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Wasser
Seit den Anfängen der Kaninchenzucht und auch heute gibt es noch Diskussionen über den  zusätzlichen Bedarf an Wasser für Kaninchen. Ursächlich dafür waren Beobachtungen von  Wildkaninchen, die man nie oder nur selten bei der Wasseraufnahme beobachtete. Daraus schloss  man, dass sie allein aus der Nahrung ihren Flüssigkeitsbedarf befriedigen könnten.   Der Körper des Kaninchens enthält zu ca. 78% Wasser (Richards, 1979). Bedingt durch die  Umgebungstemperaturen, der Luftfeuchtigkeit, dem körperlichen Zustand und dem Wassergehalt  des Futters verlieren sie Wasser, welches wieder zugeführt werden muss. Den Verlust von  Körperflüssigkeit gleicht es auf verschiedene Weisen aus:  1. Kaninchen fressen größtenteils Nahrung, die bis zu 90% aus Wasser besteht.  2. Sie verbringen einen großen Teil des Tages in kühlen Erdbauen mit hoher Luftfeuchtigkeit. So  ist ihnen auch das Überleben in halbtrockenen (semi-ariden) Gegenden in Australien möglich.  In sehr trockenen, heißen Zeiten sterben jedoch viele Tiere und der Aufenthalt der wenigen  Überlebenden beschränkt sich auf die Nähe von Sümpfen, Kanälen und Bewässerungsgräben  (Myers & Parker, 1975).  3. Kaninchen konzentrieren bei Wassermangel ihren Harn, um den Verlust von Wasser möglichst  niedrig zu halten.   Vor allem in trockenen, heißen Gebieten verlieren große Kaninchen bis zu 50% ihres  Körpergewichtes, während kleine Tiere nur einen Verlust von 42% tolerieren, bevor sie sterben.   Kaninchen verfügen über keine thermoregulatorisch aktiven Schweißdrüsen, verlieren aber trotzdem  Wasser über die Haut. Bei der Regulation des Wärme- und Wasserverlusts hilft ihnen unter anderem  ihr Haarkleid. Über die Atmung wird überschüssige Wärme abgeführt - und mit dem Atem auch  Wasser. Nach Schwabe (1995) verliert ein 4kg-Tier bei einer Atemfrequenz von 60/min auf diese  Weise 4,2 g Wasser/Stunde. Das ergibt über den gesamten Tag also 100g bzw. ca. 100ml Wasser. In einem Versuch an Wildkaninchen von Cooke (1982a) bestand bei freier Wahl ca. 65% der  gesamten, aufgenommen Nahrung aus Wasser. Zu einem ähnlichen Ergebnis kamen Myers & Poole  (1963), die bei einem Absinken des Wassergehaltes in der Nahrung unter 70% eine zusätzliche  Aufnahme von Trinkwasser registrierten (20 - 30ml/Tag/Tier). Fällt der Betrag von Wasser in der  Nahrung unter 55%, beginnt das Kaninchen, von körpereigenen Reserven zu zehren (Cooke,  1982b). Nach Richards (1979) überlebt das Kaninchen in trockenen Gebieten nur dann, wenn der  Wassergehalt in der Nahrung mehr als 60% beträgt.  Ähnlich wie für die Nährstoffversorgung gilt für den Wasserbedarf eine Abhängigkeit von bestimmten  Leistungen bzw. Lebenssituationen.   Diagramm: Wasserumsatz von Häsinnen   in der Erhaltungs- und Säugephase, nach  Werten aus Richards (1979)  In dem Diagramm sind die Wasserumsätze von  Häsinnen dargestellt, die einmal in der Zeit ohne  Trächtigkeit und Laktation und einmal in der  Säugephase ermittelt wurden. Der Bedarf in dieser  Zeit ist sehr hoch, da die wachsenden Föten quasi  mit Wasser mitversorgt werden müssen. Dieser  zusätzliche Bedarf wird - leider - sehr häufig  unterschätzt, vor allem bei einer vorwiegend  trockenen Fütterung.  Diagramm: Wasserumsatz von sehr jungen, heranwachsenden   und erwachsenen Kaninchen, nach Werten aus Richards (1979)  In diesem Diagramm sind die  Wasserumsätze von Kaninchen  in verschiedenen Stadien ihres  Lebens erfasst worden. Der  Umsatz im sehr jungen Alter  beträgt, bezogen auf ihr  Körpergewicht, fast das doppelt  des Umsatzes im Erwachsenen-  alter.  Bild: Jungtier am Wassernapf  Laut verschiedenen Untersuchungen unter Laborbedingungen trinken Meerschweinchen und  Kaninchen zusätzlich zum Futter 2 - 4 ml Wasser/g TS. Das heißt, wenn ein Kaninchen mit einem  Gewicht von 2kg 120g Trockensubstanz frisst, nimmt es theoretisch zwischen 240 - 480ml zusätzlich  Wasser auf. Verschiedene Faktoren beeinflussen die Wasseraufnahme, so auch z. B. der  Calciumgehalt im Futter. Bei einem Wassermangel geht die Nahrungsaufnahme zurück, was einen  deutlichen Gewichtsverlust zur Folge hat.  In der Literatur wird ein Verhältnis von Trockensubstanz : Wasser von ca. 1 : 3 empfohlen. In einem  Fütterversuch von Bucher (1994) lag er für Grünfutter + Pellets tatsächlich bei 1 : 5,5, für alle  anderen Versuche nur bei 1 : 2, obwohl das Trinkwasser ad libitum zur Verfügung stand.   Brüggemann (1937) untersuchte an 5 erwachsenen Kaninchen der Rasse „Blaue Wiener" (3 - 5 kg)  die Wasseraufnahme bei unterschiedlichem Futterangebot. Bei zusätzlichem oder alleinigem  Angebot von Saftfutter wurde kein Wasser mehr aufgenommen. Trotzdem war die Gesamtmenge  konsumierten Wassers höher als bei den anderen Fütterungsarten. Die typische Fütterung der  Kaninchen besteht heute entweder aus Trockenfutter oder aus Heu und Gemüse, wobei das Gemüse  meist rationiert wird. Das heißt, dass diese Tiere vergleichsweise wenig Wasser aufnehmen. Eine  Folge dieser Gegebenheit dürften ohne Frage Blasenprobleme sein, unter denen heute viele Tiere  leiden (Blasenschlamm, Blasensteine).  Diagramm: Wasseraufnahme von  Kaninchen bei unterschiedlichem  Futterangebot, ad libitum angeboten  (nach Brüggemann 1937)  Schwabe (1995) untersuchte in ihrer Dissertation ebenfalls an 5 Kaninchen mit einem Gewicht von  ca. 4 kg die Wasseraufnahme. Diagramm: Wasseraufnahme [g/kg  KM/Tag] von Kaninchen bei  unterschiedlichem Futterangebot ad  libitum angeboten (nach Schwabe 1995)  In einer Studie von Tschudin et al. (2011) gaben 4,5% der befragten Hobbyhalter an, “dass eines  ihrer Kaninchen schon einmal an Harnsteinen erkrankte, während bei den Züchtern nur 0.7 %  betroffen waren”. Ein Grund für die Diskrepanz dürfte sein, dass Züchter in der Regel einzeln  gehaltenen Tieren jeweils eine Tränke zur Verfügung stellen, während sich bei Hobbyhaltern mehrere  Tiere eine Trinkplatz teilen müssen.  Als Trinkgefäße eignen sich am besten schwere Näpfe aus Ton, die von den Tieren nicht so einfach  umgeworfen werden können. Trinkflaschen sollten nicht benutzt werden, da sich in relativ kurzer Zeit  an schwer erreichbaren Stellen Keime bilden. Ein einfaches Auswaschen der Flaschen reicht nicht,  um die Keime abzutöten oder zu entfernen, erst bei sehr hohen Temperaturen nach längerer Zeit  werden sie zuverlässig unschädlich gemacht. Vor allem im Sommer, wenn sich das Wasser erwärmt,  ist die Entstehung pathogener Keime schnell möglich. Näpfe aus Ton dagegen können problemlos im  Geschirrspüler gründlich gereinigt werden.  Eine wichtige Einflussgröße für die Wasseraufnahme bildet auch die Wassertemperatur - vor allem  im Sommer. Steigt die Temperatur des Trinkwassers über 25°C, wird weniger getrunken. Im Sommer  sollte das Wasser also täglich mehrmals gewechselt werden.
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