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Der Begriff „Krebs“  Die Kaninchen der Medizinischen Fakultät Lausanne (Stilling & Beitzke)  Die „Kolonie“ des Rockefeller Institutes (Greene) Die „Phipps-Kolonie“ (Ingalls) Die Sudie von Baba & Von Haam  Die „spontanen“ Uterus-Tumore von Burrows Der Vergleich von Elsinghorst et al.  Weitere Zahlen Diskussion Zusammenfassung Begriffe Der Begriff „Krebs[Inhaltsverzeichnis]  Als Neoplasie oder Tumor wird eine Neubildung bzw. Wucherung von Gewebe bezeichnet. Dabei handelt  es sich um eine örtliche Zunahme des Gewebevolumens in Form eines spontanen, enthemmten,  autonomen und nicht mehr rückgängig zu machenden Wachstums von körpereigenem Gewebe. Nach ihrem biologischen Verhalten werden Tumore in benigne und maligne unterschieden. Benigne (gutartige) Tumore  sind charakterisiert durch differenzierte Zellen und einem langsamem, verdrängendem Wachstum, das auf  seinen Ursprungsort beschränkt bleibt. Beispiele für diese Form sind das Adenom, Papillom, Lipom, Fibrom, Osteom, Myom, Leiomyom, Rhabdomyom, Chondrom sowie Polypen (siehe Begriffserklärungen). Maligne  (bösartige) Tumore wachsen dagegen relativ schnell in benachbartes Gewebe ein, welches dadurch  zerstört wird und bilden oft Metastasen. Beispiele sind das Karzinom und Sarkom. Als Krebs werden heute  umgangssprachlich maligne Tumore bezeichnet. Als Metastase wird die Verbreitung von Faktoren aus  einem lokalen (primären) Krankheitsprozess an andere Stellen im Organismus bezeichnet, die einen  weiteren Krankheitsherd bilden. Die Ursache für die Entwicklung von Tumoren sind entartete Zellen (Krebszellen), die nicht mehr auf  körpereigene Regulationsmechanismen der Zellteilung ansprechen. Ein großer Teil der immer wieder neu  entstehenden Krebszellen wird von der Immunabwehr des Körpers zwar rechtzeitig erkannt und beseitigt,  aber verschiedene Faktoren können dazu führen, dass diese Abwehr nicht mehr oder nur noch schlecht  funktioniert. Dazu gehören z. B. vor allem eine genetische, also vererbte Veranlagung, chronische  Erkrankungen, eine schlechte Haltung und damit verbundener Stress, falsche Ernährung, Chemikalien,  Schimmelpilze und vieles mehr. In verschiedenen Auswertungen über das Krankheitsgeschehen von Kaninchen in der Heimtierhaltung  spielen Tumore nur eine untergeordnete Rolle. Wie beim Menschen auch, sind in der Regel verschiedene  Organe betroffen und vor allem Hautkrebs scheint häufiger vor zukommen. Von verschiedenen Gruppen  und auch Tierärzten wird aber vor allem im Zusammenhang mit der prophylaktischen Kastration weiblicher  Tiere in den letzten Jahren immer wieder auf die besondere Gefährdung weiblicher Kaninchen durch  Gebärmutterkrebs hingewiesen. Aus diesem Grund soll hier etwas ausführlicher auf die Ergebnisse  verschiedener Quellen eingegangen werden, die in Bezug auf diese Gefährdung gern erwähnt werden und  deren Ergebnisse oft nur stark verkürzt wiedergegeben werden.   Die Kaninchen der Medizinischen Fakultät Lausanne (Stilling & Beitzke) [Inhaltsverzeichnis]  Nach dem Tod des Pathologen und Hochschullehrers Heinrich Stilling veröffentlichte (Beitzke, 1919) nach  hinterlassenen Präparaten und Notizen von Stilling einen Beitrag über Uterustumore bei Kaninchen. Diese  Form der Tumore wurden als selten vorkommende Geschwülste bezeichnet, weshalb Stilling über Jahre nur etwa ein Dutzend sammeln konnte, um seine Erkenntnisse darüber als eine ganze, abgeschlossene Studie vorstellen zu können. Die Tiere stammten aus der eigenen Zucht am Pathologischen Institut in Lausanne,  womit Stilling beste Kenntnisse über die Herkunft, Haltungsumstände und den Zustand der Tiere hatte. Es wurden 13 Kaninchen mit insgesamt 30 Tumoren untersucht, die aus einen Zeitraum von mehreren  Jahren stammten. Das jüngste Tier in diesen Untersuchungen war 4 Jahre alt, das älteste 7 Jahre -  überwiegend bewegte sich das Alter bei einer Tumorerkrankung zwischen 5 - 6 Jahre. Als Ergebnis wurde  u. a. eine familiäre Disposition festgestellt, da die meisten der betroffenen Tiere aus gleichen Würfen  stammten. Beitzke benutzt sogar den Begriff einer “Tumorrasse”.  Histologisch ließen sich die 30 Tumore in  4 Gruppen einteilen: Myome, Adenomyom, Adenome und Adenokarzinome. Das Auftreten der Tumore hatte  nichts mit der Funktion des Uterus zu tun, denn sie traten bei Häsinnen auf, die viel, die wenig oder die nie  in ihrem Leben geworfen hatten.   Die „Kolonie“ des Rockefeller Institutes (Greene) [Inhaltsverzeichnis]  Eine der  bekanntesten Studien stammt von Harold S. N. Greene als Hauptautor und umfasst über den  Verlauf vieler Jahre mehrere Artikel zu verschiedenen Themen bzw. Erkrankungen. Greene wertete u. a.  Uteruserkrankungen weiblicher Kaninchen aus, die bis Nov. 1935 im Laboratorium des „Rockefeller Institute for Medical Research“ in New York gehalten wurden und dann in Princeton untergebracht wurden, wo die  Haltungsbedingungen besser waren (Greene, 1937). Der Begriff „colony“ aus den Berichten wurde in der  Vergangenheit oft ins Deutsche mit „Kolonie“ übernommen, so dass offenbar der Eindruck entstand, dass  es sich um eine frei lebende Kolonie von Kaninchen handelte. Tatsächlich aber wurden die erwachsenen  Tiere über mehrere Generationen ohne jeden Kontakt zur Außenwelt einzeln in Käfigen im Labor gehalten  und die verschiedensten Versuche an ihnen unternommen. Ab Mitte der 1920er Jahre wurden verschiedene  Infektionskrankheiten wie z. B. Schnupfen untersucht. In den Jahren 1930 – 1934 wurde dieser  Kaninchenbestand u. a. durch 3 seuchenhafte Ausbrüche von „Kaninchen-Pocken“ dezimiert und wieder  neu aufgestockt, auch mit Nachwuchs von Tieren, die während der Epidemien trächtig waren oder Jungtiere  aufzogen (dieser Fakt ist nicht ganz uninteressant seit man weiß, dass u. a. auch Viren Krebserkrankungen  auslösen können). Als Ergebnis der Pockenepidemie stellte Greene fest, dass deren Ausmaß von der  Zusammensetzung der „Kolonie“ in Bezug auf grundlegende Faktoren wie Alter, Rasse und der Vererbung  genetischer Faktoren beeinflusst wurde. Der gesamte Tierbestand des Instituts betrug zeitweise ca. 1700 Tiere und setzte sich aus den  verschiedensten Rassen sowie Kreuzungen aus diesen zusammen. Als reine Rassen wurden American  Blue, Belgian Hare (Hasenkaninchen), Blue Beveren, Chinchilla, Dutch (Holländer), English (Schecken),  Havana, Himalayan (Russenkaninchen), Lilac, Sable & Silver Marten, Polish (Hermelin), Sable, French  Silver (Argent de Champagne), Black-and-Tan, Blue-and-Tan (Lohkaninchen) sowie Rexkaninchen  gehalten. Die Nahrung der Tiere bestand aus einem kommerziellen Mischfutter mit Getreidekörnern bzw. -produkten,  Luzerneschnitzeln, an Melasse gebundenen Mineralstoffen sowie Heu und Wasser. Die Räume waren zwar  temperiert, aber schlecht belüftet. Die Temperatur wurde im Winter auf 15 – 18°C gehalten, Angaben über  die Temperaturen der Räume im Sommer lagen nicht vor (Greene, 1935). Die Käfiggröße für die Haltung  einzelner Tiere betrug 56 x 36 x 36cm, wobei es auch kleinere gab. Die Käfige für die Häsinnen mit  Jungtieren variierten in folgenden Größen: Breite = (56 – 175cm); Tiefe = 76cm; Höhe = (51 – 66cm).    Die ersten Auswertungen von Gebärmuttererkrankungen wurden zwischen 1934 – 1937 vorgenommen und  basierten auf Daten aus den Jahren 1932 – 1937 (Greene, et al., 1938). In dieser Zeit lag die Zahl der  Häsinnen konstant zwischen 400 – 500, und insgesamt wurden 83 Fälle von Uterustumoren registriert, die  von 491 Häsinnen stammten. Tabelle 1: Auftreten von Uterustumoren zwischen 1932-1937, aus (Greene, et al., 1938)  Die Erkrankungsrate lag im Jahr 1937 mit 12,6% am höchsten, in zwei Jahren wurden gar keine Tumore  registriert. Für den sprunghaften Anstieg zwischen 1936 und 1937 haben die Autoren keine Erklärung, aber  vielleicht ist es an der Stelle gut, sich daran zu erinnern, dass Ende 1935 der Umzug der Tiere nach  Princeton stattfand. Interessant ist auch der Fakt, dass in diesem Zeitraum nur Tiere der Rassen Beveren,  Dutch, English, Himalayan, Havana, Marten, Polish, Sable, Tan und Rex erkrankten, während Tiere der  Rassen Belgian, Chinchilla und Silver überhaupt nicht von Uterustumoren betroffen waren. 61 der  tumortragenden Tiere starben oder wurden in verschiedenen Stadien der Tumorbildung getötet, 14 standen  zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Artikels noch unter Beobachtung. Nach der Entdeckung eines  Tumors betrug die durchschnittliche Überlebensrate 12 Monate. Alle erkrankten Tiere waren älter als 2  Jahre. Im dritten Lebensjahr erkrankten 20% der betroffenen Tiere, während des Vierten 44%, im Fünften  25%, im Sechsten 9% und im siebenten Lebensjahr 1% aller betroffenen Tiere. In einer zweiten Studie wertete (Greene, 1941) aus derselben Population Daten aus einem Zeitraum von  1931 – 1940 aus. Von 849 weiblichen Tieren erkrankten in dieser Zeit insgesamt 142 an  Gebärmuttertumoren. Bis auf eine Ausnahme waren alle Tiere älter als zwei Jahre. Tabelle 2: Auftreten von Uterustumoren in Abhängigkeit vom Alter, aus (Greene, 1941)  Die höchste Erkrankungsrate von 79,1% ließ sich demnach für Kaninchen mit einem Alter von 5 – 6 Jahren  feststellen. Im Durchschnitt betrug die Erkrankungsrate 16,7%.  Interessant ist eine Auswertung erkrankter Tiere in Bezug auf ihre Rasse.  Tabelle 3: Entstehung von Uterustumoren in Abhängigkeit von der Rasse, aus (Greene, 1941) Die Hybrid-I-Kaninchen entstanden laut dem Autor der Studien  vermutlich aus Verpaarungen der Rassen Dutch und Polish  und die Hybrid-II-Kaninchen aus der Verpaarung von Hybrid-I-  und Himalayan-Kaninchen. Zusammenfassend wurde  festgestellt, dass die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung an  Uterustumoren in einem weiten Rahmen mit dem Alter, der  Rasse und der Erbmasse bzw. der genetischen Variabilität  schwankte. Heute wird im Prinzip nur noch eine Studie von Greene erwähnt, nämlich die aus dem Jahr 1941. Aus  dieser werden die Gesamtzahl der Kaninchen von 849 und in der Regel das Erkrankungsrisiko von 80% für  Kaninchen im Alter von 5 – 6 Jahren entnommen. Wenn man aber alle Fakten aus den 2 Studien objektiv  bewertet, kommt man zu folgenden Ergebnissen: in zwei Jahren des gesamten Untersuchungszeitraums von 1932 - 1940 gab es in allen Altersstufen  keine einzige Erkrankung an Uterustumoren in weiteren zwei Jahren lag die Erkrankungsrate bei weniger als 1% in den Jahren 1936 und 1937 kam es zu einem sprunghaften, unerklärlichen Anstieg der  Uteruserkrankungen und erst dieser Anstieg trieb den Durchschnitt unverhältnismäßig hoch von 1932 bis 1937 wurden 491 Kaninchen untersucht, von 1931 bis 1940 waren es insgesamt 849.  Das heißt, mit 1931 sowie von den Jahren von 1938 – 1940 kamen die Ergebnisse aus 4 Jahren und  358 Kaninchen zur ersten Studie hinzu. Da der massive Anstieg der Erkrankungsrate ca. 1937  begann, kann man das Jahr 1931 sicher vernachlässigen. Das heißt, von 491 Kaninchen und 83  Tumorfällen stieg die Zahl auf insgesamt 849 Kaninchen mit 142 Tumorfällen. Beispielhaft sollen die folgenden Interpretationen zeigen, wie man  mit den Zahlen aus den vorliegenden  Studien umgehen kann, um sie tendenziös für einen jeweiligen Zweck zu ge- bzw. missbrauchen: 1. Laut Greene beträgt die Wahrscheinlichkeit für weibliche Kaninchen jeden Alters, an Uterustumoren  zu erkranken, 0%. Das bestätigen Untersuchungen aus den Jahren 1932 – 1933.  2. Laut Greene beträgt die Wahrscheinlichkeit für weibliche Kaninchen jeden Alters, an Uterustumoren  zu erkranken, ca. 0,2%. Das bestätigen Untersuchungen aus den Jahren 1932 – 1935.  3. Laut Greene beträgt die Wahrscheinlichkeit für weibliche Kaninchen jeden Alters, an Uterustumoren  zu erkranken, ca. 13% und für Kaninchen ab einem Lebensalter von 5 Jahren ca. 80%. Das  bestätigen Untersuchungen aus den Jahren 1937 – 1940. 4. Laut Greene beträgt die Wahrscheinlichkeit für weibliche Kaninchen, an Uterustumoren zu  erkranken, ca. 80%. Das bestätigen Untersuchungen aus den Jahren 1931 – 1940.  Alle Aussagen wären korrekt! Die „Phipps-Kolonie“ (Ingalls) [Inhaltsverzeichnis]  Auf Grund des, bereits von Greene festgestellten, genetischen Einflusses ist eine Studie von (Ingalls, et al.,  1964) kritisch zu sehen, deren Ergebnisse ebenfalls sehr häufig und stark verkürzt zitiert werden. Dabei  handelt es sich um die so genannte „Phipps-Colony“ des “Henry Phipps Institute”, Philadelphia. Die  Population dieser Laborkaninchen wurde ursprünglich aus einer Geschwisterverpaarung und folgenden  Eltern-Kinder-Rückverpaarungen aufgebaut, (also reinerbige Inzuchtlinien ), um Versuche zu Erkrankungen  an Tuberkulose durchzuführen. In einem Rückblick wird ohne weitere, nähere Angaben zu Tieren und  Umständen festgestellt, dass im Zeitraum von 1931 – 1961 von insgesamt 1735 weiblichen Kaninchen 1382 starben, bevor sie ein Alter von 2,5 Jahre erreichten. Von den 353, die älter wurden, wurde bei 86 Tieren ein  Uterustumor festgestellt. Von jenen, die im Alter zwischen 2,5 und 3 Jahren starben, wiesen 8,8% einen  Uterustumor auf. Bei 58,9% der Tiere, die älter als 4 Jahre wurden nach dem Tod ein Tumor nachgewiesen. Tabelle 4: Auftreten von Uterustumoren in Abhängigkeit vom Alter, aus (Ingalls, et al., 1964)  Die Studie von Baba & Von Haam [Inhaltsverzeichnis]  Ohne nähere Angaben zur Haltung wurden von (Baba, et al., 1972) 117 Kaninchen für 30 Monate an der  „Ohio State University“ gehalten und auf die Entstehung von Uteruserkrankungen untersucht. Die  Mikroskopie der Gebärmutter von 83 Kaninchen ergab 4% von Veränderungen,  3% örtlich begrenzte und  17% invasive Adenokarzinome sowie 1% Leiomyosarkome. Die meisten, erkrankten Tiere waren zwischen  4 – 7 Jahre alt.   Die „spontanen“ Uterus-Tumore von Burrows [Inhaltsverzeichnis]  Im Zusammenhang mit Uterus-Tumoren des Kaninchens wird auch oft eine Veröffentlichung von (Burrows,  1940) erwähnt. Dort wiederum findet sich ein Verweis auf eine frühere Arbeit von (Burrows, et al., 1938)  zum gleichen Thema, die 1940 quasi weitergeführt wurde. Der Verweis bezieht sich auf das ursprüngliche  Ziel der Arbeit und der daraus folgenden Behandlung der Kaninchen während des  Untersuchungszeitraumes: ihnen wurde auf verschiedene Wiesen kanzerogene Substanzen verabreicht,  um ihre Empfänglichkeit für die Entwicklung von Tumoren zu testen. Einigen wurde 1,2,5,6-  Dibenzanthrazen in Venen gespritzt - eine kanzerogene (krebsauslösende) Substanz, die zum Beispiel  auch in Zigarettenqualm vorkommt.  Anderen wurde der Stoff in die Nasenlöcher gespritzt und zusätzlich  ein, mit Chloroform getränkter, Wattebausch zwischen den Schulterblättern platziert. Weitere Präparationen  der Tiere bestanden in der Applikation von Nickel- und Siliziumpuder in die Nasenlöcher und in dem  Bestrahlen der Leistengegend mit Röntgenstrahlen. Diese „Behandlungen“ erfolgten bis zum Tod der Tiere  teilweise mehrmals wöchentlich (Burrows, et al., 1938). Die Ergebnisse der Veröffentlichung von 1940 ergaben bei 15 von 25 Kaninchen (66%) Adenome (gutartig)   und/oder Adenokarzinome (bösartig). Von 10 Kaninchen, die kein Dibenzanthrazen erhielten, dafür aber  den anderen, beschriebenen „Behandlungen“ ausgesetzt wurden, entwickelten 5 (50%) Adenome und/oder  Adenokarzinome (Burrows, 1940).  Mit dem momentanen Wissensstand über krebsauslösende Faktoren erscheint es äußerst merkwürdig,  warum heute trotzdem diese (und andere) Publikationen immer wieder als „Bewies“ für ein erhöhtes Risiko  weiblicher Kaninchen dienen sollen, an Uterustumoren zu erkranken. In gleicher Weise kann man auch  Ergebnisse zu Mamma-Tumoren sehen. In der Arbeit von  (Burrows, et al., 1938) wurden den Tieren zum  Beispiel das Dibenzanthrazen direkt in die Brustdrüsen gespritzt und es ist eher überraschend, dass nicht  eines dieser Tiere (von insgesamt 12) einen Krebs an der Säugeleiste entwickelte. Eigentlich ist es ärgerlich, dass Ergebnisse aus solchen Untersuchungen noch einmal hervor gekramt  werden müssen, denn man muss schon recht hart gesotten sein, diese „Experimente“ nur als sachlichen  Gegenstand zu betrachten, wenn man diese Tiere mag. Da sich aber auch Tierschutzorganisationen dieser  Ergebnisse bedienen, ist es wohl nötig. Verbreitung fand vor allem eine frühere, sehr tendenziöse  Darstellung der amerikanischen Organisation „House Rabbit Society“, die heute immer noch in etwas  abgeänderter Form auf der Homepage der Organisation zu finden ist:   http://www.rabbit.org/caregerman/bibliografie.html Der Vergleich von Elsinghorst et al. [Inhaltsverzeichnis]  Von Elsinghorst et al, 1984 wurde ein Artikel veröffentlicht, der den Vergleich von Uteruserkrankungen  verschiedener Säugetiere zum Thema hatte. Unter anderem wurde eine Zusammenfassung aus  verschiedenen Quellen in Form einer Tabelle präsentiert. Mancher Autor späterer Veröffentlichungen mag  eventuell nur noch diese Zahlen als Beweis für eine entsprechende Anfälligkeit des Kaninchens für die  Erkrankung an Uterustumoren gesehen haben. Wer aber die vorstehenden Informationen zum  Zustandekommen der einzelnen Ergebnisse gelesen hat, ist für eine Interpretation klar im Vorteil. Die  folgende Tabelle gibt auszugsweise die Auflistung von Elsinghorst et al. (1984) wieder: Tabelle 6: Häufigkeit von Uterustumoren bei Kaninchen; (Auszug aus Elsinghort et al., 1984)  (Anmerkung: in der Original-Tabelle ist eine Quelle aufgeführt, deren Ergebnisse nach Angaben der Autoren aus der gleichen Untersuchungsgruppe wie von Ingalls (1964) stammten. Da es sich dabei um eine reinerbige Zuchtlinie handelte und  Ergebnisse bereits von Ingalls veröffentlicht wurden, wurde aus Kostengründen auf die Beschaffung der Quelle verzichtet)  Auf die Besonderheiten der jeweiligen Studien und das Zustandekommen der Zahlen in Bezug auf Fakten  wie Häufigkeit/Jahr und Rasse wird mit keinem Wort eingegangen, so dass der Eindruck entsteht, es wären  ganz normale Häufigkeitsverteilungen von Krebserkrankungen bei Kaninchen. Weitere Zahlen zu Erkrankungen [Inhaltsverzeichnis]  Rheker (2002) wertete in ihrer Dissertation u. a. Patientendaten der Klinik für kleine Haustiere der  Tierärztlichen Hochschule Hannover aus. Von 1990 - 1999 wurden insgesamt 2398 Diagnosen für  Kaninchen erstellt. In der folgenden Tabelle sind die Häufigkeiten verschiedener Tumor-Erkrankungen  aufgeführt, wie sie für das jeweilige Jahr erfasst wurden. Die Angaben erfolgen in Prozent und sind auf alle  untersuchten Fälle des Jahres bezogen (also nicht explizit auf weibliche Tiere).  Tabelle 6: Prozentuale Verteilung der Tumorerkrankungen an der TiHo Hannover (nach Rheker, 2002)  Bezogen auf alle Tiere lagen die Höhe aller Tumor-Erkrankungen in einem 10jährigem Zeitraum zwischen 0 - 5% und die von Uterustumoren zwischen 0 - 1%.   In einer Studie von (Heckermann, 2008) wurden die Befunde aus Obduktionen und eingesandten  Organproben von insgesamt 1303 weiblichen Kaninchen in Österreich ausgewertet. Demnach wurden bei  10,82% aller Tiere Veränderungen an der Gebärmutter festgestellt. Bei 3,1% handelte es sich um eine  Vergrößerung der Gebärmutter, bei 2,3% um Flüssigkeitsansammlungen und bei 0,7% um eine  Gebärmuttereinblutung. 6,1% aller Tiere wiesen eine neoplastische Störung auf und 6,2% eine nicht-  neoplastische. Fast alle tumortragenden Tiere waren älter als 3 Jahre. Bei 4,8% aller Tiere wurde ein  Adenokarzinom festgestellt, bei 1% ein Leiomyom sowie jeweils bei 0,5% ein Adenom und ein   Leiomyosarkom. Bei der Interpretation solcher Ergebnisse muss bedacht werden, dass es sich bereits um vorausgewählte,  offensichtlich kranke Tiere mit entsprechenden  Symptomen handelte und nicht um eine Gesamtheit von  Kaninchen. Dadurch ist die Wahrscheinlichkeit, Kaninchen mit Uterustumoren zu finden, grundsätzlich  höher. Langenecker et al., 2009 werteten die Krankengeschichten kleiner Heimtiere (Kaninchen,  Meerschweinchen, Ratten und Frettchen) aus, die zwischen 1994 - 2003 an der Klinik für Zoo-, Heim- und  Wildtiere, Vetsuisse-Fakultät, Universität Zürich vorgestellt wurden. Beurteilt wurden u. a. die Diagnosen  von 2125 Kaninchen. Zahnerkrankungen waren mit 14% der häufigste, krankheitsbedingte  Vorstellungsgrund, gefolgt von Tieren mit einer zentralnervösen Symptomatik (Verdacht auf  Enzephalitozoonose) mit 11%, Traumen mit 8%, Abszesse 8%, Augenerkrankungen mit 7%, Neoplasien mit  5%, Frakturen mit 5%, Zystitis/Urolithiasis mit 3% und Kaninchenschnupfen (Rhinitis contagiosa) mit 3%.  Die Neoplasien wurden beim Kaninchen nicht näher besprochen. Bei Meerschweinchen betrug dieser Anteil 7% (vorrangig in der Haut), bei Ratten 34% (vorrangig Milchdrüse) und bei Frettchen 28% (Lymphome und  Insulinome, Neoplasien der Nebenniere). Die Erkrankung der Nebenniere zählt ebenfalls zu den  Neoplasien. Mittels Ultraschall wurden bei den Frettchen vergrößerte Nebennieren und eine folgende  Überfunktion (Hyperadrenokortizismus) festgestellt. Als Ursache wird die Kastration gesehen, wobei das  Kastrationsalter in Korrelation zur Entstehung des Hyperadrenokortizismus steht. Je früher die Tiere  kastriert werden, um so früher kommt es zu neoplastischen Veränderungen der Nebenniere (Schoemaker et al. 2002).   Die Vergrößerung der Nebenniere nach der Entfernung der Eierstöcke beim Kaninchen hat bereits Tandler  et al., 1913 beschrieben. Diskussion [Inhaltsverzeichnis]  Über die Häufigkeit von Uterustumoren bei Kaninchen gibt es über Jahrzehnte seit Beginn des vorigen  Jahrhunderts viele Veröffentlichungen. Auffällig ist, dass seit den 1960er Jahren begonnen wurde, ältere  Veröffentlichungen zu zitieren, ohne dabei die jeweiligen Begleitumstände in Betracht zu ziehen.  Mittlerweile beruht die Wiedergabe der Ergebnisse nur noch in Form von Zahlen, die den Eindruck  erwecken, dass bei Kaninchen grundsätzlich, aber insbesondere ab einem Alter von ca. 2 - 3 Jahren ein  besonders hohes Risiko besteht, an Uterustumoren zu erkranken. Diese Ergebnisse werden vor allem für  eine Begründung der vorsorglichen Kastration weiblicher Tiere benutzt. Mittlerweile wird auch von  Tierärzten zu einer vorsorglichen Frühkastration weiblicher Tiere geraten, obwohl jede Form der Amputation  von Körpergewebe, -organen und -teilen ohne tierärztliche Indikation untersagt ist.  Am aufschlussreichsten sind eigentlich die ältesten Veröffentlichungen. Für Stilling & Beitzke (1913) waren  Uterustumore in der eigenen Zucht der Medizinischen Fakultät Lausanne so selten, dass über mehrere  Jahre Präparate gesammelt werden mussten, um Erkenntnisse über diese Form der Erkrankung in einer  geschlossenen Studie vorstellen zu können. Ein Ergebnis war der Fakt, dass es sich offenbar um eine  erbliche Erkrankung handelt. Von Greene wurde in zahlreichen Artikeln, die zwischen 1935 und 1941  veröffentlicht wurden, dieses Ergebnis bestätigt. Zusätzlich zeigte sich, dass es in einem sehr großen  Bestand weiblicher Tiere (n=400-500) in zwei Jahren (1932/33) keinerlei Uterustumore zu verzeichnen  waren, in weiteren zwei Jahren  weniger als 1% und erst ab einem bestimmten Zeitraum ein sprunghafter  Anstieg von Uterustumoren zu verzeichnen war, der nicht erklärt werden konnte. Es erfolgte also eine  plötzliche Zunahme eines ursprünglich seltenen Phänomens mit einer Häufigkeit von <1% auf ca. 21% in  einem Alter zwischen 3 - 4 Jahren und ca. 80% zwischen 5 - 6 Lebensjahren. Da die Population schon seit  Mitte der 1920er Jahre bestand, ist davon auszugehen, dass nicht mit neugeborenen Tieren die  Aufzeichnungen begannen. Einen Beleg dafür bietet die Auswertung von 1941, in der auch Daten aus dem  Jahr 1931 einflossen. Tiere einiger Rassen in dieser außerordentlich großen Population erkrankten nie in  ihrem Leben an Uterustumoren. Spätere Veröffentlichungen sind nur bedingt für eine Beurteilung der Häufigkeit einer Erkrankung an  Uterustumoren bei Kaninchen dienlich, weil sie genau jene Faktoren der Zucht, Haltung und Behandlung  der Versuchstiere enthielten, die Tumore fördern, welcher Art auch immer.   Gesehen werden sollten ältere Veröffentlichungen wie die von Greene (1941) und Burrows (1940) unter  dem Gesichtspunkt, dass in jener Zeit sehr viele Versuche mit Kaninchen stattfanden, um bestimmte  Viruserkrankungen wie z. B. die Tuberkulose, die ein großes Problem darstellte, zu untersuchen. Außerdem  war man für die Erforschung von Krankheiten wie Krebs auf der Suche nach Tiermodellen. Die  Untersuchung des Einflusses von Substanzen als mögliche Krebserreger wie in der Veröffentlichung von  Burrows bieten deshalb eine denkbar schlechte Basis für eine Ableitung der Häufigkeit von Uterustumoren  bei Kaninchen. Seit den 1980/90er Jahren nimmt die Haltung von Kaninchen als Heimtier stetig zu. Konkrete Zahlen über  den gesamten Bestand in Deutschland gibt es nicht, die Zunahme der Kaninchen in deutschen Haushalten  lässt sich nur indirekt über den Verkauf entsprechender Futtermittel und der Häufigkeit der Vorstellung in  Tierarztpraxen erahnen. Dementsprechend ist es auch nicht verwunderlich, dass Tierärzte heute der  Meinung sind, die Fälle von Uteruserkrankungen bei Kaninchen würden zunehmen. Bezeichnend dafür ist  z. B. die Veröffentlichung von Streicher & Hach (2006), in der allgemein festgestellt wird, dass das uterine  Adenokarzinom beim Kaninchen im Gegensatz zu anderen Haustieren häufig vorkomme. Als Beleg für  diese Feststellung werden die folgenden Veröffentlichungen herangezogen: “Stilling und Beitzke, 1913;  Greene und Saxton, 1938; Burrows, 1940; Greene, 1959; Ingalls et al., 1964; Baba und Von Ham, 1972;  Elsinghorst et al., 1984”. Wer die vorangegangenen Informationen auf dieser Seite aufmerksam gelesen  hat, wird verstehen können, warum diese Veröffentlichungen eben nicht geeignet sind, per se eine stark  erhöhte Anfälligkeit des Kaninchens für eine Erkrankung an Uterustumoren festzustellen. Aus den vorliegenden Zahlen und Fakten lässt sich keine, grundsätzlich erhöhte bzw. abnormale  Disposition für Gebärmutterkrebs bei Kaninchen ableiten. Wenn aber in Beständen der Heimtierhaltung das erhöhte Auftreten von Uterustumoren konstatiert wird,  muss davon ausgegangen werden, dass entweder a) die Tiere einer Rasse mit einer erhöhten Disposition  für Tumorerkrankungen entstammen, b) die Haltungsform bzw. die Zusammensetzung des Bestandes eine  Erkrankung begünstigen, c) das Futter nicht optimal ist und d) ganz allgemein Stressoren vorhanden sind,  die Tumorerkrankungen begünstigen - das gilt insbesondere für kastrierte Tiere, da sich das Fehlen der  Sexualhormone negativ auf den Stressabbau auswirkt. Zusammenfassung [Inhaltsverzeichnis]  Der vorstehende Beitrag soll das Risiko einer Erkrankung an verschiedenen Krebs-Formen nicht  bagatellisieren, im Gegenteil. Für jede Säugetierart sowie den Menschen besteht ein Risiko, in seinem  Leben an Krebs zu erkranken und mit steigendem Alter nimmt dieses Risiko zu. Dabei handelt es sich aber  nicht um eine Gewissheit, sondern um eine Wahrscheinlichkeit. Die Fakten zeigen, dass viele Faktoren die Entstehung und Entwicklung jeder Form von Krebs  beeinflussen. Für Säugetiere in Heimtierhaltungen können das insbesondere folgende sein: erbliche Faktoren (Zuchtlinien, Reinerbigkeit, Vererbung pathogener Anlagen etc.)    Umwelt- und Haltungsbedingungen kanzerogene Stoffe im Futter und in der Umwelt/Haltung  Lebensbedingungen (Partnertiere) und damit verbundener Stress Kastration höheres Lebensalter Organerkrankungen Hypersexualität, gesteigerte Hormonproduktion, sehr häufige Scheinträchtigkeiten  Nachwuchslosigkeit Beeinträchtigung des Immunsystem Speziell in Bezug auf Uterustumore muss man feststellen, dass zumindest die hier vorgestellten Studien,  die immer wieder als „Beweis“ für eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung der Gebärmutter  aufgeführt werden, dafür eigentlich nicht geeignet sind. Das soll keine Abwertung dieser Studien sein,  sondern eine Kritik an jenen, die diese Arbeiten für ihren jeweiligen Zweck eher miss- als gebrauchen. Während bestimmte Rassen in sehr hohem Maße betroffen sind, erkranken Tiere anderer Rassen selbst im hohen Alter nicht an Uterustumoren. Auch die Statistiken aus verschiedenen Tierkliniken über lange  Zeiträume lassen kein erhöhtes Risiko für Kaninchen erkennen, an Uterustumoren zu erkranken. Es ist also durchaus möglich, dass sehr viele weibliche Tiere “vorsorglich” kastriert werden, die nie in ihrem  Leben an Krebs erkranken würden - aber dafür alle späteren “Nebenwirkungen” erleiden müssen, die ohne  dem Eingriff nicht gegeben wären. Zur Kastration von Kaninchen finden sich auf dieser Seite weitere Informationen: Kastration.  Begriffe [Inhaltsverzeichnis]  In Tabelle 5 sind einige Fachbegriff aufgeführt, die im Zusammenhang mit Gebärmuttererkrankungen  benutzt werden.   Tabelle 5: Fachbegriffe in der Literatur im Zusammenhang mit Uterusveränderungen, aus  (Duden, 2012)  und (Pschyrembel, 2001)
Krebserkrankungen beim Kaninchen, insbesondere Uterustumore
Tumore
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