Futtermittelanalyse & Rohnährstoffe

Einen zentralen Bestandteil in der Tiernährung bildet die Futtermittelanalyse. Sie liefert Werte für Inhaltsstoffe eines Futters, mit deren Hilfe früher Futterrationen berechnet wurden. Heute wird in Deutschland noch überwiegend auf Analysewerte der „Weender Futtermittelanalyse“ aus dem 19. Jahrhundert zurückgegriffen, die von Henneberg & Stohmann 1860 - 18641 an der landwirtschaftlichen Versuchsstation in Weende, einem Stadtteil von Göttingen, für die Analyse von Futterpflanzen entwickelt wurde. Die Grundlagen dafür wurden bereits 1806 von Heinrich Einhoff erarbeitet. Das “Roh” in der Bezeichnung der Rohnährstoffe weist darauf hin, dass nicht Werte für einzelne Nährstoffe, sondern für Nährstoffgruppen ermittelt werden. Nur Rohasche, Rohfett und Rohfaser werden analytisch ermittelt, Rohprotein und Stickstofffreie Extraktstoffe) werden errechnet. Prinzip der Weender Futtermittelanalyse   Wasser: Ermittlung durch vierstündige Trocknung des Futters bei 103°C. Bei diesem Vorgang entweichen auch flüchtige Substanzen wie Fettsäuren, Ammoniak oder ätherische Öle. Abweichend werden Getreide, Mehl, Grütze und Grieß zwei Stunden lang bei 130°C getrocknet, zucker- und fettreiche Futtermittel sowie bestimmte Getreideerzeugnisse im Vakuumtrockenschrank 4 Stunden bei 80-85°C. Der verbleibende Rest ist die Trockenmasse bzw. - substanz. Rohprotein (Rp): Bestimmung des Stickstoffgehaltes durch Aufschluss der Probe mit Schwefelsäure sowie der Destillation und Titration des freigesetzten Ammoniaks. Eiweiß enthält durchschnittlich 16% Stickstoff, deshalb wird der ermittelte Stickstoffwert mit 6,25 multipliziert, um den Rohproteingehalt der Trockensubstanz zu erhalten. Der Stickstoffgehalt einzelner Futtermittel kann von dem angenommen Mittel der 16% stärker abweichen, wie z. B. das Eiweiß des Weizens mit 17,5% Stickstoff. Das würde einem Faktor von 5,71 entsprechen. Rohfett (Rfe): Ermittlung durch Extraktion der Trockenmasse mit Petrolether in der Soxhlet-Apparatur. Damit wird eine Gruppe verschiedenster Substanzen erfasst, die nur ihre Löslichkeit in Ether gemeinsam haben. Den größten Anteil bilden Triglyceride, daneben Phospholipide wie z.B. Lecithin, Glycolipide, Wachse sowie Polyisoprenoide wie Cholesterin, fettlösliche Vitamine, Carotinoide und Terpene (ätherische Öle). Weitere Stoffe wie z. B. Harze, Wachse und Farbstoffe kann der Körper nicht zur Energiegewinnung nutzen. Besonders bei Futtermitteln wie Gras und Heu muss deshalb damit gerechnet werden, dass 20-40% des Rohfettes nicht aus Triglyceriden bestehen4). Rohfaser (Rfa): der in Säuren und Laugen unlösliche fett-, stickstoff-und aschefreie Rückstand der Trockenmasse. Die „Rohfaser“ ist eine Stoffgruppe, welche Cellulose, Lignin, Pentosane usw. enthält. Da ein Teil dieser Stoffe aber in Lösung geht, werden diese mit der Gruppe der N-freien Extraktstoffe erfasst. Stickstofffreie Extraktstoffe (NfE): rechnerischer Wert = organische Masse- Rohprotein-Rohfett-Rohfaser. Diese Gruppe enthält somit alle Stoffe, die bei den anderen Bestimmungen nicht erfasst wurden. Rohasche (Ra): Ermittlung durch sechsstündige Verbrennung der Trockenmasse in einem Muffelofen bei 550°C. Organische Stoffe, die hauptsächlich aus Kohlenstoff bestehen, verbrennen und zurück bleibt ein anorganischer Rest (Rohasche), der überwiegend aus Mineralien besteht. Die Differenz aus Trockenmasse und Rohasche ergibt die organische Masse der Trockensubstanz. Die Vorteile der Weender Futtermittelanalyse bestehen in einer relativ unkomplizierten und schnellen Überprüfung von Futtermitteln, wenigen Analysewerten für einen Vergleich und einer enormen Datenmenge, die über viele Jahrzehnte gesammelt wurde. Datenbanken und Futterwerttabellen liefern Angaben über Rohnährstoffe in verschiedenen Futtermitteln und -pflanzen. Auch heute noch wird auf Werte von Nährstoffgruppen zurückgegriffen, die mit dieser Methode ermittelt wurden. Beispielhafte Werte der Weende-Futtermittelanalyse, ihre Toleranzen und und mögliche Gehalte. Calcium und Phosphor gehören eigentlich nicht zur Weende Analyse, sie seien hier mit aufgeführt, weil sie in der Regel auch deklariert werden Für Kaninchen handelt es sich bei käuflichen Futtermittel mit Deklaration in der Regel um Trockenfutter. Der Feuchtegehalt solcher Futtermittel darf 14% nicht überschreiten. Die Angabe der Werte bezieht sich auf die Frischesubstanz des Futter: “Die Angabe der Einzelfuttermittel erfolgt in absteigender Reihenfolge (halboffene Deklaration) nach dem Gewicht auf Basis des Feuchtegehaltes (entspricht der Originalsubstanz) im Mischfuttermittel. Das Einzelfuttermittel, das gewichtsmäßig den Hauptanteil des Mischfuttermittels bildet, ist als erstes zu nennen, danach das Einzelfuttermittel, das gewichtsmäßig an zweiter Stelle steht. Nach diesem Prinzip sind alle Einzelfuttermittel zu nennen, die in dem Mischfutter enthalten sind. (Quelle: Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). 2019. Leitfaden zur Kennzeichnung von Einzelfuttermitteln und Mischfuttermitteln. 2.Auflage (Stand: 24.04.2012) https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Tier/Futtermittel/Leitfaden- Kennzeichnung-Futtermittel.html) Werte der Weender Analyse für verschiedene Futtermittel in der Frische- bzw. ursprünglichen Substanz (uS). Die Stickstoffreien Extraktstoffe (NfE) werden in der Deklaration nicht angegeben.  Wenn man Futtermittel miteinander vergleichen möchte, empfiehlt es sich, alle Werte auf die Trockensubstanz umzurechnen. Für Trockenfutter wird in der Regel ein TS- Gehalt von 10% angenommen. Werte der Weender Analyse für verschiedene Futtermittel in der Trockensubstanz (TS). Die Angabe der Werte in der TS ermöglicht einen direkten Vergleich von Futtermitteln. In dem Diagramm erfolgt die Angabe in %, in Lehrbüchern oder Futterwerttabellen werden die Gehalte oft in g/kg TS angegeben. Da es sich bei den Weende-Analysewerten eigentlich um Nährstoffgruppen handelt, lassen sie nur wenig Rückschluss auf die jeweilige Qualität einer Gruppe und ihrem Nutzen für den Organismus zu. Neben den Nachteilen der theoretischen Berechnung fehlt eine mögliche Beurteilung von tatsächlich enthaltenen Nährstoffen wie z. B. Amino- und Fettsäuren sowie einer der wichtigesten Gruppen von Nährstoffen, nämlich den Kohlenhydraten. Die Ermittlung der Werte ist eine rein chemische mit wenig Aussagekraft über einen Nutzen für den Organismus. Übersicht ausgewählter Nähr- und Wirkstoffe von Pflanzen
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