  Der Tränen-Nasen-Kanal, der dem Ableiten der Tränenflüssigkeit dient, hat nur eine Öffnung und  befindet sich im Augenwinkel, der in der Nähe der Nase liegt. Zum Schutz des sehr weit aus der  Augenhöhle heraus stehenden Auges verfügt das Kaninchen zusätzlich zu den zwei Augenlidern  (oben und unten) noch über ein drittes Lid: die so genannte Nickhaut. Diese ist mit der Tränendrüse  verbunden und kann z.B. in Gefahrensituationen über das Auge geschoben werden.  Kaninchen verfügen über blau- und grünsensitive Zäpfchen auf der Netzhaut des Auges. Dieser  Blau-Grün-Dichromatismus ist eine Anpassung an die Lichtverhältnisse in der Dämmerung und  Nacht. Da Wildkaninchen vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv sind, ist ein gutes Farbsehen  auch nicht nötig - sie nehmen dafür Grautöne besser wahr. Stäbchen und Zapfen in der Netzhaut des  Auges sind Fotorezeptoren, die Lichtsignale aus der Außenwelt in Signale umwandelt, welche das  Gehirn verarbeiten kann.  Die Stäbchen sind hauptsächlich für das Sehen in der Dämmerung und bei Nacht wichtig, während  die Zapfen (Rezeptoren) nur bei Helligkeit funktionieren und der Farbwahrnehmung dienen.  Außerdem ermöglichen sie die Kontrastunterscheidung und somit räumliche Auflösung.  Da den Kaninchen die rotsensitiven Zäpfchen fehlen, ist die Farbwahrnehmung eingeschränkt und  hat zur Folge, dass sie Rot schlecht bis gar nicht von Grün unterscheiden können. Beides sind für sie  einfach verschiedene Grün/Gelbtöne, denn nur die grünen und blauen Zapfen werden bei Lichteinfall  angeregt - sie sind gewissermaßen "rotgrünblind", da Rot und Grün als eine Farbe wahrgenommen  wird. Damit sind sie Menschen mit Protanopie vergleichbar (Rot-Grün-Blindheit, bei der aber die  Zapfen für das Wahrnehmen von Rot das Iodopsin für Grün enthalten).  Der Mensch verfügt über drei Typen von Zapfen: Blau-, Grün- und Rotrezeptoren. Werden alle drei  Zapfenarten gleich stark angeregt, entsteht die Wahrnehmung weiß, wird keine angeregt, schwarz.  Durch die unterschiedliche Anregung der Zapfenarten entsteht somit die Wahrnehmung der  verschiedenen Farben. Manche Tiere verfügen über eine vierte Zapfenart, mit der ultraviolettes Licht  wahrgenommen werden kann. Fast alle Vögel z. B. unterscheiden auf diese Art sehr schnell reife von  unreifen Früchten. Andere Tiere wiederum wie z.B. Delfine oder Nachtaffen verfügen nur über einen  Zapfentyp, der sie verschiedene Grautöne wahrnehmen lässt. Dafür sind aber bei ihnen die Stäbchen  sehr gut entwickelt, was ihnen ein gutes Sehen in der Dunkelheit ermöglicht.  Hören (Auditive Orientierung) Am Anfang der Entwicklung der Säugetiere existierte lediglich der Gleichgewichtsapparat. Mit dem  Verlassen des Wassers und dem Wechsel in die geräuschvolle Atmosphäre bestand die  Notwendigkeit, diese akustischen Reize zu registrieren und zu verarbeiten. Im Verlauf der Evolution  entwickelte sich das Hörorgan immer weiter und übertrifft vor allem in Hinsicht sichtbarer Teile und  auch Notwendigkeit für das Überleben heute deutlich das Gleichgewichtsorgan. Gemäß seiner  Wichtigkeit für die Erhaltung des Lebens und die Fortpflanzung lässt das Hörorgan das  Gleichgewichtsorgan als Anhängsel erscheinen.   Nach (Berg, 1993) wird das Hör- und Gleichgewichtsorgan unterteilt:   in die schallauffangenden Teile, dem äußeren Ohr,  die schallwellentransformierenden Teile, dem mittleren Ohr und   das eigentliche Hör- und Gleichgewichtsorgan, dem inneren Ohr.   Gehört werden eigentlich Schwingungen bzw. Druckschwankungen der Luft, die als Frequenz in  Hertz (Hz) angegeben werden. Im Gehörgang und im Mittelohr werden die Töne verstärkt und an das  Innenohr übertragen. Je höher die Frequenz, desto höher ist der Ton. Kaninchen hören Töne in  einem Frequenzbereich zwischen 60 – 49.000 Hz (Heffner, 1980), der Mensch Töne zwischen 20 –  20.000 Hz. Kaninchen hören also im oberen, hohen Frequenzbereich Töne, die ein Mensch nicht  mehr wahrnimmt.  Durch die Domestizierung sowie Züchtung verschiedener Rassen gibt es heute die verschiedensten  Längen und Formen des schallauffangenden Teiles (dem äußeren Ohr), so dass das ursprüngliche,  sehr gute Hörvermögen der Wildkaninchen bei einigen Rassen verloren gegangen ist. Bei "normalen"  Hauskaninchen bzw. der Wildform sind die Ohren oder Löffel in ihrer äußeren Form  schalltrichterförmig und bieten somit beste Voraussetzungen für das Auffangen akustischer Reize  bzw. deren Verstärkung. Die großen Ohrmuscheln können unabhängig voneinander gedreht werden.  Durch die Stellung und Beweglichkeit der Ohrmuscheln erfasst das Kaninchen ohne Kopfbewegung  einen Hörraum von etwa 360°.   Interessant ist die Tatsache, dass die Länge der Ohren durch die Temperatur, also einem äußeren  Faktor, in einem gewissen Rahmen beeinflussbar ist: Wärme fördert das Wachstum der Ohren, Kälte  hemmt es. Aus diesem Grund wird die Aufzucht der Englischen Widderkaninchen mit ihren extrem  langen Ohren bevorzugt in die warme Jahreszeit, die Aufzucht der Jungtiere des Hermelinkaninchens  mit sehr kurzen Ohren in die kalte Jahreszeit verlegt (Nachtsheim, et al., 1977).   Die Ohren sind stark durchblutet und spielen  eine bedeutende Rolle bei der Wärmeregulation.  Riechen (Olfaktorische Orientierung) Kaninchen werden wie der Hund zu den Makrosmaten gerechnet, während der Mensch als  Mikrosmat gilt. Kaninchen besitzen nach (Kaetzke, et al., 2003) etwa 100 Millionen Riechzellen in  den beiden Nasenmuscheln, dies entspricht ca. 120.000 Riechzellen pro cm² Riechschleimhaut. Der  Menschen verfügt über ca. 10 - 30 Millionen Riechsinneszellen; ein Hund über ca. 250 Millionen  Riechzellen, ein Aal über fast 1 Milliarde. Gemessen an den Riechzellen, riecht ein Kaninchen also  fünfmal besser als ein Mensch.   Die meisten Zellen des Riechhirns sind bereits bei der Geburt voll entwickelt. Wenn sie gerade zur  Welt gekommen sind, werden Kaninchen von einem besonderen Botenstoff zu den Zitzen ihrer  Mutter gelockt - dem Pheromon 2MB2. Obwohl sie noch so gut wie taub und blind sind, finden sie in  der kurzen Zeit, die die Häsin zum Säugen an das Nest kommt (1- 2 mal am Tag für max. 2 - 5  Minuten) die Zitzen im Fell und trinken sich satt. Das Pheromon 2MB2, welches ihnen dabei hilft, ist  ein Hormon und nur bei einer Art wirksam – nach von (Schaal, et al., 2003) wurde bei Ratten und  Mäusen keine Wirksamkeit festgestellt. Über die Duftdrüsen in der Anal- und Leistenregion (Anal- und Inguinaldrüsen) werden Duftstoffe mit  Signalcharakter abgegeben. Sie dienen der Territorialmarkierung, der gegenseitigen Erkennung  sowie der Beeinflussung der sexuellen Attraktivität - ihre Sekrete werden auf dem Erdboden beim  Sitzen und mit dem Kot hinterlassen. Weiterhin verfügt das Kaninchen über Drüsen am Kinn, die sich mit beginnender Geschlechtsreife  herausbilden. Ranghöhere Männchen bzw. Rammler entwickeln größere Kinndrüsen als rangniedere,  und zwar unabhängig von Alter und Körpergewicht (Leicht, 1979). Außerdem verfügt das Kaninchen  an der Nasenspitze über eine rudimentäre Drüse, die Hardersche Drüse (Tränendrüse) sowie Drüsen  in Unter-/Oberlippe und der Innenseite der Backen.   Bild: Markieren mit den Kinndrüsen  Zur Prüfung von Duftstoffen in der Luft "blinzeln"  Kaninchen mit der Nase, indem sie die Falten der  Nasenlöcher mit einer Frequenz von 1,5-4/Sekunde  rhythmisch anheben und senken (Kraft, 1976). Auf  Grund ihrer Fähigkeit, eine große Zahl und auch  Mischungen von Gerüchen zu unterscheiden, sind  Kaninchen in der Lage, Artgenossen und Artfremde zu  unterscheiden. Für die Nahrungsaufnahme dient das  Geruchsvermögen als Unterstützung - besonders  wichtig ist es aber für das Sozial- und  Sexualverhalten.   Der Geruchssinn dient auch bei der Nahrungsselektion. (Niehaus, 1968) demonstrierte dies, indem  er Kaninchen ein Futter mit verdorbenen Komponenten (Pellets) reichte. Die Tiere verschmähten die  schlechten Bestandteile. Schmecken (Gustatorische Orientierung) Der Geschmackssinn der Kaninchen ist sehr gut entwickelt, unter anderem hilft er dem Tier beim  Selektieren der Nahrung. Es ist mittlerweile unbestritten, dass Kaninchen neben der Nahrhaftigkeit  ihre Nahrung auch nach dem Geschmack auswählen. Sie unterscheiden zwischen süß, sauer, bitter  und salzig, wobei die Toleranz für Bitteres vergleichsweise hoch ist. Dies ermöglicht unter anderem  einen hohen Verzehr an z.B. Löwenzahn oder Luzernegrünmehl oder Pflanzen, die als giftig  bezeichnet werden. Die Zahl der Geschmacksknospen in der Mundschleimhaut beträgt beim  Kaninchen 17.000, während sie beim Menschen je nach Alter bei 8000 - 9000 für ein Kind und bei  2000 für einen Greis liegt (O'Malley, 2008), (Eckert, 2002). Unterstützt wird der Geschmackssinn  durch Geruchs-, Temperatur-, Druck- und Schmerzsinn, wobei der Geruchssinn die größte Rolle  spielt. Tasten (Taktile Orientierung) Für die taktile Orientierung stehen dem Kaninchen Tastkörperchen am Ende der Gliedmaßen sowie  Tasthaare zur Verfügung.  Tasthaare Das Kaninchen verfügt neben den "normalen" Fellhaaren über Tasthaare im Bereich des Mauls. Die  Vibrissen oder Schnurrhaare, wie sie auch genannt werden, sind unter anderem beim Zurechtfinden  im Bau dienlich, da die längsten Haare der breitesten Stelle des Kaninchenkörpers entsprechen.  Durch die Tasthaare informiert sich das Kaninchen über die physikalische Beschaffenheit seiner  nahen Umgebung insbesondere in der Dunkelheit. Gezählt wurden bei Haus- und Wildkaninchen  jeweils 17 - 23 Tasthaare pro Seite, beim Wildkaninchen sind sie kräftiger. Die Länge beträgt  zwischen 3 - 7 cm. Die Tasthaare unterliegen nicht dem Fellwechsel.  An den gut mit Blut versorgten Wurzeln der Tasthaare enden Tastnerven. Wird das Tasthaar bewegt,  überträgt sich diese Bewegung in die mit Blut gefüllte Kapsel, in die das Tasthaar eingebettet ist und  ermöglicht den Nerven, den Reiz zu empfangen und an das Hirn weiterzugeben.  Das Kaninchen weist in der Haut und besonders an den Enden der Gliedmaßen Tastkörperchen auf,  die das Gefühl für ein entsprechendes Objekt vermitteln. Die Nervenendkörperchen der Haut sind  nach ihren Beschreibern benannt:  die Merkel-Tastscheiben liegen im Epithel (Deckgewebe) oder an der Haarwurzel und wirken  als Drucksensoren,  die Meißner-Tastkörperchen befinden sich beim Menschen z.B. in der Lederhaut der  Fingerbeere und wirken als Berührungssensoren,  die Vater-Pacini-Lamellenkörperchen, welche tief in der Dermis (Lederhaut unter der äußeren  Epidermis) liegen und auf Druck und Vibration reagieren.  Zeitorientierung Das Verhalten von Tieren richtet sich unter anderem auch nach einem Zeitsystem. Dazu gehören die  längeren Zeitabschnitte wie Geburt, Jugend, Altern und Tod mit Rhythmen und Zyklen über Jahre wie  auch die relativ kurzen zeitlichen Abschnitte wie Tage, Wochen und Monate. Neben endogenen  (inneren) wie biologisch bedingten Einflüssen, z.B. Alterung, Hunger etc., spielen exogene (äußere)  Einflüsse eine wichtige Rolle. Dies sind unter anderem Klimabedingungen, Temperatur und  Jahreszeiten. Das Verhalten der meisten Säugetiere wie Fressverhalten und physische Aktivität  werden durch den periodischen Wechsel von Tag und Nacht bestimmt, auch circadiane Rhythmen  genannt. Im Unterschied zur Wildform ist das Aktivitätsmaximum der Hauskaninchen auf die  Lichtstunden, also den Tag erweitert. Wildkaninchen sind vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv,  während Hauskaninchen durch die Domestikation ihre Hauptaktivitäten zum großen Teil in die  Tageszeit verlegt haben. Sie unterliegen heute dem Fütterungs- und Aktivitätsmaximum des  Menschen und haben sich diesem angepasst, außerdem fehlt die natürliche Notwendigkeit des  Schutzes vor Beutegreifern wie dem Fuchs, Iltis oder Marder. Wildkaninchen verbringen die meiste  Zeit des (hellen) Tages in den Bauen, Hauskaninchen sind allein schon durch die Haltung  gezwungen, auch den Tag im "Freien" zu verbringen. Fütterungszeiten tragen ihr weiteres dazu bei,  den Biorhythmus auf den des Halters einzustellen.  Über die Veränderung der Tagesperiodik von Hauskaninchen wird in vielen Quellen berichtet, u. a.  von (Kraft, 1978) und (Selzer, 2000). Während bei Wildkaninchen ausgeprägte Aktivitätsmaxima in  der Nacht und den angrenzenden Stunden verzeichnet werden, sind diese bei Hauskaninchen in die  Lichtstunden verlagert. Außerdem verbringen Hauskaninchen die Ruhezeiten vorwiegend an der  Erdoberfläche, während Wildkaninchen tagsüber fast die gesamte Zeit in ihren Bauen verbringen. In  (Selzer, 2000) wurden Aktivitätsspitzen bei Wild- und Hauskaninchen zur Zeit der Abend- und  Morgendämmerung nachgewiesen.  Erfahrungen mit unseren eigenen Tieren zeigen, dass die meisten Aktivitäten im Sommer früh  zwischen 7:00 und 10:00 Uhr sowie abends zwischen 17:00 und 20:00 Uhr zu verzeichnen sind.  Nachts fressen sie so gut wie gar nicht, auch der Harn- und Kotabsatz ist sehr gering. Im Winter  verschieben sich die Zeiten etwas, bedingt durch die kürzeren Tage.  Räumliche Orientierung In den einzelnen Lebensabschnitten der Kaninchen gibt es verschiedene Bindungen untereinander,  auch Valenzen genannt. Den ersten Abschnitt verbringen die Jungen als Nesthocker mit  geschlossenen Augen und ohne Fell natürlicherweise im Bau, während z.B. Feldhasenjungtiere als  Nestflüchter relativ "fertig" und sofort aktiv sind. Im späteren Lebensabschnitt richten sich  Aggressionen der älteren, eingesessenen Tiere und der Mutter gegen die Jungtiere, die sich in der  Natur entweder in die Gruppe einfügen oder ein neues Revier suchen und so zur Verbreitung der Art  beitragen. Den Jungtieren fällt der Ortswechsel leichter als den Älteren, die in der Gemeinschaft  verwurzelt sind. In der Regel geht ein Ortswechsel von weiblichen Tieren aus.  Kaninchengruppen leben in Revieren mit einer Fläche von bis zu 20ha. Dies entspricht einem  Rechteck mit den Seitenlängen von ca. 400 x 500 m Länge oder einem Kreis mit einem Durchmesser  von ca. 500 m. In diesem Revier nutzen die Tiere feste Laufwege, auch Wechsel genannt. Wer seine  Tiere in einem größeren Freigehege hält, kann sehr gut beobachten, wie sie die verschiedenen Sinne  nutzen um zu fressen, sich in diesem Revier zu bewegen und dabei Augen, Nase und Ohren  einsetzen. Jungtiere erkunden nach dem Verlassen des Nestes zunächst sehr vorsichtig die Umgebung. Sie  entfernen sich anfangs nicht weit vom Nest und kehren in kurzen Zeitabständen immer wieder  dorthin zurück. Später werden die Wege weiter und die Zeitabstände immer länger. Die vertrauten  Wege werden auch öfter im schnellen Spurt zurückgelegt, um Fluchten zu üben. Auch ältere Tiere  sprinten oft scheinbar völlig grundlos über das Territorium. Dabei werden Haken geschlagen und  bekannte Hindernisse bewusst in die Laufwege einbezogen. Markante Plätze und Gegenstände,  selbst Grashalme werden zur Orientierung immer wieder markiert.   Droht Gefahr, suchen die Tiere sichere Plätze auf, an denen sie sich verstecken. Im Gegensatz zu  Wildkaninchen, die bei kleinsten Anzeichen der Gefahr in ihre Baue flüchten, suchen Hauskaninchen  Verstecke an der Erdoberfläche auf. Das sind selten irgendwelche Höhlen, Baue oder viel zu kleine  Häuschen, wie sie der Fachhandel anbietet, sondern eher Plätze, an die man selbst nur selten denkt  und teure Anschaffungen überflüssig machen.  
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